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Ausstellungstipps

Mit Antigen-Schnelltest und

Zeitfensterticket in

Berliner Ausstellungen

Galerie König in St. Agnes, Palais Populaire, Gutshaus Steglitz



Nicht nur der Frühling, auch die Pandemiestrategien der einzelnen Bundesländer treiben sonderbare Blüten. Während in Brandenburg oder Hamburg die Museen wegen hoher Inzidenzwerte wieder geschlossen sind, ist in Berlin der Besuch einiger der zahlreichen Museen, Galerien und Ausstellungsräume der Stadt immer noch möglich. Voraussetzung ist ein tagesaktueller negativer Antigen-Schnelltest und natürlich das mittlerweile überall obligatorische Zeitfensterticket. Wer die Termin-Koordination an einem Tag gemeistert hat und nicht dem plötzlich um sich greifenden Shoppingwahn erliegt, kann also in den Genuss so mancher künstlerischer Leckerbissen kommen.

Hier einige kurze Empfehlungen für den Ausstellungsbesuch:



Gemeindezentrum und Kirche St. Agnes, Entwurf Werner Düttmann
Foto: Harald Rossa; Bildquelle: Wikimedia


Galerie König in St. Agnes in Kreuzberg

Sehr interessant und lohnend ist in jedem Fall die Galerie König im Bezirk Kreuzberg. Ganz in der Nähe der Berlinischen Galerie und dem Jüdischen Museum gelegen, ist schon allein das Galeriegebäude den Besuch wert. Das im Stil des Brutalismus in den 1960er Jahren von Werner Düttmann als Gemeindezentrum mit der Betonkirche St. Agnes erbaute Ensemble ist etwas für Architekturfans. Zudem sind dem Architekten und ehemaligen Senatsbaudirektor Werner Düttmann (der Henselmann von Westberlin, wenn man so will) zum 100. Geburtstag in diesem Jahr einige Ausstellungen gewidmet. Kaum ein Architekt hat das städtebauliche Bild des Berliner Westens (Palais am Funkturm, Akademie der Künste, Kongresshalle etc.) so geprägt wie er. Dazu sicher bald mehr.

Wer die außergewöhnliche Rauminstallation I HOPE der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota verpasst hat, kann nun im ehemaligen Kirchenraum im 1.OG der Galerie König die Installation ROUND TABLE (AND OTHER FORMS) der Künstlerin Amalia Pica ansehen. Die 14 farbenfrohen Tische auf Rollen werden täglich umgruppiert und neu arrangiert, um so die feste Hierarchie, die sich in Büromöbeln verankert, in Frage zu stellen, wie es heißt. Das Büro als soziale Struktur und Skulptur. Wer will kann das ja im eigenen Homeoffice nachbauen. Da hört man auch etwas Beuys heraus. Der Meister der sozialen Skulptur feiert ja in diesem Jahr ebenfalls 100. Geburtstag.

Im Erdgeschoss ist dem Berliner Maler K.H. Hödicke eine kleine Ausstellung mit dem Titel KLEINE BILDER AUS KÜCHE UND KLO gewidmet. Häusliche Stillleben zwischen Putzeimer, Wäscheständer und Badewanne. Auch das eine Reise in die heimischen vier Wände, wo wir uns pandemiebedingt momentan häufiger als sonst aufhalten.

Und mit Hödicke sind wir dann auch gleich beim zweiten Ausstellungstipp.



Werke von K.H. Hödicke im Palais Populaire | Foto (C) Stefan Bock


K.H. Hödicke im Palais Populaire in Mitte

Die Ausstellungsräume der Kunstsammlung der Deutschen Bank Unter den Linden zeigen eine kleine Retrospektive des 83-jährigen Künstlers, dem die Münchner Pinakothek der Moderne erst im letzten Jahr eine große Schau widmete. Im Palais Populaire ist das malerische Werk des Vertreters der Neuen Figuration gegen den Trend der Abstraktion in der Nachkriegszeit von den informellen Anfängen der 1950-60er Jahre über die an die US-amerikanische Popart anknüpfenden Stadtlandschaften, Schaufenster- und Reklamebilder bis zur Serie der großformatigen Papierarbeiten der 1980-90er Jahre im neoexpressionistischen Stil zu sehen. Besondere Hingucker sind sicher der Schaukelreiter, rot auf blauem Grund, der als Referenz an die Vorbilder der Künstlergruppe Der Blaue Reiter gelten kann, oder eine Gouache des Brandenburger Tors aus den 1980er Jahren, grau vor gelb-goldenem Himmel mit schwarz-rotem Fähnlein. Da stand die Mauer noch und Hödickes Adepten, Neue Wilde genannt, hatten ihre Hochzeit im Westberliner Underground. Das Motiv hat Hödicke nie ganz losgelassen, wie weitere Stadtansichten zeigen. Ein Chronist einer Stadt, die es so nicht mehr gibt.

*


Gutshaus Steglitz | Foto (C) Stefan Bock


Neo Rauch im Gutshaus Steglitz

Im Süden Berlins an der Shoppingmeile Schloßstraße direkt neben dem Schlosspark Theater gelegen befindet sich eine weitere architektonische Rarität. Das Gutshaus Steglitz, auch Wrangelschlösschen genannt, ist ein zwischen 1795 und 1808 von David Gilly erbautes Landhaus im klassizistischen Stil. Von 1992 bis 1995 wurde das Gutshaus aufwendig und denkmalgerecht saniert. Es beherbergt heute u.a. die Galerieräume im Erdgeschoss, wo noch bis September die Ausstellung Der Beifang mit großen und kleinen Papierarbeiten des Leipziger Malers Neo Rauch gezeigt wird.

Von Rauch sind zumeist nur die großformatigen Gemälde mit surreal verrätselten Motiven und Menschengruppen, deren Titel kaum eindeutige Rückschlüsse auf das Dargestellte zulassen, bekannt. Grafische Arbeiten sieht man eher selten. Die Ausstellung versammelt Papierarbeiten in Tusche, Bunt- oder Filzstift, Acryl und Öl. Ausbruch; Gefesselt; Ratlos oder Pans Schlaf lassen eine Vorliebe Rauchs für apokalyptische, psychologische oder mythische Hintergründe vermuten. Gemeinsam mit seiner Frau, der Malerin Rosa Loy, hat er auch schon die Wagneroper Lohengrin ausgestattet.

Immer wieder ist auch der Künstlers selbst, oder Autobiografisches Thema der Bilder. Die Erwartung zeigt ihn sinnend vor einer Leinwand, Stellwerk II verweist auf den frühen Unfalltot der Eltern, wie Rauch selbst Künstler. Das hat zum Teil schon ikonografischen Charakter. Bilder wie Der Stammbaum; Überlieferung und Wegzehrung zeigen den Künstler im Sog von Traditionen und Vorbildern. Im Bild Spiegler ist im Hintergrund sogar eine an Karl Marx erinnernde Figur zu sehen. Politisch versuchte man, Neo Rauch auch wegen seiner Äußerungen zur Flüchtlingsproblematik in die Nähe neurechten Gedankenguts zu stellen. Gegen einen seiner Kritiker wehrte sich Rauch mit dem Gemälde Der Anbräuner. Dem Verkauf der Werke des Künstlers wird das keinen Abbruch tun.

Wem nach der Ausstellung nach frischer Luft ist, sei ein Gang weiter bis zum Botanischen Garten empfohlen, um dort ganz ohne Maske unter Einhaltung der Abstandsregeln durchzuatmen. Während andere nach Malle fliegen, drückt man sich hier aber nur die Nase am geschlossenen Tropenhaus platt.


Stefan Bock - 4. April 2021
ID 12851
https://www.koeniggalerie.com

https://www.db-palaispopulaire.de/

https://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/


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