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nachDRUCK # 4

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Ausstellung

Zeitgenössische

Kunst in

barockem

Interieur



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Die mittlerweile 27. Ausgabe des Brandenburger ROHKUNSTBAU findet in diesem Jahr im Schloss Altdöbern in der Niederlausitz statt. Nur als kurzzeitige Zwischennutzung in zur Sanierung anstehenden Gemäuern geduldet, musste die 1994 in Groß Leuthen gegründete Ausstellungsreihe für internationale Kunst öfter weiterziehen und machte u.a. Station in den Schlössern Sacrow, Marquard und Roskow in der Nähe von Potsdam sowie auch einmal in der Villa Kellermann direkt in der brandenburgischen Hauptstadt. In den letzten Jahren war der ROHKUNSTBAU im Barockschloss Lieberose in der Nähe des Spreewalds beheimatet, bis es 2022 an einen neuen Nutzer verkauft wurde.

Die dreiflügelige Schlossanlage im Ort Altdöbern hatte seit dem 16. Jahrhundert häufig wechselnde Besitzer. Den damaligen Renaissancebau ließ 1717 der preußische Generalmajor Alexander Dietrich von Eickstedt abreißen und durch ein Barockschloss ersetzen. Dazu gehörte ein weitläufiger im barocken Stil angelegter Park. Weitere Veränderungen erfuhr das Schloss ab 1880 im Besitz des preußischen Unternehmers und Politikers Heinrich Graf von Witzleben-Alt-Doebern, der auch ein etwas deplatziertes Landhaus im neoromanischen Stil anbauen und den Barockgarten zum Landschaftspark umgestalten ließ. Der für seine Extravaganzen bekannte Graf verkaufte den Besitz 1917 an den Berliner Zigarettenfabrikant Eugen Laib Garbáty, der wiederum Aufgrund der nationalsozialistischen Judenverfolgung den Erholungssitz der Familie 1938 zwangsweise verkaufen musste. In den Jahren 1943-45 war die Schwedische Botschaft aus Berlin hierher ausgelagert.



Schloss Altdöbern | Foto: Stefan Bock


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss geplündert und der Park verwilderte. Die Caritas unterhielt hier noch bis 1974 ein Waisenhaus, bis der zunehmende Verfall eine Nutzung nicht mehr zuließ. Erst nach der Wende begannen durch die Brandenburgische Schlösser GmbH erste Sanierungsarbeiten am Schloss und die Wiederherstellung des Parks. Ab 2015 wurde endlich auch mit der notwendigen Restaurierung im Inneren begonnen. Erste Ergebnisse lassen sich jetzt im Rahmen des Rohkunstbau bewundern. Zukunft. Ins Offene ist dann auch ganz optimistisch die Ausstellung mit Werken von fünfzehn Künstlern und Künstlerinnen sowie einem Architekturbüro betitelt.

*

Schon immer nahmen die beim ROHKUNSTBAU ausgestellten Werke Bezug zur Geschichte oder Nutzung des jeweiligen Gebäudes. Auch In Altdöbern setzt die Kuratorin Dr. Heike Fuhlbrügge auf einen sich gegenseitig befruchtenden Dialog der alten Bausubstanz mit der zeitgenössischen Kunst. Ob die polierte Aluminiumskulptur Dreamer - Alpha Virgin/i> der mallorquinischen Künstlerin Francesca Marti [s. Foto unten] mit den an den Wänden im Atrium stehenden Sandstein-Putten korrespondieren, sei mal dahingestellt. Vieles bildet hier doch eher einen, wenn auch charmanten Kontrast zum barocken Interieur der Räume. Etwa die pechschwarze Familienaufstellung der deutsch-amerikanischen Künstlerin Chloe Piene vor faszinierend floraler Wandbemalung.



Francesca Marti: , 2021, Aluminium poliert, 160 x 80 x 120 cm | © Francesca Marti,
Foto Roland Horn


Im etwas dunklen Eingangsfoyer empfängt einen die Video-Installation Aktom von Markus Schaller. Dafür hat der Berliner Künstler Kohlenstoffstaub durch die Luft gewirbelt und in Slowmotion abgefilmt. Es entsteht dabei ein Sternestaub-ähnlicher Kosmos flirrender Teilchen. Ein wenig Science- Fiction-Feeling versprüht auch die Augmented-Reality-Installation Past in Progress der VR-Künstlerin Patricia Detmering. Eine Echt-Installation aus gefärbtem Sand und computergenerierter 3D-Animation zum vom Aussterben bedrohten Feuersalamander. In einer Vitrine daneben sind alte Fotos zum Thema Umweltverschmutzung und Naturschutz in der DDR ausgestellt. Etwas haptischer ist das aus Keramik nachgebildete Walherz der Berliner Künstlerin Isa Melsheimer. Das faszinierende Kammer-Organ als architektonisches Wunder der Natur. Ähnlich lassen sich wohl auch ihre keramischen Metamorphosen aus Natur-Objekten und Architektur verstehen.

Geben die meisten der Kunstwerke doch einen schönen Kontrast zu den barocken Stuckornamenten und Wand- bzw. Deckenbemalungen, stehen manche Objekte oder Bilder doch etwas verloren in den frisch sanierten Räumen, deren Üppigkeit den Blick von der modernen Kunst abschweifen lässt. Mit dem sorbischen Mythos der Hexe in der Niederlausitz kann man das bereits 1985 geschaffene Selbstportrait als Hexe der bekannten US-amerikanischen Fotografin Cindy Sherman bezeichnen. Ein weiterer Bekannter ist der in den 1980er Jahren den Berliner Neuen Wilden zugehörige Maler Rainer Fetting, der hier mit zwei Gemälden und Bronze-Skulpturen vertreten ist. Seine bunte Infantin [s. Foto unten] lässt sich durchaus auch als Frau in sorbischer Tracht lesen. Es gibt drinnen wie draußen noch so einiges mehr zu entdecken, bevor der Blick ins Offene sich auch hier wieder schließen wird.



Rainer Fetting: Infantin, 2018-2019, Edition, 2-6 Bronze, schwarze Patine, Sockel,
64 x 94 x 30 cm | © Rainer Fetting, Courtesy Galerie Robert Grunenberg Berlin,
Foto Roland Horn

Stefan Bock - 3. September 2022
ID 13786
Weitere Infos siehe auch: https://www.rohkunstbau.net/


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