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Ausstellung

Kunstvoll naiv



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Den „Zöllner Rousseau“ kennt wohl jeder, der sich auch nur ein bisschen für Malerei interessiert. Eine Zeit lang schauten seine unverwechselbaren Bilder in jedem Büro von Wandkalendern herab und gehörten zum Inventar der vielfach kopierten Motive. Henri Rousseau (1844-1920) figuriert unter der Kategorie „naive Malerei“, weil er Autodidakt war. Aber er war keine Einzelerscheinung. Der deutsche Kunsthändler Wilhelm Uhde (1874-1947) prägte für Rousseau und vier weitere scheinbar naive Künstler – André Bauchant (1873-1958), Camille Bombois (1883-1970), Séraphine Louis (1864-1942) und Louis Vivin (1861-1936) – den poetischen, aber auch irreführenden Namen Die Maler des Heiligen Herzens, der sich jedoch im allgemeinen Bewusstsein nicht durchgesetzt hat. Jetzt hat ihnen das MUSEUM FRIEDER BURDA in Baden-Baden eine sehenswerte Ausstellung gewidmet.

Gemeinsam hatten die fünf, dass sie Franzosen und Zeitgenossen waren und keine akademische Ausbildung hatten. Eine Gruppe im strengen Sinn bildeten sie nicht. Ihre thematischen Interessen unterscheiden sich erheblich und reichen von Landschaftsbildern über Porträts und Zirkusbilder bis zu dekorativen Blumenbildern. Wilde Tiere tummeln sich in ihnen ebenso wie Engel und übergewichtige Damen, die Fernando Botero vorwegnehmen. Sehr verschiedenartige Einflüsse und Anregungen aus diversen Epochen, zumal des Impressionismus, haben Spuren hinterlassen. Und was die Naivität angeht, so kann man über die Bezeichnung streiten. Bei vielen Bildern will man kaum glauben, dass ihre Schöpfer nicht mit gängigen Techniken vertraut waren. Der Moulin à eau etwa, die Wassermühle von Camille Bombois oder seine Nymphéas sur l’étang de la ville d’Avray verblüffen durch erstaunliche technische Professionalität. Das Gleiche gilt erst recht für Henri Rousseus Tête de femme oder seine Rivière. Und Besonderheiten der Gestaltung, von verzerrten Proportionen, von „verunglücktem“ Realismus mag man bloß für naiv halten, wenn man die Biographien der Maler kennt. Sie könnten ebenso gewollt sein, einer Absicht und nicht Unvermögen entspringen. Ein grundsätzlicher Unterschied etwa zu Paul Klee oder Max Ernst mit ihrem Interesse für „primitive Kulturen“ lässt sich kaum definieren.



André Bauchant, Le triomphe de Neptune, 1929
Sammlung Zander © VG Bild-Kunst, Bonn 2022


Die Ausstellung ist, jenseits der Exponate, eine Würdigung von Wilhelm Uhde, zu dem der Katalog ausführliche Informationen beisteuert. Dass er die Bedeutung von marginalisierten Künstlern erkannt hat, ist ihm zu danken, auch wenn es lange gedauert hat, bis sich seine Einsichten durchgesetzt haben. Die Zitate zu den fünf Malern an den Wänden des Museums sind allerdings oft recht phrasenhaft und entsprechen dem pathetischen Jargon ihrer Entstehungszeit. Aus ihnen spricht mehr Begeisterung als Analyse.
Thomas Rothschild – 30. August 2022
ID 13778
Weitere Infos siehe auch: https://www.museum-frieder-burda.de/


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