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Textile

Arbeiten



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Ausstellungen von Louise Bourgeois (1911-2010) sind immer ein Ereignis. Und so bildete sich schon am Eröffnungsabend eine lange Schlange Interessierter vor dem GROPIUS BAU. Das Ausstellungshaus der Berliner Festspiele zeigt in einer umfassenden Schau das textile Spätwerk der in Paris geborenen Künstlerin, die von 1938 bis zu ihrem Tod in New York lebte und arbeitete. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre überdimensionalen Spinnen-Skulpturen aus Bronze. Sie versinnbildlichen das mütterliche Prinzip des Behütens und Reparierens. So verhält es sich auch mit den Textilarbeiten von Louise Bourgeois. Als Tochter einer Restaurateurin für Tapisserien hatte sie ab Mitte der 1990er Jahre begonnen, die traumatische Beziehung zu ihrem patriarchalen, sie und die Mutter demütigenden Vater künstlerisch mit Hilfe von Stoffen, aus denen sie symbolbeladene Skulpturen und Installationen schuf, zu verarbeiten. In den großen Ausstellungsräumen des Gropiusbaus sind nun eine Vielzahl dieser Skulpturen, Installationen, Zeichnungen, Collagen, Textil-Bücher und Drucke versammelt.

Eine Spinnenskulptur gibt es natürlich auch zu sehen. Sie thront inmitten eines der größeren Räume über einer der für Louise Bourgeoise typischen Cell-Installationen namens Spider [s. Plakatmotiv o. re.]. Ein Gitterkäfig in dem ein mit Tapisseriestoff bezogener Sessel, weitere Tapisseriefragmente und eine Auswahl persönlicher Gegenstände der Künstlerin platziert sind. Die Installation vermittelt das ambivalente Verständnis der Künstlerin von Mutterschaft und Sexualität. Die Spinne als reparierende Behüterin und zugleich als Raubtier, das ihre Artgenossen frisst. Das Thema Sexualität behandeln auch die kopflosen kopulierenden Textil-Couples, deren unten liegender weiblicher Teil zumeist durch Schienen oder Prothesen gekennzeichnete Verwundungen aufweist. Kindliche Traumata, psychische Verletzungen und Verlustangst. Da spielt auch die Psychoanalyse Freuds mit hinein.

Bedrückend wirken die textilen Frauentorsi mit aufgenähten Brüsten und angedeutetem Vaginalbereich. Die Installation Lady in Waiting (Zofe) zeigt eine in einem beengten Holzkasten sitzende Spinnenfrau, aus deren Mund sich Fäden auf Garnspulen wickeln. Das symbolisiert einerseits den Schaffensprozess der Künstlerin, aber auch den Zeitverlust eines ungelebten Lebens. Den „Blick auf eine eifersüchtige Frau“ zeigt die Gitterinstallation Cell XXV. Louise Bourgeoise hat hier persönliche Kleidungsstücke auf Schneiderpuppen drapiert, von denen eine mit zwei großen weißen Marmorkugeln am Boden eine Art phallisches Symbol darstellen. So auch Needle (Fuseau) [Nadel (Spindel)] mit einer überdimensionalen gebogenen Nähnadel und zwei großen Holzkugeln.

Besonders eindrucksvoll ist die Werkgruppe der Textilköpfe. Über die aus Aluminium geformten Schädel hat die Künstlerin auch in den Farben sehr unterschiedliche Stoffe gezogen. Sie sollen die Vielzahl unterschiedlicher und widersprüchlicher menschlicher Emotionen ausdrücken, was sich auch bei einigen der Köpfe in mehren Gesichtern ausdrückt. In Vitrinen sind kleinere und größere Textil-Skulpturen mit zum Teil sehr fantasievoll gestalteten oder auch extrem gebogenen Formen ausgestellt. Auch sie drücken nicht ganz ohne Humor verschiedene Gemütszustände und psychische Qualen aus.



The Good Mother (Die gute Mutter) von Louise Bourgeois - derzeit zu sehen
im Berliner GROPIS BAU | Foto: Stefan Bock


Die Cell-Installation The Good Mother (Die gute Mutter) [s. Foto oben] zeigt einen textilen Frauentorso aus dessen Brüsten sich Fäden auf fünf Garnspulen wickeln. Auch ein Symbol enger familiärer Beziehungen. Auch dem titelgebenden The Woven Child (Das gewobene Kind) ist ein ganzer Raum gewidmet. Kleinere Skulpturen, Installationen und Stoffbücher befassen sich hier mit dem Thema Geburt, Mutterschaft und kindlicher Psychologie. In vielen Zeichnungen und Stoffcollagen hat Louise Bourgeoise die Themen ihrer dreidimensionalen Kunstwerke auch in die Fläche gebracht. Das Hauptaugenmerk der sehenswerten Ausstellungen liegt aber klar im skulpturalen Bereich. „Die Skulptur ist für mich der Körper“, sagte Louise Bourgeoise. Und das auch in den abstrakten oder rein geometrischen Formen ihrer Mulltuchskulpturen und Textiltürme, die strengen Regeln folgen, die es in der emotionalen Welt der Künstlerin nicht gibt. Und auch das ist ein Versuch zu reparieren.
Stefan Bock - 23. Juli 2022
ID 13723
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinerfestspiele.de/de/gropiusbau/start.html


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