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Museum im Check

PAUL DELVAUX

MUSEUM



Das Haus der Foundation Paul Delvaux Museum in St. Idesbald - Koksijde, Belgien | Foto: Christa Blenk



Das PAUL DELVAUX MUSEUM liegt im idyllischen Vlierhof-Viertel in St. Idesbald/Koksijde an der belgischen Küste, nur ein paar Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Paul Delvaux (1897-1994), der Ostbelgier, hat sich schon 1945 dort angesiedelt. Das elegante Wohnviertel ist weit genug von der zugebauten Küste entfernt, dass man das Gewusel und den Lärm dort nicht mitbekommt.

Im Museum kann man auf 1.000 Quadratmetern den künstlerischen Lebensweg von Paul Delvaux verfolgen, und dieser geht über impressionistische Landschaften wie Marine (1920) oder Allée dans la Fôret (1921) oder expressionistische Portraits, die unter Einfluss von seinen belgischen Malerkollegen Permeke oder De Smet entstanden sind wie grand nu rose. Das Bild La dame rose (1934) ist hingegen ein klares Zitat an Picassos Demoiselles d’Avignon. Aber erst die Bilder le canapé vert (1944), La mise au tombeau (1957), le Cortège (1963) oder das großartige Spätwerk La messagère du soir (1980) sind die Arbeiten, die wir mit Delvaux verbinden.

Gerade hat die Zeichnung Nu couché devant une ville den Fundus der Stiftung ergänzt, auf der Delvaux selber links unten "mauvais" (dt.: schlecht) vermerkt hat. Berührend sind seine Tintenzeichnungen und Aquarelle, die der 90jährige Künstler aus dem Gedächtnis heraus gemalt hat, die Hand vom Pinsel geführt, denn zu diesem Zeitpunkt war er schon fast blind.



Saalansicht des Paul Delvaux Museums in St. Idesbald/Koksijde | Foto: Christa Blenk


Unzählige persönliche Gegenstände sind in Vitrinen ausgestellt und bilden ein geheimnisvolles Kuriositätenkabinett, in dem man vom Totenschädel bis zum Akkordeon alles mögliche und unmögliche entdeckt. Aber vor allem ist das Museum ein Ort, der von seinen Lieblingsmotiven erzählt: von Frauen und Zügen.

Bedeutend und maßgeblich für seine spätere künstlerische Laufbahn war ein Besuch bei der Surrealisten-Ausstellung Minotaure in Brüssel 1934. Dort sah Delvaux zum ersten Male Werke von Magritte, Max Ernst, Dalí und Giorgio de Chirico. Nach dieser Entdeckung schließt er sich kurzzeitig der surrealistischen Bewegung an. Der Italiener hat ihn am meisten beeindruckt, und Delvaux‘ Bilder ab den 1940er Jahren können sich von De Chirico-Stimmungen nicht mehr lösen. Da sind sie, die kalten, zum Teil menschenleeren Plätze, die klassizistischen Säulen und Rundbögen, umgeben von gespenstischer Beleuchtung und immer wieder Züge. Delvaux‘ Frauen tragen meist keine Kleider, und auch wenn sie welche tragen, wirken sie trotzdem ausgezogen, aber erotisch sind sie deshalb nicht. Dafür sorgt schon das weiße Licht der pittura metafisica und der abwesende Blick mit den großen, unnatürlichen Augen. Die Frauen scheinen gar nicht von dieser Welt und eher durch Magie in diese Bilder gekommen zu sein. Sie sind auch nicht von allen wahrzunehmen und huschen durch ein Traum-Universum.



Le canapé vert im Paul Delvaux Museum in St. Idesbald/Koksijde | Foto: Christa Blenk


Paul Delvaux wurde in eine Zeit hineingeboren, in der sich neue Stile und Tendenzen einen Schlagabtausch auf dem Kunstparkett lieferten. Er hat sich in vielen Stilen versucht, bis er ab den 1940er Jahren seinen eigenen Delvaux-Stil fand. Paul Delvaux wird oft unter den Surrealisten verbucht, obwohl er selber das immer abgelehnt hat.

In den 1950er Jahren malte Delvaux für den wohlhabenden Sabena-Präsidenten Gilbert Périer einen antiken Freskenzyklus für dessen Haus in Brüssel. Auch dieses Projekt kann man im Museum nachverfolgen. Die Stiftung hat es sich außerdem zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr eine neue Themenausstellung zu organisieren. Im Moment treten dort Skulpturen seines Künstlerfreundes George Grard mit den eigenen Bildern in einen sehr regen Dialog. Manche der Grard-Skulpturen scheinen gerade aus einem Delvaux-Bild entflohen zu sein.

Der in der belgischen Provinz Lüttich geborene Sohn einer autoritären Mutter und eines strengen Vaters bekam eine künstlerische und musische Ausbildung und war ursprünglich Architekt. Seine große aber mittellose Liebe Tam konnte er erst nach dem Tod der Eltern heiraten. Er liebte Jules Verne, Homer und die griechische Mythologie, das wundert nicht, wenn man seine Bilder ansieht.

Paul Delvaux war Teilnehmer an der documenta 2 in Kassel 1959. Viele seiner Werke sind in Privatsammlungen untergebracht, aber man findet Bilder von ihm in allen bedeutenden Museen weltweit.

Fast 100 Jahre hat Delvaux gelebt, immer mehr zurückgezogen in seiner Welt. Das kleine Museum an der Küste ist unbedingt einen Besuch wert, wenn man den Künstler näher kennen lernen möchte. Nirgends auf der Welt bekommt man sonst so viele Delvaux-Bilder an einem Tag zu sehen. Ein sympathisches Café befindet sich direkt neben dem Museum. Der Eintritt kostet 10 Euro, und es empfiehlt sich, vorher zu reservieren.

*

Die Ausstellung im Brüsseler Train World Museum Der Mann der Züge liebte ist gerade verlängert worden und eignet sich perfekt als Ergänzung.


Le cortége, 1963 im Paul Delvaux Museum in St. Idesbald/Koksijde | Foto: Christa Blenk


Christa Blenk - 8. September 2020
ID 12446
FOUNDATION PAUL DELVAUX MUSEUM
Av. Paul Delvauxlaan, 42
8670 St. Idesbald - Koksijde
Belgium

Tel : +32 (0) 58 52 12 29
mail : info@delvauxmuseum.be

Öffnungszeiten
- 30.09.2020 | 10:30 - 17:30
01.10.2020 - 03.01.2021 | 10:30 - 17:30

Eintrittspreise
10 Euro (7 / 8 Euro erm.)


Weitere Infos siehe auch: https://www.delvauxmuseum.be/


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