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TACHELES - Zerstörung einer Utopie






Das Kunsthaus Tacheles Berlin ist in Stadtführern verankert, aber in der Stadt nicht mehr zu finden.

Ins Kunsthaus Tacheles strömten Menschen wie im 18., 19. Jahrhundert nach Amerika, in der Hoffnung, dort Freiräume zu finden und ihre Lebensvorstellungen verwirklichen zu können.

Das Tacheles war zuletzt eine Art lebendiges Mahnmal, das Erinnerungen an Sehnsüchte, Machtmissbrauch, Machtkämpfe, Günstlingswirtschaft und Vertreibungen weckte. Das Tacheles, Oranienburger Straße Berlin, war ein von Künstlern besetztes Haus. Es wurde ein Vereinshaus, in dem sich Vereinsmitglieder bekriegten. Einer habe Strom geklaut, ein anderer bezahle keine Miete, andere hätten sich an Projektgeldern bereichert. Das Tacheles wurde in Reviere geteilt, die vom Reviernachbar nicht betreten werden durften. Übertretungen konnten Körperverletzungen zur Folge haben. In die Satzung waren Klauseln eingearbeitet, die eine feindliche Übernahme verhindern sollten, Stimmrecht hatte nur der, der Vollmitglied sei, er müsse Fördermitglied gewesen sein. Es wurden Gelder ausgegeben und Gerichtsprozesse geführt, um festzustellen, wer ein rechtmäßiges Mitglied ist.

Ein Mitglied sagte, dass der Vorstandsmitglied im Tacheles werden könne, dem es gelänge, die Abstimmung in einer Mitgliederversammlung so lange hinauszuzögern, bis niemand mehr da sei. Das Tacheles war ein klitzekleines Eiland, aber es war voll von Gerüchten, die von Rauschgift, Kontakten zu Zuhältern, Türkenmafia, Morddrohungen, Brandstiftung, Körperverletzung, bepissten Klos, Scheißhaufen auf dem Beton, Kotze in den Ecken erzählten. Eins der Gerüchte erzählte, eine Person, die gern mit Menschen spiele, habe für die Staatssicherheit gearbeitet und sei die heimliche Eminenz, die das Künstlerhaus regiere, Menschen, die zu Gegnern erklärt werden, hätten keine Chance, es würden Gerüchte ausgestreut, die sie in Verteidigungshaltungen zwingen. Sobald sie sich verteidigen, kursieren neue Gerüchte. Jeder muss damit rechnen, dass er zum Feind erklärt wird. Einer putzte das Klo in zwei verfeindeten Revieren, das war ein Fehler, er wurde arbeitslos.

Zwischen den Machtkämpfen hausten Künstler, die Hoffnungen verkörperten, im Tacheles entdeckt oder reich werden zu können und andere, die eine Familie und andere, die das geistige und sinnliche Abenteuer suchten. Künstler, die hofften, bleiben zu können, wurden Vereinsmitglieder.

Künstler wurden im Kunsthaus Bittsteller: sie bettelten um ein Atelier, sie bettelten um Atelierverlängerungen, sie bettelten, dass die Diskoboxen über dem Atelier nicht auf den Betonboden gestellt werden, sie bettelten... sie hörten: „Das Wichtigste am Tacheles ist die Bar“ oder „Das Wichtigste am Tacheles ist das Café.“ Sie wurden Statisten in der Legende Künstlerhaus Tacheles und bezahlten dafür Geld. Die Nebenkostenpauschale war so hoch, wie die einer Wohnung mit Küche und Bad. Künstler mussten den Mietbetrag mit Verkäufen erarbeiten. Die meisten Menschen gingen aber nicht ins Tacheles, um Kunst zu kaufen, sondern um Kunst und Künstler kostenlos anzusehen. Die Künstler litten unter dem Druck, touristengerecht arbeiten zu müssen, sie bettelten um Spenden oder arbeiteten in einer Art Angestelltenverhältnis für Auftraggeber, die ihnen genau vorschrieben, was sie fertigen müssen, ihnen fremde Namen und Biografien zuordneten. „Kunstmafia.“ Die Künstler erhielten keine Einsicht in Kostenabrechnungen des Tacheles, „Wenn du nicht zahlen willst, kannst du gehen.“ Künstler bezahlten für einen Fahrstuhl, der fast nie funktionierte, für eine Kloreinigung, die sie gewöhnlich selbst leisten mussten, für die Verwaltung, für... einige Künstler zahlen nicht, weil sie das Geld, das sie erhalten können, fürs Essen brauchen, sie schuldeten dem Tachelesverein Geld, ohne es erarbeiten zu können. Wenn ein Gast in der Bar ein Bier trinken will, muss er bezahlen und bezahlt. An der Bar arbeiten zu dürfen, galt als Privileg. Wer Bier ausschenkt, erhält Lohn.

Ines Eck (Autorin) und Klaus Michalek (Fotograf) hielten Momente fest, als das Tacheles eine Kaufhausruine war, alles möglich schien.



Im eBook sind Geräte, in denen der Leser die Größe der Schrift verstellen kann. Amazon ermöglicht Informationen, die Google erfasst. Die Edition Kunstlandschaft steht Künstlern und Herausgebern für Kooperationen zur Verfügung.

http://www.textlandschaft.de/kunstlandschaft/ebook/ebook.php

KULTURA-EXTRA gehört zum Künstlernetzwerk.
i. e. - 9. Mai 2013
ID 6745

Ines Eck (Autorin) / Klaus Michalek (Fotograf): Tacheles - Zerstörung einer Utopie
Kindle-Edition 2013
€ 9,99
ASIN: B00C5DW91S
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.



Außerdem als...
Manuskriptausdruck, signiert: € 14,99
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Weitere Infos siehe auch: http://www.amazon.de/Tacheles-Zerst%C3%B6rung-einer-Utopie-ebook/dp/B00C5DW91S/ref=sr_1_4?s=books&ie=UTF8&qid=1368089510&sr=1-4





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