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Kulturspaziergang

Manchester,


ziegelrostrotbraun



Street Art in Manchester | Foto: Edward John Semon


Einen Monat vor dem offiziellen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gibt es bereits "verschärfte" Ein- und Ausreisebestimmungen, bevor sowohl für (Brexit-)Briten als auch die EU-Bürger ihr jeweiliger Flug beginnen kann; bei unsrer Kurzreise von Berlin-Schönefeld nach Manchester hin und zurück mussten wir also durch die Passkontrolle - aber halt! Dieses seit Jahren und Jahrzehnten übliche Prozedere ist freilich nicht "verschärft" (wie oben angemahnt), sondern hat lediglich damit zu tun, dass halt UK kein Schengenraummitglied ist; daher. Ja und Sicherheit geht nun mal vor!

Im Juni 1996 verwüstete ein Bombenanschlag von der IRA fast die gesamte Innenstadt nahe des Arndale Centers; dass es bei dem Angriff, welcher vorgewarnt war, keine Toten gab, erschien im Nachhinein als wahres Wunder trotz dass das Gelände damals rechtzeitig evakuiert wurde... Und zwanzig Jahre später:

Im Foyer der Manchester Arena zündete im Mai 2017 ein islamistischer Selbstmordattentäter kurz nach Ende eines Popkonzerts eine mit Hunderten Metallteilen gespickte Sprengladung in seinem Rucksack; 22 unschuldige Menschen, überwiegend Jugendliche und Kinder, verloren so ihr Leben, es gab an die 800 Verletzte.

Der Schock von vor drei Jahren sitzt noch immer tief!

Das Stadtbild ist seither geprägt von einer offensichtlich stärker noch vorhandenen Präsenz an Polizei sowie Security als vor dem Terroranschlag in 2017. Auffällig zum Beispiel, dass dann nachts sogar vor kleineren also "bedeutungsärmeren" Hotels die Einlasszonen kontrolliert werden - wir mussten jedesmal, wenn wir spät abends in die Unterkunft zurück wollten, unsere Pässe vorzeigen; die Namen wurden mit der tagesaktuellen Einchek-Liste des Hotels gegenverglichen, und erst dann durften wir rein...

*

Manchester ist von seiner Optik her so derart widersprüchlich, zwiegesichtig, dass du es prosaisch nicht so ohne Weiteres auf einen Punkt zu bringen magst. Alt, neu, verelendet und protzig, hell und dunkel, alles findest du. Der vorherrschende Farbeindruck im "Stadtkern" - aber nur, wenn du's bei klarem Wetter also unter blauem Himmel und gleißender Sonne, die Ende Dezember ohnehin besonders tief und blendend steht, sehend erfasst - ist Ziegelrostrotbraun, was an den teils sehr liebevoll zu Loft-, Lokal- und Ladenzeilen restaurierten und denkmalgeschützt erhaltenen Fabrikhallen des sog. Manchesterkapitalismus liegt; es zeugt vom eigentlichen Bild der Altstadt oder dem, was nach dem Bombenkrieg der Nazis an Substanzen übrig blieb und/oder wiederaufgebaut wurde. Auch gibt es unzählige Industrie-Ruinen, deren funktionelles Totsein mittels einer überall in dieser Stadt verstreuten (und berühmt gewordenen!) Street Art de facto ad absurdum geführt wird.




Die Kathedrale von Manchester | Foto: Edward John Semon


Manchester Cathedral [s. Foto oben]

"An der Stelle der heutigen Kathedrale gab es wahrscheinlich schon im 8. Jahrhundert eine Kirche. Der Nachfolgebau stand bis ins frühe 15. Jahrhundert. Die jetzige Kirche entstand 1421 bis 1506 als Stiftskirche eines Priesterkollegs; das Hauptschiff wurde von 1465 bis 1481 errichtet. Im 16. Jahrhundert wurde der Sakralbau im Zuge der Reformation zur anglikanischen Pfarrkirche von Manchester.

Als sich im 19. Jahrhundert Manchester durch die industrielle Revolution rapide vergrößerte, wurde die Kirche 1847 zur Kathedrale der neuen Diözese Manchester erhoben. Seither gab es so gut wie keine Umbauten im Innern, nur Reparatur- und Restaurierungsarbeiten. Hierzu gehörte, dass der 1864 wegen Baufälligkeit abgetragene Turm 1868 in gleicher Form, aber etwas höher wiederaufgebaut wurde. Im Dezember 1940 zerstörten deutsche Bomben den Großteil des Nordostens der Kathedrale; die Restaurierung erfolgte 1941 bis 1960."


(Quelle: Wikipedia)



Manchester Central Library | Foto: Edward John Semon


Die denkmalgeschützte Central Library [s. Foto oben] ist, nach Birmingham, die zweitgrößte öffentliche Leihbibliothek im Vereinigten Königreich, weit über anderthalb Millionen Einzeltitel hat sie aufzuweisen, davon sind etwa 900.000 ausleihbar. Ihre fast 45.000 Bücherregale haben eine insgesamte Länge von 56 Kilometern. Zu ihren vorzeigbaren Schätzen zählen beispielsweise 30 Inkunabeln also Bücher, die im 15. Jahrhundert ersterschienen; diese sind natürlich außerhalb der großen Halle aufbewahrt und bar jedweden Zugriffs. Wer (wie ich) ordentlich Buchhändler gelernt hatte (wobei ein Ausflug in die beiden deutschen Hauptbestandsbibliotheken in Leipzig und Frankfurt Pflichtkür war), würde und wird bei näherer Inaugenscheinnahme der Lesehalle ob ihrer beeindruckenden Größe stark enthusiasmiert sein; viele Frühausgaben aus vergangenen Jahrzehnten lassen sich aus den Regalen ziehen, und wenn man in ihnen blättert und dabei ihren Papierduft unvermeidlich inhaliert, kommt schon Respekt und Ehrfurcht auf. Die Library wurde von 1930 bis 1934 von E. Vincent Harris (1876-197) entworfen und ist, von ihrer Architektur her, dem römischen Pantheon nachempfunden. Es gibt insgesamt 2.000 Leseplätze, und ca. 10.000 Nutzer und Besucher kommen jeden Tag hierher. Ein wahrer Tempel konserviertem Menschengeists und nachschlagbarer Weisheit!


Wir wollten auch noch in die Chetham's Library, in der an Marx & Engels erinnert wird, die hier studierten, forschten und sich also auch über die Auswüchse des wegen der besonders in Manchester fortschreitenden Industrialisierung ausufernden Kapitalismus Gedanken machten; Friedrich Engels (1820-1895) lebte übrigens fast 22 Jahre in der Stadt, sein Vater war Besitzer einer Baumwollspinnerei. Leider hatte die Bibliothek aufgrund der Schul- sowie Semesterferien geschlossen; schade.



Das von Daniel Libeskind entworfene Imperial War Museum North in Trafford, Greater Manchester, England | Foto: Edward John Semon


Galerien und Museen gibt es jede Menge, und fast überall dort ist der Eintritt frei. Wir machten einen Schnelldurchlauf in der Manchester Art Gallery; sie wirkte auf uns ziemlich "zugestopft", d.h. es hängt und steht in ihr definitiv zu viel, man findet sich inmitten all des ausgestellten Kunst-Wusts schwer zurecht, konzeptionell (falls man von sowas hier de facto ausgeh'n würde) ein Desaster - also Ortswechsel...

Im riesigen Museum of Science and Industry (MOS) - verteilt auf fünf Ex-Industriegebäude aus der Gründungszeit des Manchesterkapitalismus - kann man die industrielle Vergangenheit der Stadt nachgebildet und erklärt bekommen. Auch schlägt es einen gewaltigen und durchaus mutigen Bogen zu den wissenschaftlich-wirtschaftlichen Entwicklungen bishin zur Gegenwart; in einer NASA-Raumfahrtkapsel können sich Besucher für ein kleines Entgeld einem Schwerelosentest unterziehen; hierzu werden sie in dem Ungetüm zentrifugal beansprucht, und wir konnten leider nach der jeweils etwa halbstündigen Extratour dieser Probanten nicht mehr sehen, wie sie sich wohl nach dem kleinen Abenteuer fühlten, wir vermuten freilich, dass es ihnen während des Herumschleuderns den Magen paarmal rumdrehte...

Das allgemeinplatzig als Manchester Museum fungierende Naturkundemuseum der Stadt zeigt zwei spektakuläre Dinosaurier-Skelette; auch hier ist, wie wir konstatierten, viel zu viel auf vielzu engem Raume ausgestellt. Der Publikumsandrang ist groß, zig Familys mit Kind & Kegel; laut und hektisch geht es zu - nein, nichts wie raus hier...

*

Absolutes Highlight unserer Museumstour: das Map - Imperial War Museum North (s. Foto oben]. Kultstararchitekt Daniel Libeskind konzipierte es in Gestalt einer zerbrochenen Scherbe aus drei imposant ineinander verschachtelten Aluminiumplatten, und vor 18 Jahren wurde es im völlig neu errichteten Medienbranchen-Stadtteil Trafford, keine 20 Minuten mit der Straßenbahn von Manchester-City entfernt, eröffnet. Allein der Bau ist sensationell!

Es gibt großflächig Platz für jeweils eine aktuelle Sonderschau (ganz aktuell zum Thema "Krieg im Jemen"), und nach dem Durchlaufen des Parcours der ständigen Ausstellung fühlt man sich schon um vielerlei Detailwissen zu diesem und zu jenem Kriegsthema bereichernd informiert.

Didaktisch gut gemacht.



Andre Sokolowski - 13. Januar 2020
ID 11929
Weitere Infos siehe auch: https://secure.manchester.gov.uk/


http://www.andre-sokolowski.de

KULTURSPAZIERGÄNGE

Hallé Orchestra
Skyfall-Filmkonzert
in der Bridgewater Hall, Manchester


Daniel Grimwood
Moonlight Sonata by Cadlelight
in der Manchester Cathedral



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