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Kulturspaziergang

Wildes

Kurdistan

Eine Reise durch Südostanatolien


Kappadokien | Foto (C) Zaubi M. Saubert


Bei einer Reise durch den Südosten der Türkei fühlt man sich wie auf den Spuren von Kara Ben Nemsi. Allerdings ist der Protagonist von Karl Mays Durch das wilde Kurdistan damals etwas weiter südlich unterwegs gewesen. Wie kommt man da denn hin, werden die einen fragen, ist das nicht gefährlich, die anderen. Massentourismus in den Südosten der Türkei ist weitgehend Fehlanzeige, sind es doch mit dem Auto von Berlin etwa 3.800 Kilometer bis zum dort gelegenen Van-See. Wenn man jedoch gerade mit dem Wohnmobil aus Georgien kommt, liegt Südostanatolien fast auf dem Weg. Eine Tagesfahrt über die gut ausgebaute türkische Autobahn trennt den Reisenden von der üppig grünen Schwarzmeerküste, nahe der georgischen Grenze und dem weiten Bergland Kurdistans. Über dreißig moderne Autobahntunnel liegen dabei auf dem Weg.

Die Landschaft wechselt unterwegs von schroffer kahler Bergwelt, teils mit kilometerlangen Stauseen, hin zu üppig grünen Steppenlandschaften. Im Juni blüht die Steppe noch in Weiß, Gelb, Rot und Blau. Eine wahre Augenweide. Vier Wochen später wird alles in ein trockenes helles Beigebraun übergegangen sein. Anatolien, der asiatische Teil der Türkei, ist bergig und liegt im Durchschnitt auf etwa 1.000 Metern Höhe. Der Van-See [s. Foto unten] befindet sich sogar auf 1.700 Metern. Eingerahmt von imposanten schneebedeckten Berggipfeln, ist er der größte See der Türkei und etwas Einzigartiges. Nicht nur, dass der See siebenmal so groß ist wie der Bodensee, sondern sein Wasser weißt eine Besonderheit auf. Das sodahaltige Wasser ist mit einem pH-Wert von 9,8 hochalkalisch und fühlt sich auf der Haut wie Seifenlauge an. Es gibt lediglich eine Fischart, die in dieser Lauge lebensfähig ist. Strandbäder sucht man hier vergebens, Strände dagegen gibt es schon. Leider sind sie oft verdreckt. Baden ist in der Türkei häufig verboten. „Weil die Männer gerne nach ein paar Bierchen ins Wasser gehen, und da sie meistens nicht schwimmen können, holt die Polizei dann immer wieder den einen oder anderen tot aus dem Wasser“, erklärt ein Campingplatzbetreiber. Dafür finden sich überall Picknickplätze, mit zum Schutz vor der Sonne überdachten Sitzgruppen und Grillstellen.



Van-See | Foto (C) Zaubi M. Saubert




Mardin | Foto (C) Zaubi M. Saubert


Noch ein ganzes Stück weiter südlich vom Van-See liegt die alte orientalische Stadt Mardin [s. Foto oben] , die sich unterhalb eines Höhenzuges mit einer Burgruine auf der Spitze den Hang hinauf zieht. Es gibt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für diese Region der Türkei, die lange Zeit als kurdische Unruheprovinz galt. Doch die befestigten Kontrollposten entlang der Straße machen einen entspannten Eindruck, und das Militär scheint in den Kasernen zu sein.

Mardin bietet einen tollen orientalischen Basar, der sich in engen Gassen und zahllose Treppen über den Burgberg erstreckt. Hier gibt es alles zu kaufen. Von Dingen des täglichen Bedarfs, Stoff- und Lederwaren, Souvenirs bis hin zu halben Schafen. Auf den Dachterrassen der Lokale blickt man hinunter in eine beige-braune landwirtschaftliche Ebene, Mesopotamien. Bei gutem Wetter geht der Blick bis nach Syrien hinein, die Grenze liegt nur dreißig Kilometer entfernt. Abends kann man hier bei einem lauen Lüftchen, nach der Tageshitze, ganz hervorragend essen. Und wenn man vorher fragt, bekommt man auch ein kaltes Bier, was es längst nicht mehr überall gibt.

Auf dem Weg zum nächsten Ziel geht es in das biblische Zweistromland mit Tigris und Euphrat. Letzterer dient heute als Abfluss des gewaltigen Atatürk-Stausees. Nördlich davon befindet sich ein absolutes Highlight: Der Nemrut Daği [s. Foto unten], der Götterthron. Eine auf 2.150 Metern Höhe gelegene Grabstelle. Errichtet wurde sie um 50 v. Chr. von Antiochos I., König von Kommagene. Die Spitze besteht aus einem gewaltigen fünfzig Meter hohem Geröllkegel, der von drei Terrassen eingerahmt wird. Auf zwei der Terrassen stehen gewaltige Götter- und Tierstatuen, die einmal acht bis zehn Meter hoch waren. Man mag den König nicht kennen, aber Götter wie Zeus, Apollo und Herakles sind ein Begriff. Nach dem letzte Erdbeben hat man die Köpfe nicht wieder auf die Statuen gesetzt, um sie zu schützen, denn das nächste Erdbeben kommt bestimmt. Einst standen hier dichte Zedernwälder, heute sind die Hänge höchstens noch mit niedrigem Buschwerk überzogen. Die Stille die den Besucher umgibt, ist berauschend und der Blick auf die umliegende Berge und den riesigen Staudamm am Horizont unvergesslich. Die Anfahrt mit dem PKW ist möglich und für den restlichen Anstieg sollte man auf festes Schuhwerk achten.



Nemrut Daği | Foto (C) Zaubi M. Saubert


Etwa 600 Kilometer weiter westlich warten schon die nächsten landschaftlichen Höhepunkte. Kappadokien [s. Foto o. re.], eine einzigartige Landschaft. Die Ausbrüche mehrerer Vulkane in grauer Vorzeit haben die Landschaft mit Tuffstein überzogen, der in Folge von Erosion für das heutige Landschaftsbild sorgte. Es bildeten sich die typischen bizarren Feenkamine heraus. Oftmals befindet sich auf ihrer Spitze noch ein härterer Stein, der dort die Jahrtausende überdauert hat. Der Mensch nutzte den weichen Tuffstein, um Wohnungen, Lagerstätten und Kirchen hineinzugraben. Immer noch prägen, gerade im Hauptort der Gegend Göreme, riesige ausgehöhlte Tuffsteinkegel das Ortsbild. Ein Open-Air Museum bietet die Möglichkeit ehemalige Wohnhöhlen zu besichtigen und in den tief in den weichen Stein gegrabenen Kirchen die Reste der Bemalung zu bewundern. Heutzutage werden diese Höhlen auch zur groß angelegten Lagerung von Zitronen, die in der Umgebung wachsen, genutzt.

Eine besonders schöne Möglichkeit diese einzigartige Landschaft von oben zu bewundern ist die Fahrt mit einem Heißluftballon. Vor Sonnenaufgang kann man erleben, wie an die hundert verschiedene Ballons in den Himmel steigen und auch vom Boden aus einen sehr schönen Anblick bieten. Wer es männlich rustikal mag, kann sich auch eines der unzähligen Quads mieten und in der Gruppe durch die Schönheit der Landschaft brettern. Anders als die Gegend um den Nemrut Daği ist Kappadokien touristisch bestens erschlossen. Wie auch schon der Nemrut Daği gehört auch die Tuffsteinlandschaft Kappadokiens zum Weltkulturerbe der UNESCO.

*

Vielleicht noch einen Satz zum Reisen in der Türkei. Die Türkei ist nicht Erdogan. Können wir Deutschen uns von fast allen Völkern in Punkto Freundlichkeit und Gastfreundschaft eine Scheibe abschneiden, so gilt dies ganz besonders für die Türkei. Oder hat Ihnen schon einmal jemand an der Ampel zwei Hände voller Erdbeeren ins Auto gereicht oder auf der Straße anderes Obst geschenkt? Eine schöne emotionale Geste ist auch der Griff ans Herz, als positives Zeichen der Gefühle und der Ergriffenheit.


Zaubi M. Saubert - 21. August 2022
ID 13761
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