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Patrick Wildens jour fixe



Sie kommen. Gleich werden sie hier sein und mit bekümmertem Blick auf die leergefutterte Käseplatte schauen. Bis dahin muß das hier stehen, stehen wie eine eins, wie... na, Sie wissen schon. Die Käseplatte, die ich für sie vorbereitet habe, die ich gehütet habe wie die Römer die Bärenblutwurst. Ich werde höchst persönlich die Käseplatte geputzt haben und den Besuch brüskieren, der gleich kommt. Jetzt nur keinen Schreibkrampf kriegen. Kennen Sie das: den ganzen Tag ist nichts los, Sie konnten seelenruhig alle neuen Computerspiele testen, die der Bürocomputer hergibt, oder zwischen den Bücherregalen, die unter Ihre Obhut fallen, Skateboard fahren. Die Zeiger der Stechuhr nähern sich mit einer gewissen Langsamkeit, doch Stetigkeit der Uhr, und Sie haben den Schlüssel schon aus der Hose gezogen, mit dem Sie gleich die Türe von außen absperren werden. Und plötzlich, aus dem heiteren, wenn auch schwülen Himmel, der Sie den ganzen Tag über schon ins Schwitzen gebracht hat, plötzlich fällt Ihnen ein, was zu tun Sie sich den ganzen Tag vorgenommen hatten, was im zähen Nebel Ihrer frühreifen Feierabendstimmung jedoch völlig untergegangen ist. Oh weh, schon zwei Tage über dem Termin, aber diese E-Mail muß noch raus, diese Warensendung noch verpackt, frankiert – immer das Genestel mit der Portokasse – und verschickt werden. Vom Schwitzen redet nun gar keiner mehr. Die Umsätze sind mies, die Kunden springen ab – sagen wir: vom in den Sonnenuntergang fahrenden Zug – oder bleiben gänzlich aus, und was der oberste Boss, dem Sie natürlich Rechenschaft schulden, dazu sagen wird, wagen Sie sich gar nicht vorzustellen. Gott segne den Tag, an dem Ihnen in solchen Momenten die Finger nicht zittern. Aber dann – what a crap: da hatte sich dieser Besuch angesagt, die Käseplatte, die Sie extra in der Karstadt-Feinkostabteilung bestellt hatten, steht schon im Bürokühlschrank bereit. Sie müssen nur noch heimkehren – aber da sind diese Schriftwechsel, Buchungen, Sendungen, Abschreibungen, die unmöglich warten können. Hunger plagt Sie, der Besuch, das sagt Ihnen ein schneller Blick auf die Uhr, müßte in diesen Sekunden bereits von der Autobahn abfahren; von dort bis zu Ihnen wird er kürzer unterwegs sein als Sie, die Sie noch immer im Büro stecken und die Käseplatte auffuttern – waaah! Wann komm ich nur zu Potte!! Ich muß lohoooos!!! – – –
An dieser Stelle müssen wir den berühmten Stream-of-consciousness leider unterbrechen. Es kann leider nicht mitgeteilt werden, wie sich der Autor aus der Bredouille gezogen hat. An diesem strukturellen Dilemma läßt sich bei Kolumnenschreibern wohl genauso wenig ändern wie an den Flüchtigkeitsfehlern. So long!

Ptrixk Wlidne, 17. Jinu, 2050
ID 1928




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