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Zur Kenntnis genommen


Internetportale wie YouTube investieren in Hollywood in die professionelle Clipproduktion




Es war einmal: das Fernsehen

Eine Eröffnung mit Signalwirkung und möglicherweise weitreichenden Folgen wurde kürzlich in Hollywood bekanntgegeben: Das Internetportal für Videoclips und Filme, YouTube, hat im Herzen der Filmmetropole Los Angeles ein eigenes Filmstudio eröffnet. Die über 3800 Quadratmeter große Halle mit verschiedenen Studios und Produktionseinrichtungen steht allen Filmemachern zur Verfügung, die unter professionellen Bedingungen YouTube-Clips produzieren wollen – und zwar kostenlos. Einzige Bedingung für die Kreativen, die das Studio nutzen wollen, ist nach Angaben der „Financial Times" eine Art Qualitätsüberprüfung, damit ein gewisser Produktionsstatus nicht unterschritten wird. Das Google-Tochterunternehmen will mit dem Studio „YouTube Space L.A.“ zwischen den Stadtteilen Venice und Santa Monica möglichst viele kreative Köpfe, die bisher als Amateure im privaten Rahmen semiprofessionell gedreht haben, an sich binden.

Vor allem auf eine kalifornische Klientel, die regelmäßig neue Informationsclips auf Portale stellt, zielen die neuen Studiokapazitäten offenkundig ab. Mit dem Equipment können Videos produziert werden, die langfristig etablierte Fernsehprogramme nicht nur ergänzen, sondern auch mit ihnen konkurrieren werden – vor allem bei der jungen Generation, für die das TV ohnehin nur noch ein audiovisuelles Medium und vielen ist. YouTube ist schon jetzt keine reine Plattform von Clips mehr, sondern unterhält auch Produktionsstätten über ihre Netzwerke, über die so genannte Multichannel-Unternehmen Beiträge produzieren. Das bedeutet Einfluss auf einen Markt, der bislang von traditionellen Fernsehsendern und -Produzenten bedient wurde. Da diese jedoch über ihre gebührenfinanzierten Sendungen das junge Zielpublikum vernachlässigt oder (inklusive des kreativen Personals) verdrängt haben, steigt die Beleibtheit der YouTube-Netzwerke, deren mehr als 10.000 spezielle Kanäle weltweit rund 30 Millionen Nutzer erreichen, besonders bei dieser Zielgruppe.

Für Deutschland heißt das: Im Dezember 2012 wurden für die ProSiebenSat.1-Gruppe 9,3 Millionen und für die RTL-Group 6 Millionen Zuschauer gezählt, für die YouTube-Kooperationspartner Mediakraft Networks GmbH (international) und die amerikanische International Data Group (IDG) jeweils 6,1 und 4,7 Millionen „Unique Video User“, hieß es bei der Internetkonferenz re:publica im Mai. Netzaktivisten auf der re:publica gingen davon aus, dass aus den YouTube-Kanälen die Stars und Formate der Zukunft hervorgehen, denn die Mitglieder der entsprechenden Netzwerke seien deutlich aktiver und produktiver als der Rest der Internetgemeinde und zählen zur Web-Avantgarde.

Wie bei TV- und Filmkonzernen bieten die Multichannels, die in eigenen Studios für YouTube-Netzwerke neue Formate und Sendungen entwickeln und produzieren, nach US-amerikanischem Vorbild zielgruppenorientierte Geschäftsmodelle inklusive Promotion und Vertrieb. Die transmediale Dimension umfasst auch Kooperationen mit Hollywood-Studios, die schon längst nicht mehr auf Zielgruppenmarketing in YouTube-Kanälen verzichten können. In Deutschland ist als klassisches Medienunternehmen Bertelsmann auf den Zug aufgesprungen, um die Klientel im Internet zielgerichteter anzusprechen. Über öffentlich ausgeschriebene Formulare kann man sich als Kreativer bei den Netzwerken von YouTube bewerben, seltener sprechen die Multichannel-Firmen auch selbst Leute an, deren kreative Begabung im Internet aufgefallen ist.

Auf der Berliner re:publica zeichnete sich bei Diskussionen ferner ab, dass sich die Infrastrukturen im Internet massiv verändern, indem auch klassische Inhalteanbieter danach trachten, eigene Kabelnetze auszubauen und so Nutzungsgebühren einzusparen. Andererseits drängen ehemals reine Distributoren und Technikdienstleister nicht nur in den USA in die Produktion von Inhalten. Produktion und Transport bleiben nicht mehr klar getrennte Felder; jeder Global Player der Medienwelt versuche, die staatlichen und juristischen Regularien so zu umgehen oder auszulegen, dass er „in alle Felder der Wertschöpfungskette vordringen kann“, wie es Telekom-Manager Jan Krancke auf der re:publica ausdrückte. Das Fernsehen der Zukunft wird also von anderen geliefert als bisher – und wird daher auch grundsätzlich anders aussehen.


Gabriele Leidloff | Max-Peter Heyne - 11. August 2013
ID 7046

Weitere Infos siehe auch: http://www.kultura-extra.de/panorama/feull/republica13.php





 

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