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18. Jüdische Musik- und Theaterwoche Dresden

Die Woche hat itz 14 Tage



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Herzlichen Glückwunsch! Mit 18 ist man hierzulande auch offiziell volljährig.

Wenn schon keine der Eröffnungsrednerinnen dieses billige Bonmot brachte, will es der Berichterstatter tun. Das früher jiddisch geheißene Festival, das das Licht der Welt in der Äußeren Neustadt erblickte, als Heimgeburt sozusagen, und inzwischen in allen Beziehungen deutlich gewachsen ist, stellt seit Jahren einen festen Programmpunkt im Dresdner Kulturkalender dar. Leider hat sich das bis in die Stadtspitze noch nicht herumgesprochen, sowohl Oberbürgermeisterin Orosz als auch Kulturbürgermeister Lunau ließen lediglich grüßen, und zwar durch den wackeren Amtsleiter für Kultur und Denkmalschutz Manfred Wiemer, dem aber auch schon bessere Reden gelangen als an diesem Abend. So blieb es Nora Goldenbogen vom Vorstand des veranstaltenden Vereins sowie der Festivalleiterin Valentina Marcenaro vorbehalten, die inhaltlichen Akzente zu setzen, wenn man von den anderthalb interessanten Gedanken absieht, die Dani Levy als Schirmherr per Videobotschaft äußerte. Diese betrafen die hohe Streitkultur in der jüdischen Gesellschaft und die Tatsache, dass es im Judentum genauso wie in der Welt allgemein Traditionalisten und Erneuerer gäbe und man die jüdische Welt nicht mit Israel gleichsetzen solle. Leider wirkte das Statement arg improvisiert, was bei einem gestandenen Regisseur schon überrascht.

Doch genug genörgelt. Valentina Marcenaro beschrieb anschaulich die beiden diesjährigen Schwerpunkte, nämlich jungen Künstlern mit neuen Ausdrucksformen eine Bühne zu geben und deutlich mehr als bisher für Kinder anzubieten. Beides scheint gelungen, wenn man das breite Programm von Oliver Polak mit einer Lesung aus Der jüdische Patient am 28.10. im Societaetstheater über den Preview von Plötzlich Gigolo, einem Film von und mit John Turturro (in den anderen Hauptrollen u.a. Woody Allen, Sharon Stone und Vanessa Paradis) am 29.10. im Programmkino Ost, die Tanzperformance The morning after … know/dance your enemy von SuperYouTour Dinowitz/Lebert am 31.10. ebenfalls im „Soci“, den Cirkus Klezmofobia, einem Konzert für Kinder mit der gleichnamigen Band am 2.11. um 11 Uhr im jüdischen Gemeidenzentrum (die Erwachsenen sind dann am Abend dran), den Kinderfilm Max Minsky und ich von Anna Justice am gleichen Tage ebenda, die Licht- und Theaterperformance Latke. Der Kartoffelpuffer, der nicht aufhören konnte zu schreien des Panischen Not-Theaters – auch das noch am Sonntag -, dem israelischen Soundsystem Axum am 4.11. in der Groovestation und dem Figurentheater The Table mit The Blind Summit Theatre am 6.11. im Societaetstheater bis hin zum Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin mit dem Stück Muttersprache Mameloschn von Marianna Salzmann, das am 7. und 8.11. im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden stattfindet, betrachtet.

Diese höchstens die Hälfte des umfangreichen Programms umfassende Aufzählung wird gekrönt durch die Abschlussparty „Jewish & Gypsy“ am 8.11., die von den in der Dresdner Neustadt weltbekannten DJ’s Doran Toudescu und Loiko Zobar (auch als JB Nutsch und Uwe Stuhrberg bekannt) im Soci zelebriert wird. Diese Woche hat also 14 Tage, anders wär das auch nicht zu schaffen.

*

Begonnen hat sie mit dem Konzert Bad old Songs von Daniel Kahn and The Painted Bird, Amerikaner, die inzwischen in Berlin leben und sich laut Eigendarstellung mit ihrer Musik in den Grenzgebieten zwischen Berlin, Detroit, New York und „Jiddischland“ bewegen.

Persönlich würde ich geographisch auch Osteuropa hinzuzählen, und musikalisch lassen sich die Grenzen kaum weniger eng fassen, es ist eine weite Reise über die Stationen Klezmer und neue jiddische Traditionals, einen Schmelztiegel aus Waits-Cave-Reed und Songs von Degenhardt und Leonard Cohen, der dann auch zum Lieblingsrabbi ernannt wird. Multiinstrumentalist und Vokalist Daniel Kahn reißt mit seinen drei erstklassigen Begleitern an Geige, Kontrabass und Schlagzeug den wahrlich schwer zu bespielenden Gemeindesaal mühelos mit, man hätte dieser Musik allerdings einen passenderen Rahmen gewünscht, wie ihn z.B. die Scheune auf der anderen Elbseite bietet. So kamen nur diejenigen zum Tanzen, die sich wohlweislich nicht in die engen Stuhlreihen zwängten, sondern die Stehplätze dahinter bevorzugten.

Dennoch, ein gelungener Festivalauftakt, dem schon gut besuchte Führungen auf dem Alten Jüdischen Friedhof und in der Neuen Synagoge vorausgingen. Die Doppel-Woche hat begonnen, und es wird weiter zu berichten sein.



Eröffnungskonzert mit Daniel Kahn And The Painted Bird | Bildquelle: juedische-woche-dresden.de


Sandro Zimmermann - 27. Oktober 2014
ID 8200
Weitere Infos siehe auch: http://juedische-woche-dresden.de


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