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Konzertkritik

Ein grauenhaftes Nazi-Stück von Strauss wurde gegeben; Fleming / Hampson / Thielemann / Berliner Philharmoniker sangen und spielten auch paar Kunstlieder und bisschen ARABELLA (so zur Tarnung)





Oben auf dem Bild sehen wir Strauss und Goebbels - hat zwar nichts Konkretes mit dem Nachfolgenden so zu tun; aber es riecht dann schon nach Braun...

Und im Programmheft zu dem Thielemann'schen Strauss-Abend mit den Berliner Philharmonikern und Fleming / Hampson wird dann auch sehr offen (und verhalten-kritisch) zu den beiden Rand-Werken - diese sechs dargebrachten Kunstlieder sowie "Sie woll'n mich heiraten / Und du wirst mein Gebieter sein" aus ARABELLA (s. u.) auf das Tumbeste flankierend - informiert:

Demnach war Richard Strauss (Ex-Präsident der Reichsmusikkammer 1933-1935) erster Empfänger des mit 10.000 Reichsmark zugezierten "Beethovenpreises" der Stadt Wien - dieser wurde 1942 vom damaligen Wiener Statthalter sowie Reichsjugendführer Baldur von Schirach ausgelobt. Und der Geehrte tat sich dann mit einer sog. FESTMUSIK DER STADT WIEN, die er postwendend komponierte, für die Huldigung bedanken... Am 9. April 1943 wurde sie bei der Feier zum 5jährigen Jubiläum von "Großdeutschland" durch den Wiener Trompetenchor uraufgeführt. / Jetzt, wo und wie man's 60 Jahre später hörte, bleibt ein Kopfschütteln und Achselzucken; und bei eingefleischten Ehemaligen sollte der rechte Arm dann schon gezuckt haben...

Etwas "abgeschwächter" verhielt sich die Angelegenheit zum sog. FESTLICHEN PRÄLUDIUM (vom Komponisten zur Einweihung des Wiener Konzerthauses am 19. Oktober 1913 verfertigt). Und der Witz ist, dass der Anlass, weshalb es zuletzt im Jahre 1943 bei/mit den Berliner Philharmonikern erklang - die Vorfeier zum Führergeburtstag war. // Auch hier verheerend unser Hörereindruck: Laut und läppisch bis zur Stumpfsinnsgrenze.

Ja, der Thielemann hat nun - seine Berlinauftritte sind wohl immer Heimspiele einer besondern Art - das Schundzeugs ausgegraben und vielleicht gedacht, das machte sich als Rahmen für den kulinarischen und kalorienreichen Star-Paar-Mittelteil ganz gut; ja und er hatte damit gar nicht mal so unrecht, denn man war dann schon geneigt gewesen festzustellen: Außer ARABELLA und den hochartifiziell gemachten Kunstliedern hatte der Strauss (nicht bloß des braunen Einzelanlass' wegen) ab und an mitunter Scheiße komponiert...


* * *


Fleming & Hampson waren/sind zum Heulen schön!

Orchester / Dirigent passen sehr gut zusammen!!

Ein historisches Konzert.



Andre Sokolowski - 8. Mai 2011
ID 00000005192
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie, 07.05.2011)
Richard Strauss:
- FESTMUSIK DER STADT WIEN o. op. 133
für Blechblasinstrumente und Pauken
- "Traum durch die Dämmerung" op. 29 Nr. 1
- "Hymnus" op. 33 Nr. 3
- "Notturno" op. 44 Nr. 1
- "Gesang der Apollopriesterin" o. 33 Nr. 2
- "Pilgers Morgenlied" op. 33 Nr. 4
- "Winterliebe" op. 48 Nr. 5
- ARABELLA op. 79 (Vorspiel zum 3. Aufzug / Duette "Sie woll'n mich heiraten" / "Und du wirst mein Gebieter sein")
- FESTLICHES PRÄLUDIUM op. 61
Renée Fleming, Sopran
Thomas Hampson, Bariton
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Christian Thielemann



Siehe auch:
http://www.berliner-philharmoniker.de


http://www.andre-sokolowski.de



 

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