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Autorenlesung

Der Pullermann

von Martin Gore

Markus Kavka über
Depeche Mode


Markus Kavka | Foto (C) Thomas Neukum; BIldquelle: comoedie-dresden.de


Ja, pardon für den Einstieg (s. Überschrift), aber das bringt bestimmt einen Vorteil in der Klick-Battle und beschreibt tatsächlich einen Teil des Abends recht gut.

Man kann sich das nicht immer aussuchen, und so nahm ich teil an einer Lesung von Markus Kavka (der im Lauf der Veranstaltung behauptete, dass seine Familie früher Kafka geheißen hätte, was man aber nicht merkte) aus einem älteren Büchlein (Titel: Markus Kavka über Depeche Mode) - erschienen war es bereits 2020 in der Kiwi-Musikbibliothek, einem sicher ertragreichen Geschäftsmodell des Verlags Kiepenheuer & Witsch, wo C-Promis über Musikstars aus Fan-Sicht schreiben – ein Mindestabsatz scheint damit garantiert.

Der Vortragende war sichtlich gerührt über die volle Hütte, nach eigener Aussage habe er noch nie vor einem größeren Publikum gelesen. Wenn das sechs Jahre nach Veröffentlichung passiert, kann man die Ergriffenheit nachvollziehen, und das Dresdner Publikum hatte sich die fortwährende Anbiederung redlich verdient.

Kavkas Konzept bestand in der Verlesung einzelner Textpassagen im Wechsel mit der Darbietung von Musikvideos, Interviewausschnitten und Fotografien aus der gottlob vergangenen Vergangenheit.

Erzählt wurde zum einen vom Eigenerlebten, wie einer Home-Story bei Herrn Wilder in den Neunzigern, zum anderen vom Hören-Sagen, wie beim bereits erwähnten Geschlechtsorgan von Herrn Gore, das wohl manchmal beim Nackt-auf-dem-Tisch-Tanzen jemandem im Gesicht gehangen habe. So weit so spannend, aber an und ab blitzten auch ein paar Erkenntnisse durch, so wie die Tatsache, dass man als Gothik-Jünger in einem Kaff bei Ingolstadt auch in den achtziger Jahren seine Baseballschlägerjahre haben konnte. Dieser Teil war dann durchaus anrührend.

Ausufernde Beschreibungen des damaligen Outfits hingegen waren (für mich) verzichtbar, hier hat jeder seine eigenen Leichen im Keller, wo sie auch bitte bleiben mögen. Mit dem Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Bananenessen und der Fotogenität ging es in die Pause.

Hier stellte ich zunächst fest, dass außer dem Personal niemand unter 50 war im Kreis der Interessierten, und dann, dass besagte Angestellte im privaten Theater Comödie die Speisung und Tränkung der Bedürftigen in der Pause deutlich besser und schneller im Griff hatten als in vergleichbaren staatlichen Etablissements.

Viel kam dann nicht mehr, die Leiden des jungen Kavka ermüdeten mich zusehends, und die Belanglosigkeiten häuften sich. Einen Beitrag zur Klärung eines Sachverhaltes hab ich aber noch, lieber Kavka: Wenn man beim Liebesspiel im Zimmer der Freundin den unteren Part darstellt und dabei in das Antlitz eines Teenie-Schwarms starren muss, der angepostert über dem Bette prangt, ist das ärgerlich – der Sinn der Sache ist aber eher, dass die junge Dame sich daran erfreut, wenn man selber obenauf ist. Also nicht persönlich nehmen.

Es wird dann noch aus dem Tagebuch einer Zwölfjährigen (der heutigen Gattin) vorgelesen. Man kann das irgendwie finden, aber ich möchte zuhause bei Kavkas nicht dabei sein.

Mit zunehmender Zahl der Videos verfestigt sich der Eindruck, dass damals nicht alles schlecht war, aber schon das meiste, mit heutigem Abstand gesehen. Autor und Vorleser zählt sein Interview mit Martin Gore bei „Rock am Ring“ mit dazu, das ehrt ihn und stimmt natürlich.

Dann noch ein Wort zum Dienstag mit Kirchentags-Tremolo, und vor dem letzten Video macht Kavka sich vom Acker. Das ist insoweit clever, als dass der Applauslängenzähler hier noch nicht anspringt und er auch um die befürchtete Zugabe herumkommt.

Jener letzte Bildkunstbeitrag versöhnt aber mit vielem, „Never let me down again“ ist ein wirklich schön gefilmtes Stück, und musikalisch sind Depeche Mode ohnehin unkaputtbar, da mögen Trittbrettfahrer des Ruhms so viel schwätzen wie sie wollen.
Sandro Zimmermann - 19. Mai 2026
ID 15866

Kiwi-Link zu Markus Kavka über Depeche Mode


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