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Martina Gedeck lauscht Klängen von George Gershwins „Summertime“, gespielt von Pianist Sebastian Knauer | Foto © Ansgar Skoda

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2022 überraschte Martina Gedeck noch mit einer fesselnden Interpretation von bekannter Lyrik sowie kurzer Prosa zu Musik für Bariton und Klavier in der Kölner Philharmonie. Im Rahmen der Reihe "Quatsch keine Oper" erinnerte sie nun an George Gershwin (1898-1937) und den American Dream. Instrumental begleitet wurde sie im Bonner Opernhaus von Pianist Sebastian Knauer am Flügel. Während des Programms beschränkt sich Gedecks Rolle auf das rein Rezitative, anders als noch vier Jahre zuvor, als sie ihre Gesangsstimme präsentierte.

Rita Baus, Koordinatorin der Veranstaltungsreihe, kündigte gegen 20 Uhr an, dass sich der Beginn der Show um etwa zehn Minuten verzögere. Am selben Tag trafen sich Kurden aus ganz Deutschland anlässlich des Newroz-Festes in Bonn. Viele protestierten in der Innenstadt, 50.000 Besucher feierten in der Rheinaue, es kam zu Verkehrschaos, Verspätungen und Staus. Während des Auftritts betraten regelmäßig Nachzügler den Saal. Leichte Unruhe entstand, wenn ganze Sitzreihen aufstanden, um Verspäteten den Weg zu ihren Sitzplätzen zu weisen. Dies geschah selbst noch während der Zugabe nach etwa 80 Minuten.

„Ich bin Frances, die kleine Schwester von George Gershwin“, so stellt sich Martina Gedeck dem Publikum vor. Aus der Perspektive von Frances Gershwin (1906-1999), der jüngeren Verwandten des Komponisten, erzählt sie von biografischen Stationen und dem Werk ihres Bruders. Anekdotenhaft berichtet sie über sein bewegtes Leben – vom Aufstieg zum weltberühmten Komponisten bis zu seinem frühen Tod mit nur 38 Jahren an den Folgen eines Hirntumors. Gershwin entstammte einer armen Einwandererfamilie mit russisch-jüdischen Wurzeln. Gedecks Lesung beleuchtet das Ideal des sozialen Aufstiegs sowie die Zerrissenheit und tragische Momente der Gershwin-Biografie. Sie erscheint dabei eher statisch und zurückhaltend, liest ihren Text mitunter uninspiriert vom Blatt ab.

Den Großteil des Abends bestreitet Sebastian Knauer. Der Pianist untermalt die Rezitation mit Broadway-Songs, Ragtime-Stücken und bekannten Melodien Gershwins am Flügel. Rhapsody in Blue verbindet Jazz-Elemente mit klassischer Form, während Klavierarrangements von „I Got Plenty o’ Nuttin’“ aus Gershwins Oper Porgy and Bess eher mit beschwingtem Blues-Verve dargeboten werden. Ausschnitte von An American in Paris verbreiten mit vorwärtstreibenden, eingängigen Drive eine Atmosphäre des Lebensgefühls der 1920er Jahre. Knauer spielt nuanciert, präsent und dynamisch mit rhythmischem Anschlag.

Gedeck bewundert als Frances ihren großen Bruder voll tiefempfundener Liebe. Die Schauspielikone schafft jedoch nur selten ein emotional lebendiges Porträt des brillanten Melodikers Gershwin. Allzu kurz sind die, von der heute 64-Jährigen gesprochenen Passagen zwischen den Klavierstücken. Das Broadway-Feeling und der Glanz der legendären Jazz-Ära Gershwins eröffnen sich höchstens leidlich.

Das Versprechen des sogenannten American Dream – der Weg vom „Tellerwäscher zum Millionär“ – scheint heute ferner denn je oder gar ganz illusorisch. So herrschen in den USA längst eine wachsende Einkommensschere und zunehmende systemische Ungleichheit. Wenn Gedeck erzählt, dass Mutter Rosa stets den Schein des Erfolgs wahren wollte, wird dieser Kontrast deutlich. Bereits vor Georges Durchbruch habe es die Familie, Rosa zufolge, zu etwas gebracht. George habe schon als Zwölfjähriger ein Klavier zuhause gespielt und Musikunterricht erhalten. Das Programm beleuchtet demgemäß die Zerbrechlichkeit dieser Narrative. So entlässt die Inszenierung sein Publikum nachdenklich und mit einem Gefühl des Verlusts, der Wehmut und Melancholie. Die einzige Zugabe, das Lied „Summertime“, bestreitet Knauer alleine am Instrument.



Sebastian Knauer und Martina Gedeck beim Abschlussapplaus in der Oper Bonn
Foto © Ansgar Skoda
Ansgar Skoda - 25. März 2026
ID 15765
https://quatschkeineoper.de/


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