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Open Mike – der zweite Tag bringt die Entscheidung





Der zweite Tag offeriert eine kaum gelichtete Kulisse. Ich höre zuerst Stefan Hornbach. Der Schauspieler aus Speyer führt das Schlussfeld vor der Entscheidung an. „Ich drehe mich noch einmal auf die andere Seite“, lautet sein erster Satz. Aber nicht in Richtung Wohlbehagen. Es ist Vierzehnuhrfünfzehn, noch Zweieinhalbstunden bis zur Verkündung, das erzählende Ich sieht sich als Gespenst an seinem Geburtstagstisch sitzen. Ein kahles Gespenst von sechsundzwanzig Jahren, Hornbach liefert eine Chemotherapie-Geschichte, die Eltern nennen den Sohn „Schlumpf“. Sie verniedlichen die Krebskatastrophe. Der Onkologe könnte schwul sein und trotzdem mit der Mutter flirten. Der Kranke entgeht „einer Stadt, die nur so tut als ob“, einer verflossenen Liebe schickt er Fotos, die in ihrem Facebook-Profil erscheinen wie doppelt belichtete Sonnenuntergänge. Einen Sommer lang Pause vom Horror – Hornbach kalkuliert seinen Vortrag gekonnt, seine Schilderung eines Lebens in der vorgezogenen Retrospektive kommt an, sein Held meldet: „Ich möchte niemanden mehr kennenlernen.“

Die Literaturwerkstatt Berlin und Crespo Foundation schreiben die Open Mike-Konkurrenz als internationalen Wettbewerb „junger deutschsprachiger Prosa & Lyrik“ aus; dotiert mit 7.500 Euro, die sich zwei Erzähler und ein Dichter teilen. Die taz dockt mit einem Publikumspreis an. Es heißt, ein Sieg beim Open Mike öffne die Türen zum Literaturbetrieb. Doch haben die meisten Kandidaten längst die Betriebsprüfung abgelegt. Sie könnten auch als Juroren oder Lektoren auftreten. Kompetenz über Kilometer.

Sabine Gisin erzählt von „einem gefährlich selbstbewussten Kind“. Bork ist mit „frenetischer Energie“ ausgerüstet. Was den Eltern (sie Wissenschaftlerin, er Künstler) an Genie fehlt, bringt der Sohn mit wie aus einem anderen Sonnensystem. Vermutlich kannte er schon vor der Geburt die Geheimnisse der Numismatik. Bork deutet sich als Münzsammler, altklug bis zur Vergreisung, jedoch mit dem Feuer eines Irrwischs im Leib.

Schließlich liest Jonathan A. Rose die drastischste Geschichte im Wettbewerb. Er beschreibt die sozialen und medizinischen Implikationen einer Geschlechtsumwandlung von Frau zu Mann. Der Autor findet für sein Thema unerhörte Worte, sie haben ihren Ursprung im Erleben und in dem Zwang, die Schocks der Metamorphose im Text abzubremsen. Da überlebt einer in der Sprache, das verstehe ich unter Literatur. Die Jury übergeht Rose, sie zeichnet Maren Kames mit dem Lyrikpreis, Jens Eisel und Dimitrij Gawrisch mit den Prosapreisen aus. Den undotierten Publikumspreis der taz kriegt Maren Kames außerdem. Die Begründungen überzeugen, zumal bei Eisel, wenn gesagt wird, er gebe den Unsichtbaren Gestalt und Stimme. Kames' Begabung wurde am Vortag auffällig. Die Jury sieht lauter erste Sieger, ich sehe jedenfalls keine Niete unter den Ausgezeichneten.
Jamal Tuschick - 11. November 2013
ID 7355
Weitere Infos siehe auch: http://openmikederblog.wordpress.com/


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