Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 2

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Lesung

Ein Chor für Kalaschnikow

Kollegen feiern einmütig und mehrstimmig Michael Peschkes postum publizierte Texte für Theater und Film




In der Rumbalotte ist schon wieder Freitagabend. Der Prenzlauer Berg sitzt in der ersten Reihe, blau von der Kälte vor der Tür. Es ist noch nicht lange Abend. Ein spitzes Knie behauptet von einem Historiker: „Der ist so rustikal, der schreibt seine E-Mails mit Füller.“

Zueinander trudeln Annett Gröschner, Silka Teichert, Wolfram Kempe und Kai Pohl. Dies geschieht zu Ehren von – und mit der Absicht zu erinnern an – Michael Peschke (1959–2011). Die Kollegen erzählen auf der Krim der Rumbalotte aus dem Leben des kleinen Kalaschnikow. Sie lesen aus einem Band mit gesammelten Texten für Theater und Film – Von Hauptbahnhof bis Kalaschnikow, herausgegeben von Harald Müller und Hugo Velarde im Verlag Theater der Zeit. Ich berichte die Geschichte, weil sie so schön ist und Sie nicht dabei waren in Rauch und Schein.

Kalaschnikow ist eine „Tragikomödie über Liebe, Freundschaft und Verrat“. Die Tragik startet mit dem zu Schrott gefahrenen Auto eines Muskelverbrechers. Steven heißt der ungeschickte Testfahrer. Den Schleudergang „einer neuen Zeit mit ihrer zügigen Verwerfungsgeschwindigkeit“, um einmal in etwa auch das Vorwort reden zu lassen, erklärt ihm der Bekenner. Fünfzehntausend Euro Schadensersatz bis Fristende, bei Verzug sei jeden Tag ein Finger fällig.

Willkommen im „real existierenden Kapitalismus“. Ist nichts besser, nur anders schlecht. Michael Peschke veröffentlichte 1983 sein erstes dramatisches Fragment in TEMPERAMENTE. Abfahrtszeiten führte zu Hauptbahnhof, ginge es nach Stevens achtjährigem Halbbruder David, „gäbe es außer ihm nur Insekten auf der Welt“. Seine Mutter wäre ihm als Zitronenfalter am liebsten. Die Mutter ist weg, und Steven in seinem Stress bringt David zu Oma Lotte. Nicht, dass man verwandt wäre. In diesem Augenblick entert ein ehemaliger Obermaschinist der russischen Schwarzmeerflotte die Rumbalotte, zur Feier des Abends trägt er eine tischgroße Tellermütze. Er bestellt den unvergänglichen Rum der Rotbannerflotte. Arkadij Tschitschikow hat seine besten Zeiten schon erlebt, nun haust er in spärlichen Verhältnissen. In Kalaschnikow bequemt sich Tschitschikow zum Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park. Er trifft da David. Es geht dann zur Sache gegen einen türkischen Goliath aka Cengiz wie Cengiz Khan. Davids Mut verziert der alte Maschinist mit der Auszeichung Kalaschnikow. So kommt David zu seinem nom de guerre, die Geschichte nimmt ihren Lauf. Die Freunde gehen auf große Spreefahrt. Tschitschikow strampelt ein Tretboot zu den Erinnerungen an einen achtzig Meter langen Raketenkreuzer, auf dem er Dienst tat. Zu seiner großen Freude entdeckt er einen Schlepper mit Maschinenschaden. Der Obermaschinist a.D. entlässt sich aus dem Ruhestand, während David den Havaristen zum Gegenstand einer Insekteninspektion macht.

Schiffseigner ist „Gefühlsanarchist“ Kalle. Er hat den Schlepper geerbt von einem Mann, den Konrad Adenauer seinerzeit persönlich in Russland abholte. Das nimmt Kalle Adenauer immer noch übel. „Ganze Erziehungsromane“ habe er sich, so seine Suada, wegen Adenauer „hinter die Ohren schreiben lassen müssen“.

Von Hauptbahnhof bis Kalaschnikow archiviert Bühnenfassungen von Erwin Strittmatters Ole Bienkopp und Heinrich Manns Der Untertan. Kalaschnikow entzücken Neuköllner Heimchen, wie sie zirpen als gäbe es kein Morgen. Willkommen im Abenteuer Berlin. Es wird schon gut ausgehen, als Mann der türkischen Marine ist Cengiz’ Vater Tschitschikow brüderlich verbunden. Die Abgetakelten aller Nationen takeln wieder auf und segeln auf dem Kurs ihrer Hoffnungen nach Dessau. Phonetisch fehlt Dessau nicht viel bis Odessa. An anderer Stelle im Buch heißt es: „Trink deine Brühe und halt dein versoffenes Maul.“ So kann man es natürlich auch sagen, in einem Nachtgebet. Nun ist jeder so weit, dass eine Frage wie unter orthografisch unsoliden Brüdern sich von selbst versteht: „Wo pisst du?“
Jamal Tuschick - 7. Dezember 2013
ID 7436
Michael Peschke | Von Hauptbahnhof bis Kalaschnikow
Broschur mit 200 Seiten
Format: 140 x 190 mm
Preis EUR 16,00
Verlag Theater der Zeit
ISBN 978-3-943881-90-5


Weitere Infos siehe auch: http://theaterderzeit.de/buch/michael_peschke_-_von_hauptbahnhof_bis_kalaschnikow/


Post an Jamal Tuschick

Zu den anderen AUTORENLESUNGEN




 

LITERATUR Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

AUTORENLESUNGEN

BUCHKRITIKEN

INTERVIEWS

KURZGESCHICHTEN-
WETTBEWERB
[Archiv]

LESEN IM URLAUB

PORTRÄTS
Autoren und Verlage



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal





Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de