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Kranker

Mörder?



Bewertung:    



Weiter entfernt von uns könnten die Morde nicht stattfinden, doch Christchurch, Neuseeland, erscheint im Roman so alltäglich wie ein x-beliebiger Ort in Norddeutschland. Das gleiche gilt für die Handlung, sie könnte auch hier stattfinden, selbst in der eigenen Familie und wird damit umso beklemmender.

Der Schriftsteller Jerry Grey, Pseudonym Henry Cutter, erkrankt mit 49 Jahren an Alzheimer. Die Demenz schreitet rasant voran. Um sich selbst eine Erinnerungsbasis zu verschaffen, fertigt sich der Kranke ein Protokoll an. Das Protokoll des Wahnsinns dokumentiert den langsamen Realitätsverlust, der sich u.a. darin zeigt, dass er zwischen Fantasiemorden aus seinen Romanen und wirklichen Verbrechen nicht mehr unterscheiden kann und dass er seine aktuelle Situation nicht mehr versteht.



"'Pflegeheim?', fragt Jerry.
Eva schaut ihn an. 'Dort wohnst Du jetzt.'
'Ich dachte, wir fahren nach Hause?'
'Das ist Dein Zuhause', sagt sie.
Er fängt an zu weinen, denn jetzt fällt ihm alles wieder ein – sein Zimmer, die Schwestern, der Park, die Stunden in der Sonne, allein mit dem Gefühl des Verlusts.

(...)
'Alles wird gut Jerry. Versprochen.'
Aber er denkt immer noch an Suzan mit Z und daran, wie es sich anfühlte, als er sie umbrachte, bevor er dann darüber schrieb. Damals, als er die Dunkelheit umarmte."

(S. 18)


Jerry ist überfordert, orientierungslos. Es sind nicht nur die Morde, die ihn quälen, sondern auch seine wirren Gedanken, die ihn auf Irrwege führen und eine bizarre Eifersucht in seinem Kopf entfachen. So bezichtigt er seine Frau der Untreue, ausgerechnet auf der Hochzeit seiner Tochter Eva. Das Fest wird zum Desaster, und seine Frau verschwindet… Eva ist ebenfalls auf dem Rückzug vor ihm und so fehlen ihm gerade die Menschen, die ihm eigentlich helfen sollten.

Als in seiner Umgebung Menschen sterben, gerät er tatsächlich unter Mordverdacht. Lediglich sein etwas zwielichtiger Freund Hans hält zu ihm, doch kann er ihm vertrauen? Gründet sich sein Verdacht gegen ihn in der Paranoia, oder findet sich der Mörder tatsächlich in seiner unmittelbaren Umgebung? Mühsam, Schritt für Schritt versucht er sich der Wahrheit zu nähern.

Das Buch lässt uns in die verworrene Gedankenwelt eines Demenzkranken schlüpfen. So könnte es aussehen. Eine Welt, die auf dem Kopf zu stehen scheint und die trotzdem ihrer eigenen Logik gehorcht. Und es könnte sein, dass diese Welt von einem Täter ausgenutzt wird, der Morde in diese Realitätsfetzen hinein bastelt.

Spannend ist dieser Thriller, da der oder die Mörder bis zum Schluss nicht zu identifizieren sind. Und so folgen wir Paul Cleave gebannt durch die Handlung, verfolgen alle Spuren und verdächtigen in alle Richtungen. Die Lösung der grausamen Morde folgt detailliert und zielgenau, völlig logisch und dabei gänzlich unerwartet. Das macht für mich den absoluten Reiz dieses Thrillers aus. Der Autor ist mir voraus und ich haste hinterher, bis ich endlich, längst nach Mitternacht die letzten Seiten verschlungen habe.

Ellen Norten - 18. Juli 2017
ID 10150
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Zerschnitten/Paul-Cleave/Heyne/e495231.rhd


Post an Dr. Ellen Norten

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