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3 Buchkritiken

Das Ende

der Natur?

3 Sachbücher zeigen die Gefahren der Umweltzerstörung und geben Anregung zu einem nachhaltigeren Weg



Der oekom-Verlag steht seit fast 30 Jahren für Kompetenz in der Vermittlung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Mit der umfassenden Info-Broschüre peak. ist ihm erneut ein publizistischer Erfolg gelungen. Es handelt sich um die Diplomarbeit des sowohl für Ästhetik als auch für Ökologie brennenden Designers Michael Brose. Über die Crowdfunding-Plattform des Verlags wurde Geld für die aufwendige Herstellung gesammelt. Das großformatige Softcover mutet auf den ersten Blick nicht wie ein Buch, sondern wie ein seitenstarkes Magazin an. Die von Brose übersichtlich und hintergründig gestalteten Seiten wurden zweifarbig auf 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt. Stets ist im unteren Bereich das Erdreich in schwarz dargestellt und darauf oder darin die thematisch behandelten Szenen, die kontraststark die Ursachen für Umweltschäden kenntlich machen. Prägnante Zahlen geben unten die jeweils wichtigsten Eckdaten an. Oben im Weißraum liefern Kurztexte vertiefende Informationen zu den Illustrationselementen.

Dies ist keinesfalls ein Insider-Buch für Mediengestalter, sondern eine Fundgrube von erstklassig in Text und Bild aufbereiteten Informationen zur Umweltverschmutzung und dem daraus folgenden Klimawandel. Die 55 Doppelseiten stecken voller Hard Facts, deren unausgesprochener Botschaft sich niemand entziehen kann. Unterteilt in die Themen Klima, Verkehr, Gentechnik, Industrielle Landwirtschaft, Massentierhaltung, Biodiversität, Kunststoff und Abfall handelt es alle relevanten Bereiche ab. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine Seite mit Lösungen, die einerseits bereits von Unternehmen und Institutionen umgesetzt werden und die andererseits für Menschen im Alltag praktisch umsetzbar sind. Kurze Texte, viele Fakten und die durchgehende Illustration machen dieses Paperback zu einem erstklassigen (Weiter-)Bildungswerkzeug für Jung und Alt. Zudem enthält es ganz konkrete Tipps, wie jeder zu einer besseren Welt beitragen kann. Ein Buch, das trotz der thematischen Dringlichkeit einen Hauch von Eleganz versprüht – chic und lehrreich zugleich.


Bewertung:    




Das älteste Wassermanagementsystem der Erde ist über 9.500 Jahre alt. So lange ist die Menschheit bestrebt, sich von der direkten Abhängigkeit lokaler Quellen unabhängig zu machen und auch in Wasserarmen Gegenden dauerhaft zu leben. Nachdem der Mensch viele Jahrtausende sehr erfolgreich immer ausgefeiltere Methoden zur Wasserversorgung entwickelt hat, steht ihm nun eine weitaus größere Herausforderung bevor. Jedes weitere Jahr, das ohne erkennbare globale Emissionsminderungen von Treibhausgasen vergeht, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass kommende Generationen mit mehr chronischen oder akuten Verknappungen des Wasserangebots umgehen müssen.
Laut Dieter Gerten, Professor für Klimasystem und Wasserhaushalt im globalen Wandel an der Humboldt-Universität Berlin, ergeben sich daraus zwei unverrückbare Tatsachen: Die nachhaltig erschließbaren, überlebensnotwendigen Süßwasserressourcen der Erde sind begrenzt, und sie sind sehr ungleich in Raum und Zeit verteilt. Aus immer größerer Tiefe und immer weiterer Ferne wird bislang unberührtes Wasser herangezogen, um den stets größer werdenden Durst der Menschheit zu stillen. Denn der moderne Mensch kann sich unmöglich von der naturgegebenen gegenseitigen Bedingtheit von Wasservorkommen und natürlichem Leben befreien. In seinem Buch möchte er deshalb den Umgang mit Wasser konsequent aufarbeiten, hinterfragen und verbessern. Es enthält eine quantitative Darstellung der globalen Situation nach dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand mit Beispielen aus konkreten Regionen und mit Verweis auf die fundamentale Bedeutung des Wassers. Dabei konzentriert sich Gerten auf den Zusammenhang zwischen Wasser, Klimawandel und Landwirtschaft. Weitere Themen wie Wasserverschmutzung, Wasserprivatisierung und Hochwasser werden ebenfalls behandelt.
In seiner informativen und gut verständlichen Einstiegslektüre erfährt man viele interessante Details, beispielsweise dass von den 1,39 Milliarden Kubikkilometern Wasser nur 2,5 Prozent Süßwasser sind und davon wiederum nur 0,3 Prozent in Flüssen, Seen, Böden und der Atmosphäre als Trinkwasser enthalten sind. Der Rest liegt entweder als Eis und Schnee vor oder ist als fossiles Grundwasser in tiefen Gesteinsschichten unerreichbar eingeschlossen. Seine Analysen sind gut nachvollziehbar, der Ton ist sachlich mit einer Tendenz zum Aufrütteln, was die Fakten, die er darlegt, dringend erfordern. Ein wichtiges kleines Buch mit allem Wissenswerten zum Thema Wasser.

Bewertung:    




Ausgelaugte Böden, abnehmende Artenvielfalt, Verunreinigung des Grundwassers durch Gülle und Pflanzenschutzmittel – die Liste der Auswirkungen der rigorosen Umweltverschmutzung ist lang. Doch was genau passiert eigentlich in Ökosystemen, in die der Mensch rücksichtslos eingreift? Die von vielen Arten bevölkerten Lebensräume sind häufig landwirtschaftlich genutzte Flächen, die mehr als 50 Prozent der gesamten Landfläche Deutschlands ausmachen. Seit nach dem Zweiten Weltkrieg aus Bauern intensiv produzierende Landwirte wurden, sind großflächige Monokulturen die Regel. Ohne Rücksicht wird die Natur ausgebeutet und ihre Vielfalt zerstört. Susanne Dohrn, langjährige Journalistin und Ratsfrau der Stadt Tornesch sagt: „Die Landwirtschaft wird so zur Totengräberin der biologischen Vielfalt.“

In ihrem akribisch recherchierten Buch Das Ende der Natur weist sie auf diesen dramatischen Umstand hin. Getreu dem Motto „Man kann nur schützen, was man kennt“ stellt sie nicht nur die Gefahren der Industriellen Landwirtschaft vor, sondern porträtiert ausgewählte Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren und lässt Persönlichkeiten zu Wort kommen, die sich um den Erhalt natürlicher Lebensräume bemühen. Die von ihr zusammengetragenen Anekdoten, Interviews und Artporträts hat sie im Jahreslauf angeordnet. Von Januar bis Dezember beschreibt sie faszinierende Vorgänge in der Natur und lenkt den Blick auf Gefahren, aber auch auf Chancen die vielfältigen Ökosysteme zu erhalten, statt beispielsweise riesige Flächen zum Anbau von Futterpflanzen für die Tierhaltung zu nutzen.
Dohrn möchte die Liebe zu den bedrohten und viel zu oft übersehenen Pflanzen und Tieren der Agrarlandschaft wecken – von den Wiesenblumen und den Ackerwildkräutern bis zu Insekten und Vögeln, die alle aufeinander angewiesen sind. „Die Vielfalt unserer Natur ist ein kulturelles Erbe, über Jahrtausende von Menschenhand geschaffen, gehegt und gepflegt, älter als der Kölner Dom und vielfältiger als die Kunstschätze aller Museen zusammen.“ Sollten wir das aufs Spiel setzen?

Bewertung:    
August Werner - 17. Mai 2018
ID 10700

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