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Reise-Literatur

Bonn


Bilder und Geschichten
in sechs aktuellen
Büchern über die
Bundesstadt


Foto (C) Ansgar Skoda


Als Bundeshauptstadt hatte Bonn lange Zeit auch in Sachen Kultur eine Vorrangstellung gegenüber anderen deutschen Städten. Viele der damaligen kulturellen Angebote konnten für die heutige Bundesstadt bewahrt werden. So locken auch zahlreiche Neuveröffentlichungen immer wieder in die beschauliche Stadt am Rhein. Sechs aktuelle Bücher seien nachfolgend kurz vorgestellt.

* * *

Endlich Bonn! ist mit zahlreichen farbigen Illustrationen poppig aufgemacht und spricht sein Lesepublikum kumpelhaft direkt mit „du“ an. Der Stadtführer richtet sich v.a. an jüngere Leser wie etwa Abiturienten, die für ihr Studium nach Bonn kommen. In Endlich Bonn! wird man im lässigen Plauderton enthusiastisch an die Hand genommen und erfährt allerlei Detailwissen über einzelne Stadtteile. Sogar über berüchtigte Problemstadtteile weiß der Stadtführer Positives zu berichten. So lobt er im sozialen Brennpunkt Tannenbusch eine Binnendüne, die inmitten großer Mietshäuser unter Naturschutz steht. Info-Boxen zu den einzelnen Stadtteilen fassen die Miethöhe, Einwohnerdichte und den Grünflächenanteil jeweils bildhaft verkürzt etwas grobschlächtig zusammen. Insgesamt erschwert die übertrieben verspielte Illustrierung etwas den Lesefluss. Die jeweils über zehn Bildelemente auf einer Doppelseite wirken beinahe schülerzeitungsmäßig. Auf Seite 67 lädt die Bebilderung gar dazu ein, Seiten zu zerschneiden und zu basteln. Trotz dieser ausufernden Bemühungen erfährt man in Schwerpunkten zu lokalen Restaurants, Diskotheken, Freibädern, kulturellen Angeboten, Angeboten für die Winterzeit und lokalen Mythen doch immer wieder etwas Wissenswertes oder Neues.

Bewertung:    

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Der vergleichsweise dünne und leichtgewichtige City|Trip Bonn von Markus Bingel enthält einen City-Faltplan. Im Buchdeckel befindet sich außerdem eine praktische Übersicht über das lokale Liniennetz für Bus und Bahn. Für Touristen bietet das Inhaltsverzeichnis eine Liste von über 50 Sehenswürdigkeiten, die durch beigefügte Sternewertungen als unterschiedlich sehenswert gewichtet werden. Nicht verpassen sollte man so etwa die Villa Hammerschmidt und das Palais Schaumburg im ehemaligen Regierungsviertel. Leider sind beide Gebäude nur selten an festgelegten "Tagen der offenen Tür" für die Öffentlichkeit zugänglich. Neben zahlreichen Farbfotos bietet der Band auch Info-Kästen etwa zu Legenden um die Burgruine Drachenfels, dem beliebten Ausflugsziel nahe bei Bonn im Siebengebirge. Der Band informiert in kurzen Abschnitten oder Kapiteln über die Stadthistorie, den Bönnschen Dialekt, kulinarische Spezialitäten, lokale Restaurants, Kaufhäuser, Museen und Theater. Für Schwule und Lesben gibt es leider nur einen dürftigen Hinweis auf ein Lokal und eine Internetadresse. Aber tatsächlich bietet Bonn seit einigen Jahren für die LGBTQ-Community nur noch sehr wenig. Immerhin bleiben auch die zahlreichen neu gebauten Moscheen und Koranschulen unerwähnt, die das Stadtbild zunehmend verändern. Ein Register und eine Liste der Karteneinträge runden den kurzweiligen Band ab.

Bewertung:    

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Kennen Sie Bonn und sein Umland? fragt Hans Dieter-Werner, langjähriger Lokalchef und Mitglied der Verlagsleitung der Bonner Tageszeitung General-Anzeiger, auf dem Cover seines neuen Werks über Bonn. Das Fotoquizbuch richtet sich insbesondere auch an Einheimische, die Bonn gut zu kennen meinen. Diese werden in Webers kurzweiligen Band desöfteren eines Besseren belehrt. Das handliche Werk beleuchtet Details der Bonner City in einem Spiel mit 120 Fragen und ebenso vielen Antworten. Farbfotos zeigen bekannte lokale Motive, Hingucker und architektonische Schmuckstücke wie etwa Skulpturen im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss, die Burg Wissem in Troisdorf oder die Burg Lede in Beuel-Vilich. Der Leser - dazu angehalten, Fragen zu den Fotomotiven zu beantworten - muss stets eigene visuelle Erinnerungen auf möglicherweise bekannte Bildmotive überprüfen. Erst auf der nächsten Seite wird der Hintergrund der Bildmotive aufgelöst. Auf diese Weise lernt man in der Tat viele neue Facetten der Bundesstadt und ihrer Umgebung kennen.

Bewertung:    

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Die Germanistin und Historikerin Julia Anspach beschäftigt sich in Bonn. Porträt einer Stadt mit 41 mehr oder weniger bekannten Bonnern, die sie größtenteils auch selbst trifft. Sie porträtiert den ehemaligen CDU-Politiker Dr. Norbert Blüm, der einst an der Universität Bonn den Besuch philosophischer Studiengänge frönte und hierüber ebenso gerne wie über die parlamentarische Arbeit berichtet. Julia Anspach trifft auch Marianne Pitzen, die in Bonn 1981 das erste Frauenmuseum der Welt schuf und es bis heute leitet. Mit der Museumsdirektorin spricht sie über die Utopie einer Stadt der Frauen, die im Mittelalter die Französin Christine de Pizan in Worte fasste, während das Frauenmuseum sie als international anerkannte Institution weiterdenkt. Natürlich sind auch zahlreiche andere Porträts von weniger bekannten Bonner Persönlichkeiten lesenswert, so etwa vom „Alle mal malen“-Stadtzeichner Jan Loh oder vom jungen, portugiesischen Friseur Hugo Soares. Die Porträts sind unterschiedlich lang, so erhalten der lokale Kriminalautor Wolfgang Kaes ebenso wie Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan ganze sechs Seiten, während viele andere Porträts sich neben einem ganzseitigen Farbfoto auf eine Seite beschränken. Für interessierte Schmökerer, die einzelne Einrichtungen und Gesichter der Stadt besser kennenlernen wollen, eignet sich der kurzweilige Band jedoch allemal.

Bewertung:    

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Handlich und reich bebildert ist Bäume in und um Bonn von Christian Grische & Hans Otzen. Das Werk enttäuscht jedoch auf den zweiten Blick etwas, liegt doch der Schwerpunkt des Bandes nicht auf der Betrachtung einzelner eindrucksvoller Bäumen an besonderen Plätzen Bonns. Nein, es wird vielmehr auf wissenschaftlichem Niveau zunächst allgemein das Ökosystem Baum und Wald und eine Historie der Baumbestände vorgestellt, um sich dann ausführlich heimischen und eingebürgerten Laub- und Nadelbäumen zu widmen. Doch erst einmal eingelesen, gibt es immer wieder Querverweise und Fotos von bekannten Bäumen in Bonn und im Umland wie etwa von mächtigen Platanen am Alten Zoll, Rosskastanien in der Poppelsdorfer Allee oder weit über hundert Jahre alten Stieleichen und Platanen auf dem Alten Friedhof. Der Leser erfährt, wo es in Bonn Lindenalleen zu entdecken gibt und lernt über hundert heimische, teils auch exotische Baumarten kennen. Die Fichte, Baum des Jahres 2017 in Deutschland, wird in einem eigenen Kapitel in fünf unterschiedliche Arten unterteilt, und die Autoren verorten unter Denkmalschutz stehende Baumbestände am Godesberger Bach nahe der Wattendorfer Mühle und im Kottenforst. Auch dem gemeinen Wacholder, Baum des Jahres 2017 in Österreich, widmet sich ein eigenes Kapitel und der Band weiß zu berichten, dass auf dem Gelände der Burg Endenich ein denkmalgeschützter Wacholderbaum weit über 70 Jahre alt ist. Eine Übersicht über Bonner Parks rundet den insbesondere für Baumliebhaber informativen und lesenswerten Band ab.

Bewertung:    

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Rolf Sachsses opulenter, großformatiger Bildband Bonn. Von der Rheinreise zu den Ostverträgen. Fotografien 1850-1970 vereint rund 400 Fotografien des historischen Bonn. Ganzseitige Schwarzweiß-Fotografien zeigen Stadtbilder aus der Kaiserzeit, aus Kriegszeiten, von Wiederaufbau, von Überflutungen durch den Rhein oder von ehemaligen lokalen Fabriken, Stadthallen und Anlagen. Es vermitteln sich so lebendige Eindrücke von einer Stadt, die sich in ihrem Stadtbild, ihrer Infrastruktur und ihrer Bevölkerungsdichte sehr entwickelt hat. Auf vielen Fotos sieht man weite Naturlandschaften, die heute dicht besiedelt sind, so etwa bei Fotografien von der Ruine der Godesburg aus den 1850er Jahren. Einige Wahrzeichen der Stadt, wie etwa die Rheinbrücke nach Beuel, haben sich verändert. Immer wieder ist jedoch auch eindrucksvoll, dass sich einige Gebäude, Denkmäler und Monumente bis heute kaum gewandelt haben, wie etwa das Bonner Münster oder das Poppelsdorfer Schloss, die einst auch teilweise im Krieg zerstört wurden.

Bewertung:    
Ansgar Skoda - 18. April 2017
ID 9971


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