Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 2

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Sachbuch

Vierundzwanzig kluge Köpfe



Bewertung:    



Vierundzwanzig Biografien - vierundzwanzig verschiedene Schicksale von Menschen, deren Namen bedeutend oder vielen von uns zumindest geläufig sind. Es handelt sich um Vertreter der Natur- und Geisteswissenschaften oder Mediziner, sie bekamen den Nobelpreis oder andere wichtige Ehrungen, sie haben herausragende Leistungen für die Allgemeinheit erbracht und – sie waren krank.

Ihre Krankheiten sind oder waren belastend, sie bedeuteten Einschränkungen, oft Qualen und Leid und führten manchmal zum Tod. Ihre Träger sind unterschiedlich damit umgegangen; sie haben gegen ihre Krankheit gekämpft, haben sie akzeptiert oder haben vor ihr resigniert. Ihre Reaktionen waren zutiefst menschlich - unabhängig von ihrem wissenschaftlichen Erfolg.

Bei einigen dieser Experten ist die Krankheit fast genauso populär wie ihre wissenschaftliche Leistung selbst. Stephen Hawking, der wohl prominenteste Betroffene von Amyotropher Lateralsklerose (ALS) ist erst im Rollstuhl mit seinem Sprechcomputer bekannt geworden. Gut fünfzig Jahre vor der „ALS Ice Bucket Challenge“, die medienwirksam Gelder für die Erforschung dieser heimtückischen Lähmungserkrankung einwarb, erkrankte der begabte Astrophysiker daran. Trotzdem gelang es ihm, bedeutende wissenschaftliche Erkenntnisse zu formulieren und Bücher, wie Eine kurze Geschichte der Zeit oder Das Universum in der Nussschale zu verfassen.

Auch John Nash, der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 1994, zählt durch den Spielfilm A Beautiful Mind zu den prominenten Kranken. Der Film wurde zum Publikumserfolg, was das Leid, das die Krankheit für den Forscher bedeutet, in keiner Weise schmälert.

Wie auch in den anderen Kurzbiografien gelingt es den Autoren hier, den Lebensweg des Laureaten interessant, aber ohne Effekthascherei zu zeichnen. Die wissenschaftliche Leistung wird dabei gewürdigt, bleibt aber wenig detailliert und damit verständlich.

Dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, ist auch für Friedrich Nietzsche bekannt. Untermauert wird der Text durch aussagekräftige Zitate zur eigenen Krankheit:

„Meine Existenz ist eine fürchterliche Last: ich hätte sie längst von mir abgeworfen, wenn ich nicht die lehrreichsten Proben und Experimente auf geistig-sittlichem Gebiete gerade in diesem Zustand des Leidens und der fast absoluten Entsagung machte – diese erkenntnisdurstige Freudigkeit bringt mich auf Höhen, wo ich über alle Marter und alle Hoffnungslosigkeit siege. Im Ganzen bin ich glücklicher als je in meinem Leben…“ (S. 217)

Doch die Krankheit gewinnt immer mehr die Oberhand in Nietzsches Leben. Mit 56 Jahren stirbt der Philosoph in völliger geistiger Umnachtung.

Auch wenn die Autoren im Vorwort darauf hinweisen, dass nach neuesten Erkenntnissen, in Familien mit mehreren genialen Mitgliedern auffällig oft psychische Erkrankungen auftreten, sind es auch physische Leiden, die Forscher quälen, wie die Schwerhörigkeit bei Thomas Alva Edison, Karbunkeln und Furunkeln bei Karl Marx oder Atemlosigkeit bei dem Philosophen Karl Jaspers.

*

Trotzdem genial ist ein Buch, das eine interessante Auswahl an Charakteren präsentiert, das Mut machen kann und das Wege aufzeichnet, wie Menschen mit ihrem Handycap umgegangen sind oder umgehen. Hier wird nicht der moralische Zeigestock geschwungen, wenn der Betroffene mitverantwortlich für sein Leiden ist, wie es bei Siegmund Freud der Fall war. Sein exzessiver Tabakkonsum steht in direktem Zusammenhang zu seiner Gaumenkrebserkrankung. Die Autoren verstehen sensibel mit dem oft heiklen Thema Krankheit umzugehen, was sicher auch daran liegt, das die Buchautorin Katja Betz selbst im Rollstuhl sitzt.

Im Anschluss an die jeweilige Biografie werden die dort erwähnten Krankheiten in ihren Symptomen und Therapiemöglichkeiten erklärt.
Ellen Norten - 2. November 2014
ID 8219
Heinrich Zankl, Katja Betz | Trotzdem genial
Darwin, Nietsche, Hawking und Co.
288 Seiten, 9 s/w Abbildungen
Hardcover
€ 24,90
Verlag Wiley-VCH, 2014
ISBN 978-3-527-33410-0


Weitere Infos siehe auch: http://www.wiley-vch.de/publish/dt/books/ISBN3-527-33410-6/description/


Post an Dr. Ellen Norten



  Anzeigen:




LITERATUR Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

AUTORENLESUNGEN

BUCHKRITIKEN

INTERVIEWS

KURZGESCHICHTEN-
WETTBEWERB
[Archiv]

LESEN IM URLAUB

PORTRÄTS
Autoren und Verlage



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal





Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de