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Sachbuch-Kritik

Zum Liebhaben



Bewertung:    



„Liebe. Das ist ein schillerndes Wort. Es ist etwas Schönes und etwas Kompliziertes, es kann etwas Schmerzhaftes sein, aber auch das Glück der Welt darstellen. Und eigentlich ist es viel zu statisch für etwas, das so im Fluss ist. Vielleicht sollte es nur das Verb geben: lieben.“

Wie recht sie haben: Michaela Vieser, die Autorin und Irmela Schautz, die Illustratorin. Ihr gemeinsames Buch ist durch eine besondere, langjährig eingeübte Art der Zusammenarbeit entstanden. Im Anfang war nicht etwa der Text und dann kam das Bild, die Illustration. Beide Elemente entwickelten sich neben- und miteinander – eine Seltenheit im Buch-Geschäft. Sie führt denn auch zu einer besonderen Qualität, einer engen, ja liebevollen Verzahnung beider Medien.

Passend zum Thema: der Liebe mit ihren verschiedenen Darreichungsformen und Bräuchen. Beginnen wir die Lektüre in Niederösterreich. Da schmecken sie die Liebe – mit einem Apfel als Pheromonbombe. Einen Schnitz davon steckten sich die heiratsfähigen Mädchen in die Achselhöhle und gaben ihn dann dem Burschen ihrer Wahl. Heute weiß die Wissenschaft, wie gut sie daran tun. Wen man nicht riechen kann, der hat kein passendes Immunsystem. Das kriegt kein speed-Dating mit. Doch keine Angst: Sollte es mit dem Apfelschnitz nicht klappen, bieten die Autorinnen ein Rezept an – für Steirischen Apfelkuchen.

Wenn die Liebe sich erst mal durch die Nase eingeschlichen hat, ist es an der Zeit, sie dingfest zu machen. Am besten durch einen Gegenstand. Das muss kein Ring sein. In Wales und vielen keltischen Gegenden genügt ein Löffel, ein Love Spoon. Er ist Beweis der Liebe und Fürsorge, die ein junger Mann seiner Liebsten widmen würde, wenn sie ihn denn erwählte. Auslöffeln müssen die Suppe dann alle beide.

In Neuseeland dagegen liebt man mit Luft. Beim sogenannten Hongi-Kuss pressen die Maori Nasen und Stirn aneinander. Während der eine ausatmet, atmet der andere ein. Durch diese intime Geste lernen sich zukünftige Eheleute, Geschäftspartner, Nachbarn, aber auch Feinde besser kennen. Sogar die Queen hat man schon mit Hongi-Küssen beehrt. Merken Sie sich das für den Weltkusstag am 6. Juli. Oder schlagen Sie gleich nach auf S. 52. Da findet sich eine kleine Kusskunde, aber auch Rezept für Küsse zum Aufessen.

Wie man die Liebe öffentlich macht? Man aktualisiert seinen Beziehungsstatus auf Facebook. Das ist heute gang und gäbe und macht glücklich. Oder aber man schneidet ein Herz in einen Baum - mit Namen. Ein beliebter Brauch, immer wieder mal beklagt von der Forstwirtschaft. Es sei denn, Sie verwenden ein natürliches Astloch als Briefkasten für einen Liebesbrief. Die Bräutigamseiche von Eutin in Schleswig-Holstein etwa hat eine eigene Postanschrift und erhält Briefe aus der Mongolei und Taiwan. Tatsache.

Genauso wie der traditionelle Brautraub in Kirgisistan. Den gibt es noch immer, oder besser gesagt: Es gibt ihn wieder. In der Sowjetzeit war er nämlich verboten. Inzwischen müssen Mädchen überall damit rechnen, entführt zu werden. Meist in das Haus der zukünftigen Schwiegereltern. Der Glaube an schamanische Kräfte, Überredungskunst und Beharrlichkeit führt dann dazu, dass das Mädchen meistens freiwillig bleibt. Obwohl von einer Frau traditionell erwartet wird, dass sie sich erst mal sträubt. Zur Beruhigung mögen auch kirgisische Honignudeln beitragen, die dem Brautraub seinen Schrecken nehmen sollen.

Wie eben gezeigt: Die Liebe ist nicht nur ein Zuckerschlecken. Wer sie erhalten will, muss was aushalten. Besonders in Kenia. Dort wird das Hochzeitspaar drei Tage lang geärgert, beleidigt und erniedrigt. Vielleicht keine schlechte Übung fürs Eheleben, auf jeden Fall ein lebenskluger Brauch, mehr als unsere weißgebauschte Romantik.

Was nicht fehlen darf, ist ein Kapitel über Sex, das heißeste Gefühl der Welt. Fast immer kühlt es irgendwann ab und wird zur Gewohnheit. Da tut Auffrischung not – wie der der japanische Brauch, eine Nacht mit einem Fremden zu verbringen. Denn prüde waren die Japaner nicht – jedenfalls bis zur Modernisierung ihrer Nation im 19. Jahrhundert.

Wie man sich die Liebe bis ins hohe Alter erhält? Mit Feigen im Speckmantel oder auch mit einem Rührei. Ob nach der ersten Nacht oder vielen gemeinsamen Jahren. Das cremige Rührei mit knusprigem Speck macht frisch verliebt. Denn es ist mit viel Zeit und Hingabe zubereitet. Am besten im Bett servieren!

Lesen Sie selbst! Für immer und jetzt. Ein Buch zum Liebhaben.
Petra Herrmann - 31. März 2016
ID 9226
Michaela Vieser, Irmela Schautz | Für immer und jetzt
Wie man hier und anderswo die Liebe feiert

208 Seiten
EUR 18,00
Verlag Antje Kunstmann, 2016
ISBN 978-3-95614-064-8


Weitere Infos siehe auch: http://www.kunstmann.de/titel-0-0/fuer_immer_und_jetzt-1143/


[Unsere Gastautorin Petra Herrmann ist Redakteurin im Bayerischen Rundfunk, radioWissen, zuständig für Literatur und Musik. Daneben schreibt sie für die Glossenserie "Ende der Welt" und ist als Moderatorin für Wissenssendungen in BR-alpha tätig (Wissenschaftsthemen). Sie mag es, wenn was auch mal ein wenig schräg daherkommt. In ihrer Freizeit beglückt sie sich und ein paar Fans als Sonntagsmalerin.]

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