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Sachbuch

Die »Firma

Hamburg« in

schwerer See



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Als er mich 2004 zu einem meiner Bücher interviewte, begegnete ich erstmalig Uwe Bahnsen, dem feinsinnigen Homme de Lett­ res, der seit 1975 für Die Welt und Welt am Sonntag schreibt. Auf seine Bitte präsentierte ich 2006 im Rathaus in einer Lesung seinen Merkur, Macht und Moneten betitelten Streifzug durch sechs Dekaden Hamburger Staatsfinanzen – im Leo-Lippmann-Saal, benannt nach dem 1933 entlassenen Hamburger Staatsrat, der sich 1943 vor der Deportation nach Theresienstadt das Leben nahm.

Als kritischer Beobachter faschistischer Ideologie und deren fatalen Folgen erwies sich Bahnsen schon im 1975 mit James P. O’Donnel publizierten, 1997 neu edierten Buch Die Katakombe: Das Ende in der Reichskanzlei, in der Doppelbiografie Die Weichmanns in Hamburg: Ein Glücksfall für Deutschland (2001) sowie in der 2004 mit Kerstin von Stürmer verfassten zeithistorischen Reportage Die Stadt, die leben wollte: Hamburg und die Stunde Null.

In der jüngsten, akribisch recherchierten Studie, die zum 350jährigen Jubiläum der Handelskammer Hamburg erscheint, schildert er, wie sich die Wirtschaftseliten der Hansestadt in der Endphase der Weimarer Republik und während der NS-Herrschaft verhielten, speziell: welche Rolle die Kaufleute und deren institutionelles Zentrum spielten. »Die Handelskammer selbst hat«, wie er unterstreicht, »den Anstoß für diese Studie gegeben, und zwar ausdrücklich unter Einbeziehung der für die Wirtschaft in der NS-Zeit schmerzlichen Themen, zum Beispiel der ›Arisierung‹ zuvor jüdisch geführter Firmen.« Von jenen Enteignungen nicht zu trennen ist nach Bahnsens Urteil »der schon vor 1933 virulente Antisemitismus des Mittelstands, zum Beispiel der meisten Handwerksinnungen und Berufsverbände.«

Abgewogen, aber unverblümt werden die Maßnahmen Hamburger Entscheidungsträger bewertet. Im dritten des 16 Kapitel umfassenden Werkes urteilt der Autor u.a. über den Gauleiter und späteren Reichsstatthalter Karl Kaufmann, der für die Umsetzung der Reichspolitik in der Hansestadt sorgte. Dabei entzaubert er mit Verweis auf zeithistorische Forschung die bis heute nachwirkende »Kaufmann-Legende, die Hamburg in der NS-Zeit generell einen liberaleren ›Sonderweg‹ attestieren wollte – bis hin zur kampflosen Übergabe der Stadt am Abend des 3. Mai 1945.« Sein Fazit: Terror und Verfolgung waren in Hamburg um keinen Deut geringer als in anderen Teilen des Reiches: »Die 55.000 ermordeten Insassen des Konzentrationslagers Neuengamme sind dafür ein schrecklicher und nicht der einzige Beleg. Kein Zweifel: Karl Kaufmann war Antisemit durch und durch, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten.«

Im Vorwort zu diesem von der Handelskammer Hamburg herausgegebenen Werk, verfasst von Fritz Horst Melsheimer, ihrem derzeitigen Präses, und Hans-Jörg Schmidt-Trenz, ihrem Hauptgeschäftsführer, wird das Hauptanliegen der Institution unterstrichen: »Die Handelskammer Hamburg möchte mit der vorliegenden Arbeit dazu beitragen, dass eine unumstößliche Wahrheit im öffentlichen Bewusstsein noch tiefer verankert wird. Die Wahrung der Menschenrecht muss auch für den Kaufmann die Richtschnur seines Handelns sein.«
Christoph Gutknecht - 19. Juni 2015
ID 8712
Uwe Bahnsen, Handelskammer Hamburg (Hg.) | Hanseaten unter dem Hakenkreuz
379 S., Leinen m. Schutzumschlag, m. zahlreichen Abb.
14,5 x 22 cm
29,90 EUR
Wachholtz Verlag, Kiel/Hamburg
ISBN 9783529052613

Weitere Infos siehe auch: http://www.wachholtz-verlag.de/hanseaten-unter-dem-hakenkreuz.html


Post an Prof. Dr. Christoph Gutknecht

http://www.christoph-gutknecht.de



 

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