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Rezension

Ulla Lenze schrieb einen Roman über die verschiedene Welten und verschiedene Lebensentwürfe unserer Zeit



Bewertung:    



So frei wie Künstler in ihrer Arbeit sind, so unfrei sind sie meist in wirtschaftlichen Dingen. Holle, die Hauptfigur in Ulla Lenzes Roman Die endlose Stadt verkörpert exemplarisch diese Situation. Am Rande der Existenzsicherung hangelt sie sich von Stipendium zu Stipendium. Ein Stipendium in Istanbul bringt ihr Leben gehörig durcheinander. Auf der einen Seite ist da die Liebesgeschichte mit dem Döner-Paradies-Betreiber Celan, auf der anderen Seite lernt sie in Istanbul Christoph Wanka kennen, den Oberboss des Unternehmens, welches ihr den Aufenthalt in Istanbul finanziert hat. Eine deutsche Journalistin (Theresa) wohnt derweilen in Holles Wohnung in Mumbai, wo Holle länger gelebt hat und im Rahmen eines Stipendiums auch zurückkehren möchte.

Ulla Lenze mischt verschiedene Lebenswelten und geografisch kulturelle Unterschiede gehörig durcheinander. In Istanbul treffen Orient und Okzident aufeinander, getrennt durch den Bosporus. In Mumbai findet man - aus europäischer Sicht - ausschließlich exotische Verhältnisse. Verschiedenste Lebensentwürfe prallen in dieser kulturellen und geografischen Vielfalt aufeinander. Künstlerin Holle und Unternehmer Wanka sind so ein Gengenpaar, aber auch Theresa hat es in Form ihres Freundes Lorenz mit einem waschechten Kapitalisten zu tun, der sich mit Einheimischen um Pfennige streitet, während sein Unternehmen in und mit Indien Milliarden verdient. In Gedanken und Gesprächen spielt Ulla Lenze mit diesen Unterschiede und den Konflikten, die daraus entstehen:

"Weißt du um welches Prinzip es wirklich geht? Man setzt ins Unrecht. Damit das Unrecht, in dem man selber steht, nicht auffällt. Das ist das Prinzip. Wir müssten uns eigentlich ständig bei diesen Leuten hier entschuldigen, statt sie zur Rechenschaft zu ziehen für Pfennigbeträge, die uns nicht wehtun, ihnen aber tatsächlich etwas bedeuten. Aber nein, wir kommen ihnen zuvor, wir setzten sie ins Unrecht, bevor unser Unrechthaben auffällt." sagt Theresa zu Lorenz.

Es ist ein besonderes Verdienst des Romans, dass kulturelle und wirtschaftliche Themen ohne moralische Zeigefinger diskutiert werden. Wer hat sich nicht schon mal komisch gefühlt, wenn man in Ländern wie Indien für Pfennigbeträge Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Das fast krankhafte Vielreisen von uns Europäern wird einfach mal hinterfragt. Die Exotik der schönen Orte und die Charaktere der Personen tragen dabei den Flow des Romans. Jeder Ort und jede Person für sich genommen sind absolut und richtig, das Zusammentreffen produziert dann die Spannungen dieses sehr lesenswerten Romans.
Steffen Kühn - 20. März 2015
ID 8515
Ulla Lenze | Die endlose Stadt
317 Seiten
19,90 € (D) | 20,50 (A)
Frankfurter-Verlagsanstalt, 2015
ISBN 978-3-627-00210-7


Weitere Infos siehe auch: http://frankfurterverlagsanstalt.tumblr.com/post/107402914328/ulla-lenze-uber-ihren-roman-die-endlose-stadt


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de



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