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Buchkritik

Kontrafaktisches

Szenario



Bewertung:    



Gerade habe ich mich an das Modewort „postfaktisch“ gewöhnt, da begegnet mir eine weitere ähnliche Wortschöpfung: „kontrafaktisch“. Ein kontrafaktischer Roman, so lerne ich im Vorwort des aus Rügen stammenden Autors Hans-Jürgen Rusch ist ein Was-wäre-wenn Roman, ein Buch, das in einer ungeschehenen Vergangenheit spielt:


„Mit dem 07. Oktober 1989 - die DDR feierte ihren letzten Jahrestag – entfernt sich mein Plot von der realen Vergangenheit, nimmt einen Umweg, und kehrt am 09. November 1989 – am Tag des Mauerfalls – in die tatsächliche Historie zurück.“ (Die Erben der Wende, S. 10)


Eine kleine Skizze verdeutlicht dem Leser den Umweg, den die Handlung nimmt. Nun bin ich sozusagen vorbereitet auf die Lektüre, dennoch: Als Nicht-Ossi habe ich Probleme die fiktive Handlung von der wahren zu unterscheiden. Gorbatschow unterstützt in diesem Roman die SED-Funktionäre, doch warum? Mir scheint dies für die spannende Handlung des Krimis kaum notwendig zu sein. Eigentlich wird aus meiner Sicht hier lediglich ein Rahmen geschaffen, der die Kompromisslosigkeit und damit verbundene Brutalität dem andersdenkenden Bürger in den letzten Tagen der DDR von Seiten des Politkaders entgegengebracht wird. Doch der Krimi hätte auch in weniger bewegten Zeiten spielen können, wäre damit genauso spannend geblieben und würde den Leser nicht vor die Herausforderung stellen, die Spreu vom Weizen trennen zu müssen.

Zur Handlung: Die in Stralsund lebende Protagonistin Katja Kessler ist begeisterte Anhängerin der Proteste in Leipzig und verliert deshalb ihre Arbeit. Über ihren Freund, den Friedhofsgärtner Peter Schwarz, bekommt sie in dieser ausweglosen Situation einen eigenartigen Job vermittelt, der ihr finanzielles Überleben sichert. Konkret soll sie nach dem Testament eines verstorbenen Operettensängers suchen. Der eigentlich fast banal klingende Auftrag beinhaltet jedoch mehr Brisanz als zunächst zu erwarten ist, denn bei ihren Recherchen stößt Katja auf drei exakt gleich aussehende Grabmäler.

Katja wird bei ihren Ermittlungen zur Rangiermasse lokaler Politiker. Unerfahren und ungeschickt gibt sie bei ihren Recherchen falsche Beweggründe an, wird entdeckt und dient der Profilierung einzelner Funktionäre. Und es bestehen Zusammenhänge, die bis nach Berlin reichen.

Bedrohlich wird die Situation, als ein vierter Grabstein in Auftrag gegeben wird – für einen Menschen, der bis dato noch quicklebendig ist. Dies berichtet ihr der Lehrling aus dem Bestattungsinstitut:



„Als mir die Daten des Toten am Telefon durchgegeben wurden, war ich so erschrocken, dass mir der Hörer aus der Hand gefallen ist.“
„Was hat Dich so beunruhigt?“
„Bei dem Verstorbenen soll es sich um Max Tauber handeln – geboren am 21.10.1917, gestorben am 09.11.1989“
„Also heute?“
„Genau.“
(S. 255)


Die Ereignisse überschlagen sich nun, und der Leser kommt gleichzeitig am Ende des kontrafaktischen Szenarios an. Neben einer spannenden Kriminalhandlung wird hier ein tiefer Einblick in den DDR-Alltag geliefert. Die Schilderungen wirken überzeugend, würden dies aber auch ohne das kontrafaktische Szenario tun, auf dies könnte der Roman aus meiner Sicht getrost verzichten.
Ellen Norten - 13. Juni 2017
ID 10082
Hanz-Jürgen Rusch | Die Erben der Wende
broschiert, 316 Seiten
EUR 11,99
Gmeiner Verlag, 2017
ISBN 978-3-8392-2045-0


Weitere Infos siehe auch: http://www.gmeiner-verlag.de/programm/vorschau/titel/1547-die-erben-der-wende.html


Post an Dr. Ellen Norten



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