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Buchkritik

Malbuch für

Erwachsene



Bewertung:    



Eine neue Form von Buch ist in die Buchhandlungen gelangt: Malbücher für Erwachsene. Malbücher sind also nicht länger den Kindern vorbehalten, zur meditativen Entspannung werden sie nun auch älteren Menschen angeboten. Und damit sie sich deutlich von den Exemplaren der Kinderecke unterscheiden, haben sie anspruchsvolle Motive: Mandalas, Ornamente der Kelten, Mosaikmuster aus Kirchenfenstern, filigrane Tierdarstellungen oder vereinfachte Kunstwerke großer Maler – die Angebote sind vielfältig. Die mit feinem Strich gezeichneten Schwarz-Weiß-Vorlagen gilt es mit Bunt- oder Filzstiften, mit Kreide oder Wasserfarben zu kolorieren. Wer meint, dass hierbei keine Eigenleistung gefordert wird, sondern nur simples Kopieren gefragt ist, der irrt.

Ich habe mir den Maler Gustav Klimt erwählt. Zweiundzwanzig Bilder aus der Sammlung Belvedere in Wien dienen als Vorlagen für die auf DIN A3 verkleinerten Bilder. Diese zeigen in feinen Linien dargestellt die Bilder des Meisters. Klimt, dessen Originale häufig einen flächigen Charakter zeigen, eignen sich hervorragend für diese Art der Darstellung. Die filigranen Muster auf den Kleidern der Frauen Adele Bloch-Bauer, Johanna Staude oder auf den Bildern Der Kuß, Die Frau mit Fächer oder Hygieia sind echte Herausforderungen. Die zweiundzwanzig Originale aus dem Belvedere sind außerdem kleinformatig (ca. 6,5 x 6,5 cm ) abgebildet, dienen aufgrund der geringen Größe aber leider nur als Anregung und nicht als echte Vorlage. Schon darin liegt die Krux begraben. Die Originale im Belvedere erreichen teilweise über zwei Meter an Höhe und mindestens 60 cm an Breite. Die Verkleinerungen lassen die Details kaum mehr erkennen, und die Originale sind natürlich auch wesentlich größer als die Vorlagen im Buch. Die Originalgröße würde zwar den Rahmen eines Buches sprengen, doch die notwendigen Verkleinerungen bergen ihre Tücken. So sind die auszumalenden Flächen zum Teil winzig klein. Der Buntstift darf also gespitzt werden, und nur ein wirklich sehr feiner Filzstift wird den umgrenzten Raum treffen, die Hand darf zudem nicht zittern. Der kleine Begleittext, der zur Einstimmung auf die Bilder vor diesen abgedruckt steht, erkennt dieses Problem anscheinend nicht:


„Sie schärfen nicht nur Ihre Sinne – Malen hat durchaus etwas Meditatives, Stress und Sorgen fallen ab -, nein, Sie lernen auch loszulassen, zu experimentieren. Malen ist auch eine Technik, auf sich selbst zu achten. Kommen Sie sich selbst und den großen Künstlern näher, holen sie die Farben raus und legen Sie los! Sie werden spüren: Das tut mir gut!“


Hoffentlich, kann ich nur denken, und dann geht es los. Ich wähle das Bild Häuser in Unterach von 1916, ein Bild aus der späten Schaffensperiode des Künstlers, mit vergleichsweise wenig kleinen Elementen darin. Tatsächlich geht das Kolorieren relativ zügig von der Hand. Bäume erstrahlen in unterschiedlichen Grüntönen, das Wasser im Vordergrund der Häuser reflektiert diese Farben, die Häuser selbst zieren nun bunte Dächer – fertig! Doch vor meinen Augen liegt nichts anderes als ein Kinderbild. Ich bin enttäuscht. Die Kunst liegt eben nicht allein im Ausmalen, eine meditative Zufriedenheit stellt sich bei mir nicht ein.

„Kein in kostbaren Edelsteinen erstarrtes Licht sprüht farbigeres Leuchten als die Blumenblüten. Alles nur erdenkliche Farbenflammen, Farbenleuchten, Farbenglühen, Farbenschimmern bieten die Blumenblüten dar“, wird Gustav Klimt auf der einzigen Textseite zitiert. Vielleicht ein Hinweis an mich. Die Buntstifte kommen erneut zum Einsatz. Eine zweite und dritte Farbe verändert die eintönigen Flächen. Tatsächlich entwickelt sich das Bild weiter, es wird ansprechender, doch der Frust bleibt. Hier entsteht kein Werk, das ich mir an die Wand hängen oder gar verschenken möchte. Das Malen ist ausschließlich Fleißarbeit.

Neuer Versuch, diesmal wähle ich feine Filzstifte zum Kolorieren für das Bild von Fritza Riedler, die Klimt 1906 gemalt hat. Die Ornamente darin halten sich im Hintergrund, und mit viel Liebe und bei guter Beleuchtung lassen sie sich Schritt für Schritt mit den kontrastierenden Filzstiften ausmalen. Das birgt immerhin etwas mehr Befriedigung. Für die großen Flächen lege ich mir dennoch die Buntstifte zur Seite, und in Kombination mit den leuchtenden Farben der Filzstifte kommt nun doch ein halbwegs zufriedenstellendes Bild zu Stande, bei dem allein ich die Farbgestaltung bestimme.

Ich weiß, dass ein Malbuch eben kein Lehrbuch darstellt. Doch ich spüre, was einen Meister ausmachen kann. Die Kombination der Farben, die Ausgestaltung der Flächen ist eine Technik, die die Grundlage für die einmaligen Bilder von Gustav Klimt liefern kann. Wer knifflige Herausforderungen sucht und genügend Muße mitbringt, der wird sich mit dem Ausmalen der zweiundzwanzig Bilder einem ruhigen und vielleicht auch meditativen Zeitvertreib stellen.
Ellen Norten - 9. Juli 2016
ID 9423
Mein eigener Klimt
Kunst zum Ausmalen

Illustrationen: Alexander Keilhau

24 Seiten, Din A3, kartoniert
16,95 Euro (D), 17,50 Euro (A)
Helmut Lingen Verlag, Köln, 2016
GTIN 4260188011250


Weitere Infos siehe auch: http://www.lingenverlag.de/shopart/163400/Online-Shop/Category169/Mein-eigener-Klimt.html


Post an Dr. Ellen Norten



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