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Buchkritik

Der Tod

des Filou



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Opa Jureks letzter Tod war gewiss nicht sein unerfreulichster. Viermal schon musste er im Laufe seines Lebens das Zeitliche segnen. Zuerst im besetzten Warschau, als er von marodierenden Deutschen aufgegriffen wird. Danach als Zwangsarbeiter in Oświęcim, dem Konzentrationslager Ausschwitz, wo er zum ersten Mal jenen Todeshunger erlebt, der ihn nie mehr loslassen wird. Noch Jahre später, zurück in seiner Heimatstadt Opole, träumt der Sterbenshungrige von Delikatessen und Gelagen. Zuletzt, da ist er Direktor eines Warenhauses, wirft ihn der kommunistische Staat in die Düsternis einer Gefängniszelle.

Auf Jureks Beerdigung berichten seine Enkel von den verwegenen Abenteuern ihres Großvaters, die so bewegend sind wie die Geschichte Polens im vergangenen Jahrhundert von der deutschen Besatzung über den Staatskommunismus bis hin zur Wendezeit der 1990er Jahre. Es ist die Geschichte eines ausgemachten Filous, die Matthias Nawrat, der selbst im oberschlesischen Opole zur Welt kam, in einer feinen und wohlklingenden Sprache erzählt. Dabei verleiht die groteske Perspektive Jureks, durch die der Erzähler die welthistorischen Ereignisse spiegelt, diesem Schelmenroman seinen herzzerreißenden Charme.

Es sind vor allem die spöttischen Zwischentöne, mit denen der Autor [in Die vielen Tode unseres Opas Jurek] den Leser zum Komplizen seines Helden macht. So verzeiht man Jurek gerne die ein oder andere Charakterschwäche. Zeiten des Terrors erfordern eben moralische Flexibilität. Im Gedächtnis haftet aber auch die Haltung des Erzählers, der es nicht immer genau nimmt mit der sogenannten Wahrheit. Ein menschlicher Makel, der nicht nur in der Literatur von einigem Nutzen ist.
Jo Balle - 3. Oktober 2015
ID 8906
Weitere Infos siehe auch: http://www.rowohlt.de/hardcover/matthias-nawrat-die-vielen-tode-unseres-opas-jurek.html


Post an Dr. Johannes Balle



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