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nachDRUCK # 2

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Thriller

Dubiose

Neubauten



Bewertung:    



In der Provinz Almeria an der südöstlichen Spitze Spaniens wiehert der Amtsschimmel. Ein Gutachten der Regierung hat zwölftausendfünfhundert irreguläre Bauten identifiziert. Viele dieser Häuser wurden von ahnungslosen Briten erworben, die hier im sonnigen Süden ihren Lebensabend verbringen wollen. Per Entscheid, der an Willkür nichts zu wünschen übrig lässt, wird ein erstes, fast neues Gebäude abgerissen, im Beisein der fassungslosen Besitzer, der gesamten Nachbarschaft und in Anwesenheit von Pressevertretern. Als der Bagger eine der Hauswände niederbricht, offenbart sich ein makaberes Geheimnis, denn in der schmalen Lücke einer doppelten Wand klemmt eine halbskelettierte Leiche. Wie sie dort hingelangte, erfährt der Leser schnell.


„Mit der Seilwinde zog er das Ding vom Boden hoch. Als es hing, drückte er die Unterschenkel nach unten und schob sie in den schmalen Hohlraum nach unten zwischen innerer und äußerer Mauer. Dabei bewegte sich das Ding, stieß sich die Unterschenkel an den Ziegelkanten an. (…) Er sah ausdruckslos zu, wie das Ding versuchte, den Arm zu heben, und löste dann die Sperre der Seilwinde. Das Ding sackte nach unten und verschwand in dem nur dreißig Zentimeter breiten Hohlraum zwischen den Mauern. Er wandte sich dem Haufen loser Ziegel zu und griff nach seiner Kelle.“ (Matthew Pritchard, Die Stunde des Puppenspielers, S. 12)


Der Journalist Danny Sanchez, der britische wie spanische Wurzeln hat und für Sureste News (eine Auswandererzeitschrift) arbeitet, ist einer der anwesenden Pressevertreter beim Leichenfund. Ihm offenbaren sich düstere Parallelen zu einem Serienkiller, der in England vor Jahren mordete und nun in der Psychiatrie weggesperrt lebt. So kann es sich eigentlich nicht um denselben Mörder handeln, der seine Opfer grotesk schminkt und ihre Genitalien zerstückelt. Oder sollte noch ein weiterer Täter an den Morden beteiligt sein? Entgegen aller Vernunft sucht Danny nach Zusammenhängen zwischen den Bluttaten in Großbritannien und Spanien und klaubt mühsam unerwartete Verbindungen zu Tage. Es wird zunehmend spannend zu verfolgen, welche komplizierte Logik hinter den Morden in beiden Ländern steckt. Hier hebt sich das Buch positiv von so manchen verwirrenden Kriminalromanen ab, bei denen der Leser am Ende etwas allein gelassen nach dem Schuldigen und seinen Motiven sucht. Danny Sanchez zieht mehrmals im Buch ein Resümee und verschafft so dem Leser einen aktuellen Überblick über Verdächtige und den Stand der Polizeiermittlungen.

Zu Beginn kommt der Krimi jedoch nur langsam in Fahrt, und der Ermittler ist für einen Sensationsreporter zwar gewieft, doch fast zu fair und freundlich. So kann man ihn zwar mögen, doch wirkt er manchmal etwas unglaubwürdig. Interessant sind die Schilderungen aus England und Spanien. Insbesondere letztere gelingen hervorragend, da der Autor Matthew Pritchard lange Zeit selbst dort als Journalist arbeitete. Ein originell gestalteter Thriller, dem man beim genauen Hinsehen jedoch noch das Debüt anmerkt und dessen Titel in der Übersetzung unglücklich gewählt ist. Aber auch im Original trifft Scarecrow (= Vogelscheuche und amerikanische Comicfigur) nur bedingt den Inhalt.
Ellen Norten - 9. Februar 2015
ID 8423
Matthew Pritchard | Die Stunde des Puppenspielers
Taschenbuch, Broschur, 384 S.
11,8 x 18,7 cm
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,90
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
ISBN 978-3-442-47915-3


Weitere Infos siehe auch: http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Stunde-des-Puppenspielers-Thriller/Matthew-Pritchard/e421987.rhd


Post an Dr. Ellen Norten



 

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