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Buchkritik

Kindes

Staunen



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Die Welt sehen, als betrachtete man sie zum ersten Mal. Das ist eine wichtige Übung der Philosophie. Wird man erwachsen, verliert sich zumeist dieses kindliche Staunen. So gesehen ist die Philosophie auch ein Kampf gegen das Altern. Denn wenn es etwas gibt, das dem philosophischen Herzen nicht behagt, dann die Leier des Altbekannten. Philosophen betrachten die Welt als rätselhaften Ort. Darin gleichen sie Kindern wie Teo, der Hauptfigur in dem gleichnamigen Roman der Italienerin Lorenza Gentile.

Teos Eltern stehen kurz vor der Trennung. Doch wie alle Kinder wünscht sich der Achtjährige, seine Familie möge erhalten bleiben. Als er eines Tages von Napoleon hört, erhofft er sich von ihm einen Rat, wie die Ehe der Eltern zu retten ist. Ein solcher Held, so ist Teo sicher, weiß auf jede Frage eine Antwort. Die Tatsache jedoch, dass Napoleon längst tot ist, hindert Teo nicht, ihn im Jenseits zu suchen. Doch wo genau liegt das Jenseits? Und wie gelangt man dorthin? Teo vermutet, dass Gedanken realer sind als die Wirklichkeit und das Jenseits echter als das irdische Leben. Daher fasst er den kühnen Entschluss, durch Selbstmord mit Napoleon in Kontakt zu treten.

Dieser zauberhafte philosophische Roman eignet sich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Im Kern besteht seine Leistung darin, Teos Abenteuer so zu erzählen, dass das Gefühl des Philosophierens entsteht. Dabei sind es kindliche Fragen, die uns zweifeln lassen: "Wie kann der Wind den Baum bewegen, wo er doch nur Luft ist?" Liest man diesen berühmten Vergleich nicht mit dem selbstzufriedenen Verstand des Erwachsenen, so erzeugt er einen Taumel, in dem sich vermeintliche Gewissheiten auflösen. Wenn eine Geschichte diese Wirkung entfaltet, so ist das bemerkenswert.
Jo Balle - 29. August 2015
ID 8838
Lorenza Gentile | Teo
Hardcover, 200 S.
18.90 [D] 19.50 [A]
dtv, 2015
ISBN 978-3-423-28051-8


Weitere Infos siehe auch: http://www.dtv.de/buecher/teo_28051.html


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