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Buchkritik

Prager Frühling hautnah



Bewertung:    



Das Leben von Eddie und seinen Freunden ist eigentlich unauffällig. Die Abiturienten denken, wie wohl die meisten Teenager, weniger an die Schule als an das andere Geschlecht. Ende der 1960er Jahre herrscht konservativer Mief im Land. Da das Buch hauptsächlich im sächsischen Freiberg spielt, ist es die Spielart der DDR, die der Leser hier präsentiert bekommt. Schnell führen unbedachte Handlungen der Jugendlichen zu Missverständnissen und Konfrontationen. So hat ein Techtelmechtel zwischen Eddie und seiner Referendarin Linda ungeahnte Folgen, denn die Stasi erpresst die junge Lehrkraft kurze Zeit später mit Fotografien des Treffens.

Auch für die Freunde von Eddie nehmen die Probleme zu. Ein von ihnen veranstaltetes politisches Diskussionsforum macht sie bereits verdächtig. Als die frisch gebackenen Abiturienten ihre Reifeprüfung beim Vater von Mo feiern wollen, der in Prag lebt, geraten sie dort mitten hinein in den Einmarsch der sozialistischen Bruderstaaten.


Am 20. August 1968, um 22:55 Uhr überquerte die Panzerkolonne den Grenzübergang Reitzenhain und damit die Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik.

Damit begann die größte Militäraktion nach dem Zweiten Weltkrieg. Der größte Panzerangriff der Weltgeschichte setzte sich in Gang. Das kleine Land war umstellt. Von der Sowjetunion, von Polen, der DDR und Ungarn aus drangen Panzerverbände über die Grenzen. Die ruhmreiche Gardeluftlandedivision landete in Prag. Bei dieser Invasion wurden 800 Panzer mehr eingesetzt, als die Wehrmacht bei ihrem Angriff auf die Sowjetunion nutzte. Vergleicht man die beiden Länder auf der Landkarte, bekommt man eine Vorstellung davon, was in der kleinen Tschechoslowakei nun los war.“
(S. 284)



Es sind diese Ausführungen und Vergleiche, die die Vorgänge von 1968 plastisch vor Augen führen, die die Größenordnung des Einmarsches auch für einen Nichtstrategen begreifbar machen. Schade, dass der Roman von Hubert Friedrich [Reifeprüfung in Prag] eigentlich erst ab hier an Fahrt gewinnt. Eddie und seine Freunde erleben das Ende des Prager Frühlings unter geradezu bizarren Umständen, denn sie wohnen ausgerechnet benachbart zu dem Haus, in dem Stasi-Vertreter als Beobachter untergebracht sind. In Prag erfahren sie nicht nur die Brutalität des Einmarsches, sondern es kommt für sie noch zusätzlich zu einer folgenschweren Begegnung mit diesen Spionen, die sie fatalerweise aus Freiberg kennen.

Bei aller Harmlosigkeit, mit der sich das Buch zunächst recht langatmig dem Thema DDR-Diktatur nähert, gerät der Leser zunehmend in den beklemmenden Strudel von Geheimdienstaktivitäten und Borniertheit des Parteikaders. Letztlich erlebt er ganz konkret die Grausamkeit, die bei der Niederschlagung des Prager Frühlings entstand und die im Leben von Eddie im übertragenen Sinn zur wahren Reifeprüfung wird.


Ellen Norten - 2. Juli 2014
ID 7937
Hubert Friedrich | Reifeprüfung in Prag
Hardcover, 68 S.
€ 19,99
Styria premium, 2014
ISBN 978-3-222-13438-8


Weitere Infos siehe auch: http://www.styriabooks.at/article/4837


Post an Dr. Ellen Norten



 

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