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Buchkritik

Nichts Neues

von Fritz J.

Raddatz



Bewertung:    



Fritz J. Raddatz beginnt seine 2010 veröffentlichten Tagebücher (1982–2010) mit:


„Ein Tagebuch: Es schien mir eine indiskrete, voyeurhafte Angelegenheit, eine monologische auch – ich möchte nie hinterher, wenn die Gäste weg sind, aufschreiben wie sich Augstein oder Biermann, Grass oder Wunderlich benommen haben.“


Raddatz schrieb es dahin und veröffentlichte gleichzeitig 900 Seiten Tagebücher, 2014 dann noch mal 720 Seiten Tagebücher (1983–2012). Diese insgesamt 1.620 Seiten Tagebücher sind wohl das Indiskreteste, was der deutsche Literaturbetrieb in den letzten 50 Jahren aushalten musste. Man hat es ihm damals verziehen, da man spürte, das ist der Anfang vom Ende des Fritz J. Raddatz. Nur wer das Gefühl hat nichts mehr verlieren, aber auch nichts mehr gewinnen zu können, plaudert so freimütig private Dinge von sich und Weggefährten aus.

*

Seine letztes Buch Jahre mit Ledig lässt Raddatz nun einen Tag nach seinem Freitod am 26. 2. 2015 erscheinen.

Heinrich Maria Ledig-Rowohlt hatte Raddatz viel zu verdanken. Nach der Übersiedlung aus der DDR konnte sich der junge, ehrgeizige und literaturversessene Raddatz im Rowohlt Verlag eine neue geistige Heimat aufbauen. Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, von allen nur Ledig genannt, hatte Raddatz den dazu notwendigen Freiraum geschaffen. Nach neun Jahren, als der Stellvertreter Raddatz dem Verlagschef Ledig zu mächtig erschien, flog er raus aus dem Verlag. Man hatte sich danach mit großer Achtung voreinander wieder angenähert, und ein Witz der Geschichte: Bei Raddatz´ nächstem Rauswurf als Feuilletonchef der Zeit versuchte Ledig, die Zeit-Herausgeber um Marion Dönhoff zur Umkehr zu bewegen. Ledig und Raddatz, zwei sensible Männer, die immer anders sein wollten oder mussten?

Ledig, der uneheliche Sohn des Verlagsgründers Ernst Rowohlt, musste sich seinen Status im Verlag mühsam erkämpfen. Fehlende Anerkennung kompensierte er früh mit allerlei Äußerlichkeiten wie farbigen Strümpfen und bunten Hosenträgern. Raddatz, der Offizierssohn aus dem Osten, stieß mit seiner Freigeisterei und seiner Homosexualität schnell an die Grenzen der bürgerlichen Fassade der 1950er Jahre. Kompensation suchte er im internationalen Jetset dieser Zeit, dort trafen sich die beiden Männer, genossen gemeinsam ausgiebig das Leben und schrieben nebenbei auch noch Literaturgeschichte.

All das, gespickt mit allerlei Indiskretem, konnte man schon in Raddatz' ersten Tagebüchern lesen - wer diese also noch nicht gelesen hat, wird sich bei Jahre mit Ledig gut unterhalten. Aber man sucht vergeblich den Sinn von Raddatz' letztem Buch. Das Nachdenken darüber wird wohl nie enden; wir können den Autor nicht mehr fragen, aber das hat Raddatz wohl so gewollt.
Steffen Kühn - 16. Mai 2015
ID 8641
Fritz J. Raddatz | Jahre mit Ledig
160 S., Hardcover
EUR 16,95
Rowohlt Berlin, 2015
ISBN 978-3-498-05798-5


Weitere Infos siehe auch: http://www.rowohlt.de/buch/Fritz_J_Raddatz_Jahre_mit_Ledig.3178535.html


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de



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