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Buchkritik

Wo bleibt

die Politik?



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Michael Wolff ist Journalist, schreibt u.a. für Vanity Fair, The Hollywood Reporter, The Guardian, US-Today, und er schreibt Bücher. Sein neuestes Fire and Fury erschien 2018 und ist dank der Arbeit von allein sieben Übersetzern bereits als deutsche Ausgabe [Feuer und Zorn] erhältlich. So ist es gelungen, ein wirklich aktuelles Buch über die ersten zweihundert Tage des US Präsidenten Donald Trump zu publizieren. Und dieser hat laut Buch, genau wie sein Wahlkampfteam, gar nicht mit einem Sieg gerechnet. Nun muss er also (weitgehend unvorbereitet?) regieren.

Wir erfahren viel über die näheren Umstände, die zum Rauswurf des FBI-Chefs James Comey und die des Chef-Beraters Stephen Bannon führten und über den Führungsstil von Donald Trump.



"Bannon beschrieb Trump als eine einfache Maschine. Stand der Schalter auf Ein, produzierte er Lob, stand er auf Aus, gab sie Beschimpfungen von sich. Das Lob war süßlich, kriecherisch mit absurden Superlativen garniert und hatte überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun: Soundso war der beste, der Unglaublichste, der Unübertrefflichste, der Unsterbliche. Die Beschimpfungen waren wütend, bitter, rachsüchtig – ein Rausschmiss gefolgt vom Zuschlagen der Stahltür." (S. 46)


Was sich uns eröffnet ist ein Gezänk um die Nähe und Einflussnahme zum Präsidenten, um seine Eitelkeit und sein Hauptinteresse, wie und welche Medien gerade über ihn berichten. Trump ist selbstverliebt, das hatten wir schon vermutet, nun haben wir es schwarz auf weiß, zumindest schildert es so der Autor.


"Trump las nicht. Manche hielten ihn für einen halben Analphabeten. (Andere bestritten das, denn Schlagzeilen und Artikel über sich selbst konnte er lesen, oder jedenfalls die Schlagzeilen über solchen Artikeln und die Klatschspalten auf Seite sechs der New York Post.) Manche hielten ihn für einen Legastheniker, auf alle Fälle war seine Auffassungsgabe begrenzt. Andere meinten, er lese nicht, weil er es schlicht nicht nötig habe, ebendies kennzeichne ihn als Populisten. Er sei ein typischer Vertreter des Fernsehzeitalters." (S. 143)


Michael Wolff berichtet über die Vorgänge im Weißen Haus aus der Sicht der Menschen, die dort ein und aus gingen und gehen. Einer von ihnen ist er selbst. Wolff nahm einen Stammplatz auf einem Sofa im Westflügel des Weißen Hauses ein und führte mehr als zweihundert Interviews. Trotz der eher als pressefeindlich geltenden Einstellung des Präsidenten, nahmen sich auch seine hochrangigen Mitarbeiter meist viel Zeit für diese Interviews.

Nach der Lektüre des Buches kennt der Leser den engeren Zirkel um den Präsidenten und anscheinend auch den Grund für die Auskunftsbereitschaft: "Seilschaften und Eitelkeit", so könnte der Titel des Buches ebenfalls lauten.



"Auf je eigene Weise tanzten alle um die nackte Tatsache herum, dass der Präsident zu wenig wusste, dass er nicht wusste, was er nicht wusste, und das er auch nicht viel wissen wollte, sich aber in seinen persönlichen Gewissheiten gemütlich eingerichtet hatte. Inzwischen gab es allerhand Getuschel und Gekicher darüber, wer Trump was genannt hatte. Steve Mnuchin und Reince Priebus nannten ihn einen „Idioten“, für Gary Cohn war er „dumm wie ein Stück Scheiße“, McMaster bezeichnete ihn als „Pflaume“, die Liste ließe sich fortsetzten." (S. 359)


Es fällt manchmal schwer, solchen Ausführungen zu glauben. Doch der Autor hat sich abgesichert. Der Text sei auf mögliche Verleumdungen hin überprüft, und dann dankt der Autor auch noch im Buch seinen Anwälten. Feuer und Zorn ist ein spannendes Zeitdokument, was viel Sprengstoff beinhaltet und – leider - den Glauben an eine stabile politische Zukunft eher erschüttert.
Ellen Norten - 1. März 2018
ID 10563
Weitere Infos siehe auch: https://www.rowohlt.de/hardcover/michael-wolff-feuer-und-zorn.html


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