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Buchkritik

Erfrischende

Offenheit!

Ferdinand Hardekopf, Bernhard Echte (Hrsg.) | BERLINER BRIEFE


Bewertung:    



„Noch nie hat man solchen Toilettenluxus auf der Friedrichstrasse gehen wie in diesem Frühjahr, [...] , noch nie haben unsere kleinen Confectioneusen mit solcher 'Selbstverständlichkeit' ihr halbes Monatsgehalt für eins dieser entzückenden Costüme hingegeben,… Mich hat selten eine Erscheinung des modernen Lebens mit solcher Freude erfüllt wie diese 'Wendung zur Eleganz'. Und ich glaube, davon, daß es so gekommen ist, daß der gute Geschmack anfängt im Volke zu herrschen und einer lange dominierenden Geschmacklosigkeit so energisch den Krieg zu erklären, davon darf die moderne Kunst ein gut Theil des Verdienstes für sich in Anspruch nehmen.“ schreibt Ferdinand Hardekopf im April 1899 über Berlin in der Eisenacher Tagespost, einer von zwei Tageszeitungen in der Thüringer Provinzstadt.

*

Welch erstaunliches Selbstbewusstsein [s.o.] für einen damals erst 23jährigen!

Wer ist Ferdinand Hardekopf?

Seit den 1980er Jahren ist man diesem Schreiber, der wenige klassische literarische Werke hinterlassen hat, auf der Spur. Hardekopfs Welt war die der Gazetten, wie Hardekopf die Feuilletons der Zeitungen und Zeitschriften genannt hat. Bernhard Echte hat zusammen mit dem Nimbus Verlag 24 von Hardekopfs für die Eisenacher Tagespost verfassten Reisebriefe herausgegeben. Hardekopf beschreibt die Gesellschaft allgemein und detailliert-ausschweifend die literarische Welt Berlins. Er muss nicht unterscheiden in Theater – Kunst und Varieté – bzw. Unterhaltung. Ganz Bohémien interessiert ihn die Subkultur von intellektuellen Randgruppen mit schriftstellerischen, bildkünstlerischen und musikalischen Aktivitäten in meist gegenbürgerlichen Einstellungen. Ganz Bohémien ist er einfach am Genuss interessiert:


„Man darf bei diesen Darbietungen (Varieté) etwas denken, man darf seine Empfindungen voltigiren lassen in tollen Capriccios, und wenn all diese Chansonetten und Soubretten so mühelos graziös, so sylphidenhaft leichtfüßig auf den Brettern einherschweben, die heute vielleicht mehr die Welt bedeuten als die des Theaters, so fühlt man, wie die eigene Schwerkraft, die des Körpers und die des Geistes, aufgehoben wird, man fühlt sich leicht, so frei...“


So farbig und unterhaltsam der Inhalt dieser Texte ist, so geistreich ist die Sprache. Welche Freude an verzwickten Formulierungen, an grammatikalischen Verästelungen und Ausrufezeichen. Hardekopf liebt Berlin, patriotisch sucht er die Verzüge der Stadt und erfreut sich an den Nachteilen der Konkurrenten:


„Es giebt an der Stelle, wo die Elbe sich meerbusenartig erweitert, nur wenig Damen einheimischen Wuchses, die sich geschmackvoll anzuziehen verstehen; man hat für 'Chic' keinen rechten Sinn…“ (Hamburg). „In München ist man nicht elegant; die Mädchen und Frauen haben zum größeren Theile nicht viel Chic und Geschmack, noch viel 'schlampiger' kommt die Herrenwelt einhergegangen.“


Das ist schon harter Tobak, aber mit Verve und solch erfrischend-jugendlichen Überschwang vorgetragen, dass man es dem jungen Schreiberling nicht übel nimmt. Zumindest, wenn man in Berlin lebt. Wie die Hamburger und Münchener das sehen, bleibt abzuwarten.
Steffen Kühn - 21. Februar 2016
ID 9160
Ferdinand Hardekopf, Bernhard Echte (Hrsg.) | Berliner Briefe
Feuilletons 1899-1902

Halbleinen, Fadengebunden m. Lesebändchen
224 Seiten
CHF 29.80 | EUR 28.00
Nimbus. Kunst & Bücher AG, 2015
ISBN 978-3-03850-015-5

http://www.nimbusbooks.ch/buch/berliner-briefe


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de



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