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Es sind die wenigen erfolgreichen Erfinder, deren Namen wir heute kennen. Die große Masse der Tüftler und kühnen Denker ist vergessen, wir wissen nicht, wie viele Menschen neue Ideen entwickelten, die letztlich untergingen. Manche von ihnen bezahlten ihre Experimente sogar mit dem Leben. Gottlieb Daimler und Robert Bosch waren erfolgreich, ihre Namen sind populär.

1834 wird Gottlieb Daimler geboren und ist damit knapp dreißig Jahre älter als Robert Bosch, womit beide nur noch bedingt Zeitgenossen sind. Dennoch haben ihre Errungenschaften u.a. gemeinsam dem Automobil zum Durchbruch verholfen. Geeint in ihrem Charakter haben sie ihr ungebrochener Tüftlergeist und ihre Liebe zur Natur. Doch das wussten die beiden vermutlich nicht einmal, denn sie haben nie miteinander gesprochen und sind sich nur wenige Male flüchtig begegnet.

Dennoch hat Erik Raidt gerade diese beiden Erfinder in seinem Buch gegenübergestellt, was jedoch nur bedingt funktioniert. Er erzählt parallel von dem unermüdlichen Tatendrang der beiden, dem Glauben an die eigene Arbeit. Der war auch nötig, denn der Erfolg stellt sich nur langsam ein. So ist Robert Bosch lange Zeit auf die finanzielle Unterstützung seiner Mutter angewiesen, bis seine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektronik“ in Stuttgart langsam zur Fabrik heranwächst. Gottlieb Daimler eckt mit seinem schwierigen Charakter an. Sein Können ist in der Gasmotorenfabrik Deutz zwar gefragt, doch ständige Streitigkeiten in der Chefetage führen zur Kündigung des Erfinders. Gerade mit Nikolaus August Otto kommt es immer wieder zum Konflikt, die zwei „Alphatiere“ stehen ständig in Konkurrenz. Nur mit einem bleibt Daimler sein Leben lang eng verbunden. Wilhelm Maybach, der als Vollwaise bei Adoptiveltern aufwächst, ist bereit in der zweiten Reihe hinter Gottlieb Daimler zu stehen.


„Dieses Tandem funktioniert aber auch deshalb, weil sich die Fähigkeiten der beiden Männer so gut ergänzen. Auf der einen Seite: Wilhelm Maybach, der Tüftler, der sich stundenlang in technische Vorgänge hineinversenken kann, der unermüdlich und kreativ nach Lösungen sucht. Auf der anderen Seite: Gottlieb Daimler, der Visionär, der Maybach ständig mit seinen Ideen füttert. Ein Mann, der das große Ganze sieht und technische Zusammenhänge durchschaut. Und der in der Lage ist, die Talente seiner Mitarbeiter zusammenzuführen. In diesem Sinne ist Gottlieb Daimler ein Jäger und Sammler von cleveren Ideen – zugleich fürchtet er kaum etwas mehr, als dass ihm der andere seine Ideen streitig machen könnte.“ (S. 134)


So vergällt sich Daimler die Freude an den eigenen Erfolgen. Über deren Inhalte, sprich die technischen Details, erfahren wir wenig. Dadurch lässt sich das Buch zwar für den Laien gut lesen, doch vermisst man fast schon ein paar Orientierungshinweise. Wir hören zwar von einem Magnetzünder, den Robert Bosch in seiner Werkstatt entwickelt, ein Satz wie. „Bosch hat maßgeblich an der Entwicklung der Zündkerze gearbeitet“, würde die Sachen jedoch plausibler und erfahrbarer machen.

Gottlieb Daimler, der im Jahr 1900 stirbt, erlebt den Siegeszug des Automobils nicht mehr. Erik Raidt läßt mit dem Tod Daimlers auch sein Buch enden. Es kommt daher angenehmerweise weder zu einem Lobgesang auf die Automobilindustrie noch generell zu einer Huldigung an die Industrialisierung überhaupt. Sogar die einhergehende Umweltproblematik wird vom Autor zu diesem frühen Zeitpunkt thematisiert.

Doch mit dem von Raidt gezogenen Schlussstrich im Jahr 1900 fällt gleichzeitig auch der große Erfolg in der Firmengeschichte von Robert Bosch im Buch weg. Damit endet die Biografie von Bosch mitten im Leben, was für den Leser unbefriedigend ist und auch ein paar charakterliche Unstimmigkeiten von Robert Bosch nicht mehr erklärt. Warum, so darf man sich nach dem Studium des halben Lebenslaufes fragen, verlässt Bosch nach 40 gemeinsamen Ehejahren seine geliebte Frau Anna, mit der er vier Kindern hat, um ein Jahr später eine Operndiva zu heiraten? Im Buch erleben wir ihn als Naturfreund und Menschenfreund, der sich nur in Wolle kleidet und von der Homöopathie begeistert ist. Steigt ihm sein Erfolg plötzlich zu Kopf? Der Leser erfährt hier nur die Hälfte - über den Menschen Robert Bosch und über seine Forschung, was eigentlich schade ist.

Unglücklich ist auch die Covergestaltung des Buches geraten. Hier stehen Daimler und Bosch Hand in Hand, was weder symbolisch noch konkret in irgendeiner Form zutreffend ist und geradezu kitschig wirkt.


Ellen Norten - 24. Juli 2014
ID 7974
Erik Raidt | Gottlieb Daimler und Robert Bosch
280 S., 20 s/w Abb.
Geb. m. Schutzumschlag
EUR 24,95
Konrad Theiss Verlag, 2014
ISBN 978-3-8062-2900-4


Weitere Infos siehe auch: http://www.theiss.de


Post an Dr. Ellen Norten



 

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