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Buchkritik

Mainzel-

männchen

auf Reisen



Bewertung:    



Viel zu sagen hatten sie nie: „Gud´n Aaabend“ tröten sie seit über 50 Jahren und dann „Werbuuung“. Aber viel reden sollten sie ja auch nicht. Trickreich dazwischengehen, zwischen Werbung und ZDF-Programm, das war und ist ihr Job: die Aufgabe der Mainzelmännchen.

Sie kennen sie alle – auch wenn Sie sich nicht mehr so ganz genau erinnern sollten an Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen. Namen wie nach dem Alphabet. Ihre Charaktere stehen fest. Und deshalb wissen wir ziemlich genau, was das für einer ist, der Conni, das musische Nesthäkchen. Existiert eigentlich keine einzige Mainzelfrau? Nein. Aber jetzt hat sich eine Mainzelmännchen-Mama gefunden: Ellen Norten, Mainzelmännchen-Liebhaberin seit Kindheit, Journalistin und Reiseschriftstellerin.

Sie hat ihren Conni, den Kleinen mit dem grauen Overall, der roten Mütze, dem erhobenen Winkearm und dem umwerfenden Lächeln mitgenommen auf Wege weit weg von Mainz. Und sie hat ihm eine Stimme gegeben, ihn reden lassen. Was dabei herausgekommen ist? Ein etwas anderer Reiseführer. Mit einem Cicerone der besonderen Art: Conni Mainzelmann. Zitat:


„Die Orte in diesem Reisebuch habe ich besucht. Die Begegnungen und Erlebnisse sind manchmal etwas übertrieben und mit meiner überbordenden Fantasie gewürzt, denn es ist eben mein Blick, wie ich die Welt sehe.“ (Aus: Wie ich die Welt sehe)


Man muss die Welt nicht so sehen wie Conni, aber es macht Spaß, sich auf seine Perspektive einzulassen, einen unverstellten, naiven, poetischen und witzigen Blickwinkel von unten, aus der Position eines kleinen Männchens heraus. Das macht manch erhabenes Kulturdenkmal natürlich noch größer als es ohnedies schon ist. Was Conni aber keineswegs einschüchtert, sondern auf eigene Ideen bringt: Einem bronzenen Florentiner Jüngling auf die nach oben gereckte Hand zu klettern, einem kopflosen römischen Torso auf den Hals, einem Paternosterbaum in die Zweige, dem Ätna aufs Schneedach, tief hinein in die herzförmige Spalte eines portugisischen Felsens. Mutig und auf Augenhöhe tritt er einem bedrohlichen Kollegen entgegen, einem Mafioso aus Plastik mit abgesägter Schrotflinte. Zur Erholung schlüpft Conni in winzig kleine, typisch gelbe marokkanische Pantoffeln, zieht einen Turban über seine Mütze, läßt sich von einem richtigen Kamel küssen, findet eine Fossilie in der Wüste, steht einem Meister aus Essaouira Porträt, der ihn formvollendet auf eine Fliese kratzt. Im Sand der verlassen Diamantenmine Kolmannskuppe in Namibia sucht er nach vergessenen Edelsteinen, wird - autsch! - von einem Erdmännchen in die Hand gebissen, schmuggelt sich in ein berühmtes vietnamesisches Schildkröten-Relief und bleibt da rekordverdächtig lange unbemerkt. Die Reise endet in Gelsenkirchen, der vormals hässlichsten Stadt Deutschlands. Ihrer lebendigen Industriekultur kann Conni jedoch viel abgewinnen. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist – das Gute wie „einmal Pommes mit ohne alles“! Oder Knallbonbons und Backsteinexpressionismus.

All das ist fotografisch aufs liebevollste dokumentiert – und mit vielen wissenswerten Einschüben und Exkursen versehen: Connis kleine Länderkunde zu Italien, Spanien, Portugal, Marokko, Namibia, Vietnam und Kambodscha.

Reisen, so lernen wir, ist inzwischen nicht mehr nur Privileg von verzogenen Haustieren. Heute sind alle möglichen Figuren unterwegs - allerdings mit menschlichem Anhang. Den namenlosen Gartenzwerg aus dem Film Die fabelhafte Welt der Amélie kann man leider nicht mehr treffen. Er musste nach Hause zurück, um seine Spießerleben im heimischen Vorgarten fortzusetzen. Das passiert Conni sicher nicht. Ich wünsche ihm und seinen Helferinnen und Helfern noch viele wunderbare Abenteuer – in Gelsenkirchen und dem Rest der Welt.
Petra Herrmann - 8. Mai 2015
ID 8630
Conni Mainzelmann | Wie ich die Welt sehe
Ein ungewöhliches Reisebuch

Verlag p.machinery, Murnau, 2015
224 Seiten (davon 184 in Farbe), 210 x 210 mm
- Hardcover | EUR 36,90
ISBN 978 3 942533 85 0
- Softcover | EUR 27,90
ISBN 978 3 942533 84 3
- Softcover in s/w (nur via CreateSpace/Amazon, amazon.de etc., nicht beim Verlag) | EUR 14,90
ISBN 978 3 942533 86 7


Weitere Infos siehe auch: http://www.pmachinery.de/unsere-bucher/erlebniswelten-welten-erleben/mainzelmann-conni-wie-ich-die-welt-sehe


Unsere Gastautorin Petra Herrmann ist Redakteurin im Bayerischen Rundfunk, radioWissen, zuständig für Literatur und Musik. Daneben schreibt sie für die Glossenserie "Ende der Welt" und ist als Moderatorin für Wissenssendungen in BR-alpha tätig (Wissenschaftsthemen). Sie mag es, wenn was auch mal ein wenig schräg daherkommt. In ihrer Freizeit beglückt sie sich und ein paar Fans als Sonntagsmalerin.



 

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