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Krimi

Frauenmord

in Laos



Bewertung:    



Dr. Siri Paiboun ist Pathologe in Vientiane und im Jahr 1978 der einzige in Laos, der diesem Beruf nachgeht. Doch nicht nur das macht ihn zu einer besonderen Erscheinung. Siri hat in Frankreich studiert und mit 73 Jahren gerade zum zweiten Mal geheiratet. Er ist neugierig, erfrischend humorvoll und naturwissenschaftlich interessiert. Trotzdem spielen in seinem Leben Geister eine Rolle.


„In seinem Körper beherbergte er, wenn auch eher unfreiwillig, den Geist eines tausend Jahre alten Schamanen namens Yeh Ming. Es war wie eine Gallenblaseninfektion, nur an der Seele. Und die ließ sich nun einmal nicht operativ entfernen. Der Geist, den man ihm aufgebürdet hatte, er wurde ihn nicht wieder los, und das Zusammenleben mit seinem Vorfahr war eine Kunst, die er nach wie vor nur mangelhaft beherrschte.“ (Colin Cotterill, Grabgesang für Dr. Siri, S. 57)


Dieser liebenswürdige Romanheld meistert nun seinen siebten Fall. Gemeinsam mit Inspektor Phosy versucht er drei mysteriöse Frauenmorde aufzuklären. Die Tatwaffe ist jedes Mal ein Degen, ein Epée (wie es beim Fechten heißt). Dieses ungewöhnliche Mordwerkzeug dürfte den allermeisten Menschen im Laos der siebziger Jahre völlig unbekannt sein.

Auch die Ermittlungen dort lassen sich nicht mit den bekannten Vorgehensweisen in herkömmlichen Krimis vergleichen. Laos hat gerade eine sozialistische Revolution hinter sich, und die Menschen dort unterliegen besonderen Gesetzen, um nicht zu sagen Zwängen. Dennoch nähert sich Siri mit Logik, Neugier und Engagement der Aufklärung der Morde.

Irritierend kommen dazwischen die Kapitel in kursiver Schreibweise daher, die einem die Kehle zuschnüren und die nur schwer zu ertragen sind. Eine zweite Geschichte durchwebt die Handlung. 1978 ist auch der Höhepunkt der Herrschaft der Roten Khmer im Nachbarland Kambodscha, in das der unbedarfte Dr. Siri zu einem Kurzbesuch aufbricht. Hier weicht die Heiterkeit aus dem Roman, um den schrecklichen Zuständen dort Raum zu geben.


„Ich frage mich, wie viel Zeit diesen toten Seelen für die Suche nach der Wahrheit bleibt und ob sie die Wahrheit verstehen werden, wenn sie sie gefunden haben. Ich frage den Mönch nicht, wie er hierhergekommen ist, denn im Grunde weiß ich die Antwort längst. Die Schergen wenden sich gegen ihresgleichen. Die Bestie hat begonnen, sich selbst zu verschlingen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis von ihr nichts mehr übrig ist.“ (S. 339)


Zunächst hinterlässt diese zweite Handlung Verstörung, doch dann gewinnt die beklemmende Beschreibung der Roten Khmer- Diktatur mehr und mehr an Bedeutung. Der Autor Colin Cotterill, der selbst lange in Laos lebte, schickt den Leser auf eine Zeitreise durch zwei südost-asiatische Länder und verleiht seinem Buch damit unvorhersehbaren Tiefgang. Dazu werden die drei Morde logisch und nicht vorhersehbar gelöst. Grabgesang für Dr. Siri ist ein ungewöhnliches Buch und ein lesenswerter Krimi.
Ellen Norten - 19. Dezember 2014
ID 8331
Colin Cotterill | Grabgesang für Dr. Siri
381 S.
Gebunden EUR 17,99
eBook EUR 13,99
Manhattan, Wilhelm Goldmann Verlag, München
Verlagsgruppe Random House GmbH, 2014
ISBN 978-3-442-54738-8


Weitere Infos siehe auch: http://www.randomhouse.de/Buch/Grabgesang-fuer-Dr-Siri-Dr-Siri-ermittelt-7-Kriminalroman/Colin-Cotterill/e446380.rhd


Post an Dr. Ellen Norten



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