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Buchkritik

Gefährliche

Insel



Bewertung:    



Was tun, wenn der bequeme Alltag zur Last wird, wenn Ehe und Gesellschaft zu Langeweile, gar Qual entarten? Der Arzt Carlo Ritter aus Deutschland hat einen neuen Lebensentwurf entwickelt. 1929 begibt er sich auf eine Reise ohne Widerkehr. Die Insel Floreana, die zum Galapagos Archipel im Stillen Ozean gehört, ist das Ziel seiner Träume. Das von Menschen unbewohnte Eiland soll ihm ein völlig neues Leben ermöglichen, im Computerzeitalter könnte man seinen Aufbruch mit dem Drücken des Reset-Knopfes beim Computer vergleichen.

Alles ist neu, die Natur; Tier- und Pflanzenwelt, die Temperaturen – das Meer. Doch nichts ist so, wie Carlo dies erwartet hätte. Wilde Tiere fressen seine Lebensmittelvorräte, die Suche nach Trinkwasser erscheint aussichtslos, lediglich Regenwasser kann den Durst des Abenteurers stillen. Dazu kommt die Einsamkeit, deren Empfinden Ritter nicht erwartet hätte und die er mit einer Echse zu vertreiben sucht.



"Sie lässt sich jetzt von ihm anfassen, ohne sich zurückzuziehen. Wärmend, dieses Vertrauen. Und ihre Haut ist trocken und dunkel und alt, genau wie sie selbst. Mein Mädchen, sagt er, während er seine eigene Hand über sie hinweggleiten sieht, bleich im Vergleich, weich im Vergleich. Mein Mädchen. Hier gibt es keine Regeln. Er ist der einzige Mensch. Und er bekommt nicht genug davon, ihren langen, sich wölbenden, gezackten Körper zu betrachten, der aussieht wie ein eigener Kontinent aus dunkler, vulkanischer Landschaft, wie die Innenseite der Erde selbst, umgekehrte Berge auf ewig spröder Haut. Eines Tages, weiß er, wird er dieses ganze Muster auswendig können." (Ida Hegazi Høyer, Das schwarze Paradies, S. 63)


Dann wirbeln zwei Neuankömmlinge das Inselleben durcheinander, gefolgt von einer sogenannten Baronin, die mit ihren Liebhabern für weiteren Aufruhr sorgt. Wem die Geschichte zu konstruiert erscheint, der sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich der Roman an der sogenannten Galapagos-Affäre orientiert, bei der 1934 zwei Menschen starben und zwei weitere bis heute vermisst werden. Das Buch folgt grob den Fakten dieser wahren Begebenheit, orientiert sich an Zeitungsberichten und Aufzeichnungen, die es zu dieser Geschichte gibt. Allerdings entwickelt die Autorin die Inhalte aus eigener Perspektive weiter, die Charaktere und Handlungen der skurrilen Bewohner sind die Früchte ihres literarischen Ausdrucks.

Trostlos wird es, wenn menschliche Gefühle nicht mehr funktionieren, wenn Mutterliebe durch das Wachen eines Hundes ersetzt wird, wenn Ehepartner sich nichts mehr zu sagen haben und wenn eine selbsternannte Gräfin die Insel für ihren lebensgefährlichen Klamauk missbraucht. Das Buch ist weder spannend, noch macht es neugierig. Die Personen schrecken ab, sie sind unsympathisch, ihr Verhalten nur wenig nachvollziehbar.

„Nur Weg von dieser Insel“ wäre mein einziger Gedanke als Beteiligte bei diesem Abenteuer gewesen, doch als Leserin harre ich bei diesen Menschen aus, bis sie ihre Probleme untereinander lösen.

Es ist eine Robinson Crusoe Geschichte der düsteren Art, eine Story für Galapagos-Interessierte, für Tier- und Pflanzenliebhaber und die Leser, die das Ungewöhnliche mögen.

Ellen Norten - 5. Oktober 2017
ID 10297
Buch-Link: http://www.residenzverlag.at/?m=30&o=2&id_title=1877


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