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Nachhallende Melancholie angesichts der Vergänglichkeit





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Es ist ein bisschen ruhig geworden um die Berliner Schriftstellerin Judith Hermann. Mit ihrer Art des Schreibens lakonischer, handlungsarmer Kurzgeschichten und ihrem literarischen Erzähldebüt Sommerhaus, später (1998) fand sie Ende der 1990er große Beachtung, prägte das Etikett des "literarischen Fräuleinwunders" und beeinflusste eine ganze Autorengeneration. Stimmungsvolle, detailreiche Beobachtungen machten ihren Debütroman Aller Liebe Anfang (2014) noch zu einem sinnlichen Erlebnis.

Ihr jüngster Erzählband Lettipark (2016) versammelt siebzehn kurze, fein beobachtete Erzählungen. Thematisiert werden Freundschaften, Trennungen und Verlust, der Kinderwunsch und Einsamkeit. Sehnsüchte begleiten die Charaktere, meist Menschen in den besten Jahren, durch ihren Alltag. Intime Schicksale eröffnen sich oft über Alltagsbeobachtungen der Figuren. In der Vergangenheit erfahrene Verluste werden durch plötzliche Begegnungen in der Gegenwart wieder lebendig. Die Geschichten beginnen stets unvermittelt, verweisen meist auf etwas Vergangenes und geben ihre Pointe schlussendlich nicht allzu deutlich preis.

Schon die Charaktere werden oft als gleichgültig, teilnahmslos und schwer deutbar beschrieben, so liefert die Autorin etwa in Träume eine geradezu klischeehafte Darstellung eines Psychoanalytikers, der die beiden Hauptfiguren der Erzählung therapiert:


„Doktor Gupta ist ein zurückhaltender, beinahe passiver Mann. Er lässt beinahe alle Fragen unbeantwortet, er lässt beinahe alle Fragen offen, so als wäre er der Meinung, es gäbe auf beinahe keine Frage eine gültige Antwort und für keine Entscheidung einen triftigen Grund. Er glaubt anscheinend nicht, dass man irgendetwas zu Ende denken könnte, er nimmt möglicherweise an, hinter jeder Erkenntnis tauche ohnehin eine neue Schwierigkeit auf.“ (S. 138)


Wie die Protagonistin Teresa in Träume ihren Therapeuten schwer zu deuten weiß, überlässt Hermann auch den Leser geflissentlich einen „Dickicht aus Mutmaßungen“, wo sich möglicherweise inhaltlich etwas verbergen könnte, das das erzählte Geschehen abrunden dürfte. Es ergeben sich gegen Ende der Erzählungen oft Fragen zu den Figuren. Ein stetiger Nachhall von Melancholie und Schwermut lässt die Gefühlswelt der Charaktere und den Sound der Geschichten leider etwas begrenzt erscheinen. Vieles bleibt unausgesprochen und als Leser tastet man so meist im Ungefähren. Man ertappt sich dabei, anschließend über das gerade Gelesene noch einmal nachzugrübeln. Als Leser wird man so zunächst in eine stimmungsvolle Ausgangssituation hineingeführt und in eine hintergründige Erzählung mitgenommen, um von der Erzählinstanz sodann meistens schon nach zehn Seiten unvermittelt stehen gelassen zu werden. Dies erzeugt im Lektüreverlauf immer mehr Unmut.


Ansgar Skoda - 28. Januar 2018
ID 10496
Link zum Buch:
https://www.fischerverlage.de/buch/lettipark/9783100024930


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