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Ein Jahr
im Zeichen
von Worpswede
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Bewertung:
Ein wechselhaftes Klima, dramatische Wolkenhimmel und die ungezähmte Weite der Moorlandschaft: Was einst die Gründerväter der Künstlerkolonie anzog und inspirierte, entfaltet im 55 x 46 cm großformatigen Kalender Worpsweder Landschaften 2027 eine melancholische Schönheit, der man sich kaum entziehen kann. Im Zuge der Pleinairmalerei arbeiteten die Worpsweder Künstler am liebsten unter freiem Himmel, um die flüchtigen Naturstimmungen des Moores in ihrer unmittelbaren Echtheit direkt auf der Leinwand zu verewigen. Die am Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Künstlerkolonie Worpswede im niedersächsischen Teufelsmoor gilt als Deutschlands wohl bekannteste Künstlergemeinschaft, deren Werke der Landschaftsmalerei und des frühen Expressionismus die deutsche Kunstgeschichte prägten.
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In seinen stimmungsvollen Landschaftsbildern Birken in Worpswede und In den Wiesen II hält Fritz Overbeck die unberührte, weite Natur Norddeutschlands fest, indem er das Wechselspiel aus markanten, hellen Baumstämmen, tiefen Wassergräben und ausgedehnten Wiesenflächen unter einem atmosphärischen Himmel inszeniert. Seine Ölgemälde zählen zu den Höhepunkten des Kalenders.
Für den Februar bildet der Kalender das expressionistisch angehauchte Gemälde Landschaft mit Windmühle von Carl Vinnen ab. Der Worpsweder Mitbegründer fängt hier die atmosphärische Stimmung des norddeutschen Flachlandes ein, indem er die charakteristische Silhouette einer Windmühle als markanten Blickfang in einer vom Licht durchfluteten Naturkulisse präsentiert.
In seinem um 1900 entstandenen, lichtdurchfluteten Meisterwerk Frühling in Worpswede visualisiert Hans am Ende das Erwachen der Natur am Teufelsmoor, indem er blühende Bäume, eine Reihe von Birken und ein idyllisches Bauernhaus im impressionistischen Stil zu einer harmonischen, lebensfrohen Frühlingsidylle verschmilzt.
Während Heinrich Vogelers Werk Am Rand der Heide (Weidelandschaft II) die weite Natur in den typischen, gedämpften Farben des Jugendstils einfängt und dabei durch die intensiv violett erblühte Heidelandschaft besticht, feiert das intimere Gartenbild Weißer Phlox die kultivierte, weiße Blütenpracht direkt an der schützenden Hauswand seines berühmten Barkenhoffs.
Das im Mai dargebotene postimpressionistische Gemälde Rotes Haus mit Birke ist leider das einzige im Kalender abgedruckte Gemälde von der wohl bekanntesten Künstlerin Worpswedes: Paula Modersohn-Becker fängt hier die ländliche Idylle Worpswedes ein, indem sie den farblichen Kontrast zwischen dem namensgebenden Ziegelbau und dem davor aufragenden Stamm einer weißen Birke durch stark vereinfachte Formen und einen pastosen Farbauftrag radikal modern inszeniert.
In seinen stimmungsvollen Landschaftsbildern Sommerliche Wümmewiesen, Sonniger Herbsttag und Heuernte im Moor stellt Otto Modersohn, Ehemann der jung verstorbenen Paula, den steten Wandel der Jahreszeiten und des ländlichen Lebens im Teufelsmoor dar, indem er das charakteristische, warme Licht und die weiten Naturräume Norddeutschlands in harmonischen Farbtönen souverän komponiert.
In seinem realistischen Gemälde Torfkähne auf der Hamme greift der Koloniegründer Fritz Mackensen das entbehrungsreiche Arbeitsleben im Teufelsmoor auf, indem er die charakteristischen, dunklen Segelboote der Moorbauern als kraftvolle Symbole der regionalen Identität auf der ruhig dahinfließenden Hamme wiedergibt.
Im Dezember-Motiv, dem impressionistisch geprägten Winterbild Worpsweder Kirche im Schnee hält Walter Bertelsmann die idyllische Stille des Dorfs im Teufelsmoor fest, indem er den Blick durch verschneite, filigrane Bäume auf die markante Silhouette der Zionskirche lenkt.
Viele der Darstellungen reduzieren eine schroffe oder liebliche Natur instinktsicher auf das Wesentliche. Fast menschenleere Orte erscheinen friedlich und vom Wind leicht bewegt. Licht und Schatten legen sich spielerisch über Panoramen und flüchtige Stimmungen, die geradezu meditativ anmuten.
Ansgar Skoda - 22. Oktober 2026 ID 16109
Weingarten-Link zu den
Worpsweder Landschaften 2027
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