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Rezension

Edward Lewis Wallant - Mr Moonbloom

Roman
Berlin Verlag, 2012
ISBN 978-3827009746



Haus der Geschichten

Norman Moonbloom verwaltet für seinen Bruder mehrere Mehrparteienhäuser in Manhattan. Das ist für ihn, der sich durch sämtliche Studiengänge an der Universität studiert hat, nicht gerade ein Traumjob. Dennoch zieht er regelmäßig los, um die fälligen Mieten einzutreiben. Doch nie ist genug Geld vorhanden und immer ist irgendwo etwas defekt. Zu diesem Gejammer kommt obendrein, dass die Mieter Moonbloom ständig mit Privatangelegenheiten behelligen.

"Tja, es wird wohl an diesem Blick liegen, den Sie haben: Ihre Augen sind ausgehungert. Schauen Sie je in den Spiegel? Es ist etwas masochistisch Einladendes in Ihren Waschbärenaugen. 'Iss mich'. Steht drauf, wie auf dem kleinen Kuchen aus Alice im Wunderland." (S. 183/184)

Als der Verwalter eines Winterabends von einem fieberähnlichen Wahn heimgesucht wird, verändert sich etwas in ihm. Aus Resignation wird Wut, aus Wut wird Tatendrang. Doch was passiert, wenn alles getan, alle Löcher gestopft, Lampen repariert und Rohre freigemacht sind?

Doch Mr Moonbloom erzählt nicht nur von Norman Moonblooms Sinnkrise und Sinneswandel, der Roman zeichnet ebenso ein Abbild New Yorks in den 1960er Jahren. Durch die Augen Moonblooms erfährt der Leser von Schicksalen, die scheinbar unterschiedlicher nicht sein könnten. In der enge der Mithäuser wohnen sie alle Tür an Tür, lediglich getrennt von hellhörigen Wänden: Ausschwitz-Überlebende, alternde Mannequins, Homosexuelle, Schwarze , ewige Junggesellen und alteingesessene Ehepaare. Trotzdem haben sie eins gemein:

"All die Menschen in seinen Häusern führten ein Leben am Rand unerträglicher Abgründe, an Orten mit Blick auf Gewaltiges, Ungeheuerliches." (S. 213)

In seinem dritten Roman, dessen Erstveröffentlichung im Jahr 1963 er nicht mehr erleben sollte, greift Edward Lews Wallant den Topos der Anonymität der Großstadt auf und schafft einen eigenen Mikrokosmos von Geschichten, die diesen zur selben Zeit bestätigen als auch widerlegen. Somit war es längst überfällig, dass dieser Roman, zweifelsohne mit Potential zum Klassiker der Großstadtliteratur, im Oktober 2012 erstmals in deutscher Übersetzung erschien.


Lisa Krawczyk - 13. Dezember 2012
ID 6437
Edward Lewis Wallant: Mr Moonbloom
Aus dem Amerikanischen von Barbara Schaden
Berlin Verlag, Oktober 2012
320 Seiten, gebunden
22,99 [D] | 32,70 [A]
ISBN: 978-3827009746



Siehe auch:
http://www.berlinverlag.de


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