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Rezension

Martin Suter - Die Zeit, die Zeit

Roman
Diogenes 2012
ISBN 978-3257068306



Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Peter Taler, einst mit Ambitionen zum Schauspieler und nun mit langweiligem Bürojob, und Albert Knupp, sein leicht vergreister Nachbar von Gegenüber, haben eins gemeinsam: Beide haben ihre Frauen verloren und fühlen sich schuldig deswegen. Während Taler versucht, den Mörder seiner Frau zu stellen, bemerkt er, dass beim Nachbarn im Garten etwas nicht stimmt, dass seine Veränderungen im Vorgarten die einfache Gartenumgestaltung überschreiten. Es braucht einige Zeit, bis Taler den Hintergründen auf die Schliche kommt. Dabei findet er heraus, dass Knupp ein sogenannter Kerbelianer ist – ein Mensch, der das Konzept der Zeit verneint:

„Es gibt nur ein Indiz dafür, dass die Zeit vergeht: die Veränderung. Die Zeit ist wie eine Krankheit. Man erkennt sie nur an ihren Symptomen. Wenn die weg sind, dann ist auch die Krankheit weg.“ (S. 59)

Knupp hat für den Tag der ‚Genesung‘ den 11. Oktober angesetzt. Dann soll alles im Haus sowie auf der Straße wieder genauso aussehen, wie es vor zwanzig Jahren war. So will der Witwer sich mit seiner Frau wiedervereinen. Knupp macht Taler fortan zu seinem Komplizen, denn dass der betagte Mann mehr über den Tod seiner Frau weiß, ist Taler schnell klar. Schnell entwickelt sich das Vorhaben, die Nicht-Existenz der Zeit zu beweisen, zum Wettlauf gegen ebenjene.

Martin Suter hat es mit diesem Roman wieder einmal geschafft, eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Ähnlich wie beim Kriminalroman begibt sich der Leser auf Spurensuche nach einem Mörder, doch gleichzeitig werden philosophische Fragen aufgeworfen – nicht nur nach dem Konzept der Zeit, sondern auch nach Schicksal, Vergänglichkeit und Moral. Dabei steuert der Roman in ansteigendem Tempo auf eine Pointe zu, die nicht nur die temporale Dimension zerbersten lässt.

In Interviews ist derzeit zu lesen, Suter arbeite in seinem aktuellen Roman den tragischen Tod seines eigenen Sohnes auf. Dem Thema des Verlustes und der Ohnmacht diesem gegenüber wird sich jedoch nicht von einer persönlichen Seite her gewidmet. Vielmehr hat Suter wieder einmal einen Protagonisten erschaffen, der nicht hätte stinknormaler sein können. Dies macht ihn jedoch nicht zu einer leeren Hülle, im Gegenteil - die Tatsache, dass so ein unaussprechlich schreckliches Ereignes potentiell jedem zustoßen könnte, verleiht der Geschichte ein beklemmendes Gefühl, ganz ungekünstelt und frei von falschem Mitleid. Die Zeit, die Zeit ist kein Buch zur Selbsthilfe, regt aber dennoch dazu an, in sich zu gehen. Wer hat sich schließlich noch nie gewünscht, etwas rückgängig machen zu können, die Zeit einfach zurückzudrehen?

Suters Roman ist sicherlich eine der aufsehenerregendsten Neuerscheinungen des Herbstes. Der mediale Wirbel wird nicht zu Unrecht veranstaltet, denn Die Zeit, die Zeit beweist auf ein Neues, dass der Schweizer einer der profiliertesten deutschsprachigen Gegenwartsautoren ist.


Lisa Krawczyk - 14. September 2012 (2)
ID 00000006211
Martin Suter, Die Zeit, die Zeit
Diogenes Verlag, August 2012
304 Seiten
Gebunden
€ 21.90 [D], € 22.60 [A], sFr 29.90
ISBN: 978-3257068306



Siehe auch:
http://www.diogenes.ch


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