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Rezension

Stefan Kalbers - Flecken

Kurzgeschichten
Unsichtbar Verlag 2012
ISBN 978-3942920100



Abrechnung mit der weißen Weste

Ein Zugfahrer, der gerne Leute überfährt … Eltern, verurteilt wegen „Zeugung aus niederen Beweggründen“ … ein vom Arbeitsamt gesponserter Musiker mit Alkoholismus und Groupie-Sex als Pflichtaufgabe … die Begegnung eines Psychologen mit einem Affenmenschen … ein junger Mann der wächst und wächst und wächst. Dies sind nur die Grundzüge von ein paar der Szenarien, die Stefan Kalbers in seiner Sammlung von Kurzgeschichten nachzeichnet.

Diese haben dystopischen Charakter, sind hin und wieder gespickt mit nahezu fantastischen Zügen, häufig jedoch dominiert von bitterbösem Sarkasmus. Sie bereiten ein unbequemes Gefühl in der Magengegend, denn letztlich sprechen sie nämlich trotz ihres teilweise hohen Grades an Skurrilität Probleme an, die gar nicht so fremd sind. Denn wer hat noch nie die Augen geschlossen oder den Kopf weggedreht, wenn es unangenehm wurde? Kalbers erhebt zwar nicht den belehrenden Zeigefinger, rechnet dafür schonungslos ab mit der Idee einer weißen Weste und zeigt, dass sich manche Flecken darauf selbst nicht mit Vorbehandlung rauswaschen lassen würden. Das menschliche Dasein wird aufs Wesentliche reduziert, wie eine seiner Figuren zusammenfasst:

„Leben uns verdrängen, schlafen und vergessen, sich erinnern und sterben. Die einzige Konstante bleibt beständige Umwälzung. Im Inneren, wie im Äußeren.“ (S. 121)

Für diese Umwälzung könnten Kalbers‘ Geschichten erster Anstoßpunkt sein. Denn selbst wenn man die einzelnen Geschichten hintereinander weg liest, büßen sie nichts von ihrer Individualität ein. Zumindest einzelne Figuren oder Knackpunkte bleiben wie fiese Ölflecken als dunkler Film im Hinterkopf haften. Auch in dieser Hinsicht macht die Kurzgeschichtensammlung ihrem Titel alle Ehre.

„Jetzt mal ganz ehrlich: Kann dich überhaupt noch irgendwas schockieren? […] Hältst du dich nicht auch für einen aufgeklärten Zeitgenossen?“ (S. 7/11)

Diese Fragen richtet Kalber in seinem Vorwort an den Leser. Der sollte die beiden zunächst lieber für sich im Stillen beantworten – und nach der Lektüre von Flecken seine Antworten revidieren.


Lisa Krawczyk - 12. Dezember 2012 (2)
ID 6435
Stefan Kalbers: Flecken
Unsichtbar Verlag, 2012
192 Seiten
Broschiert
€ 9,99
ISBN: 978-3942920100



Siehe auch:
http://www.unsichtbar-verlag.de


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