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Rezension

Sabine Peters - Narrengarten

Roman
Wallstein Verlag, 2013
ISBN 978-3-8353-1345-3



Jedem Narren seine Kappe


Eitelkeit kommt ohne Spiegel nicht aus. Eine Gesellschaft ebenso wenig. Eitle Menschen brauchen den Spiegel zur Bestätigung ihrer Eitelkeit. Die Gesellschaft braucht den Spiegel, um zu erfahren, wie moralisch sie aufgestellt ist. Sabine Peters hält im Narrengarten der Gesellschaft den Spiegel direkt vor das Gesicht.

Ihr Roman spielt im Hamburg. Nach einigen Jahren in Ostfriesland lebt sie seit 2004 dort wieder. Kein Wunder also, dass ihr Buch einen regionalen Bezug hat, sie die Menschen der Stadt liebevoll porträtiert, wenn auch fiktional: einen Ehemann mit nächtlichen Albträumen, eine gestresste Pharmavertreterin, einen verliebten Rechtsanwalt, eine Alte mit dem Kopf voll Erinnerungen oder einen Museumsbesucher, der vor Bildern auf die Knie fallen will.


Jedermann ist ein Narr


Schräge Vögel und brave Bürger bevölkern diesem Roman, in dem Großstadt und familiäres Zusammenleben, Jung und Alt, Leben in der Mitte der Gesellschaft und am Rande der Armut erzählerisch zusammenfinden.

Der Roman besteht aus bunten und nicht selten komischen Geschichten. In 26 Kapiteln werden sie zu einem großen Gespräch zusammengeführt. Die Verbindungen sind so vielseitig wie die sie betreffenden Figuren. Manche arbeiten miteinander, kümmern sich umeinander, sind befreundet, verwandt oder verliebt. Andere kennen sich nur über mehrere Ecken, begegnen sich unbekannterweise und teilen den Moment einer kleinen Alltäglichkeit. So tritt der Obdachlose Fritz, eine kurzweilige Begegnung Gerlindes aus der Bibliothek, in der ersten Erzählung als Hauptfigur auf. Fritz wiederum sitzt neben Christa auf einer Bank - eine alte Freundin des Pflegers Bernd.

Ein weiteres Kapitel widmet sich Sonja und ihren Kindern Paul und Moira. Während das Töchterchen Moira auf einem Reiterhof ohne Heimweh eine Schulwoche verbringt, will Paul unterhalten werden. Doch in Gedanken beschäftigt sich die Mutter mit ihrer Suche nach dem "perfekten Mann".  

Sonja wiederum besucht Mareike Baumgarten. In der Gemeinschaftspraxis Baumgarten und Stübben für Psychotherapie und Analyse wollen die beiden Frauen Sonjas starke Minderwertigkeitsgefühle auf neue, positive Handlungsebenen lenken.

Zwei weitere Kapitel beschäftigen sich mit einem angehenden Schulabgänger und einem Musiker. Der Schüler schiebt seine Abschlussarbeit vor sich her und freut sich auf jenen Tag, an dem er das Narrenhaus Schule endlich verlassen kann. Der Musiker hingegen wird von seiner Umwelt für närrisch gehalten, weil er versucht, Musikstücke von Bach rückwärts zu pfeifen.


Fazit


Sabine Peters webt im Narrengarten einen ungemein vielfältigen und welthaltigen Erzählteppich, sie entwirft scharfe individuelle Konturen und hat einen ausgeprägten Sinn für das Kleine, Versehrte. Mit großer Leichtigkeit und gleichzeitig immenser Tiefe beschreibt sie ihre Figuren und deren Begegnungen und Gespräche. Beinahe beiläufig lässt sie dabei ein vielschichtiges Bild unserer Gesellschaft entstehen.


Mario Bartsch – 1. August 2013
ID 7013
Sabine Peters - Narrengarten
238 Seiten,
Wallstein Verlag, 2013
€ 19,90 (D) | € 20,50 (A) | SFr 27,90
ISBN: 978-3-8353-1345-3



Siehe auch:
http://www.wallstein-verlag.de/9783835313453-sabine-peters-narrengarten.html


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