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Rezension

Paul Auster - "Sunset Park"

Roman
Rowohlt 2012
ISBN 978-3498000820



Eine ganz persönliche Krise globalen Ausmaßes

Immer nah am Puls der Zeit – so kennt man Paul Auster. Auch sein aktueller Roman, der bereits 2010 im amerikanischen Original erschien und nun im Rowohlt Verlag in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde, zeichnet sich durch ebenjene Brisanz aus. Sunset Park ist Austers Kommentar zur Weltwirtschaftskrise, doch anstatt der ‚großen Fische‘ ist der Roman einem kleinen Kreis eher unscheinbaren Menschen gewidmet, die dennoch ein Zeichen setzen wollen: Um sich aus ihrer finanziellen Notsituation zu helfen, besetzen sie ein Haus. Dahinter stecken weniger ideelle Werte oder die Absicht, dem mächtigen Staat den Mittelfinger zu zeigen, als das einfache, menschliche Bedürfnis, sich selber zu helfen. Der Initiator Bing Nathan versucht, durch das Einsparen der Mietkosten seine ‚Klinik für kaputte Dinge‘ zu halten, Alice möchte endlich in Ruhe ihre Doktorarbeit fertig stellen, Ellen will aus ihrem Maklerjob, für den sie alles andere als geeignet ist, ausbrechen und sich der Kunst widmen. Und dann ist da noch Miles Heller, Sohn eines renommierten Verlegers und einer Schauspielerin, der eher mit persönlichen Dämonen als mit Geldsorgen zu kämpfen hat…

Auster erzählt nicht nur eine von sicherlich unzähligen möglichen Geschichten hinter der anonymen Fassade der Weltwirtschaftskrise, er schildert auch eine bewegende Familiengeschichte, in der Fragen von Schuld und Sühne die Kluft zwischen Kind und Eltern ausfüllen. Einst haben Miles Schuldgefühle aus New York getrieben, doch nach sieben Jahren ohne Kontakt zu seiner Familie kehrt er in die Stadt zurück, was jedoch nicht das Ende seiner Flucht vor der Verantwortung und vor sich selber markiert. Letztendlich versucht er dennoch, reinen Tisch zu machen und einen Neuanfang zu wagen. Dass weder dies noch die Hausbesetzung ohne Turbulenzen von statten gehen können, merken alle Beteiligten eher als ihnen lieb ist.

In Sunset Park wird der Weltwirtschaftskrise, die von gesichtslosen Geschäftsmännern verantwortet wurde und von einer ebenso gesichtslosen Masse ausgebadet wird, ein individuelles Gesicht gegeben. Obwohl die fiktiven Charaktere nur beispielhafte Schicksale darstellen, wird durch eine gewagte, aber dennoch plausible Parallele zu den Heimkehrern des Zweiten Weltkrieges eine Allgemeingültigkeit impliziert. Denn Die besten Jahre unseres Lebens, der Film, über den Alice ihre Dissertation schreibt, beschäftigt auch die anderen und zieht sich so wie ein roter Faden durch den Roman. Dabei geht es um das Weitermachen, darum, wie man trotz und mit seinen Versehrungen wieder in den Alltag zurückkehren kann. Natürlich ist die Weltwirtschaftskrise kein Krieg; der angedeutete Vergleich zu diesem Film wirft vielmehr eine Generationenfrage auf: Was können wir heute von unserer elterlichen bzw. großelterlichen Generation lernen? Kann ihr Vorbild uns helfen, unser Leben trotz der scheinbar lebenswidrigen Umstände zu meistern? Geht es uns wirklich so schlecht? Was ist wirklich wichtig im Leben? Austers Roman gibt Denkanstöße, um diese und weitere Fragen zu beantworten. Dabei steht eines aber fest: Totschweigen darf man nichts. Und Sunset Park ist einer der ersten und aussichtsvollen Versuche, sich dem Thema der Weltwirtschaftskrise zu nähern, während es gegenwärtig ist.

Lisa Krawczyk - 21. August 2012 (2)
ID 00000006156
Paul Auster, Sunset Park
Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Rowohlt Verlag 2012
320 S.
19,95 € (D), 20,60 € (A)
ISBN: 978-3498000820



Siehe auch:
http://www.rowohlt.de


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