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Rezension

Klaus Siewert / Jochen P. Becker (Hrsg.) | Mit Sprache über Sprache

Beiträge zum Landschreiber-Wettbewerb Leipzig 2013
Verlag auf der Warft im Geheimsprachenverlag, 2013
ISBN 9783939211600



Reflexion über Sprache

Im November 2012 ist erstmals ein neuer Sprach- und Literaturpreis ausgeschrieben worden, der sogenannte Landschreiber-Wettbewerb. Erdacht und eingerichtet wurde er von dem Hochschullehrer, Autor und Verleger Klaus Siewert. Der international bekannte Linguist – Autor von 35 Werken zur deutschen Sprache, zu Geheimsprachen und zur außersprachlichen Kommunikation – ist Mitglied im Gesamtvorstand der Gesellschaft für deutsche Sprache und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Sondersprachenforschung.

Erster Träger des Wettbewerbs und des mit ihm verbundenen Sprach- und Literaturpreises sind die Gesellschaft für deutsche Sprache / Zweig Münsterland und der Verlag auf der Warft.

Das zentrale Thema des Wettbewerbs ist – nach einer Mitteilung des Geheimsprachenverlags (http://www.adw-verlag.de) – die deutsche Sprache als Metasprache und Objektsprache. Es soll zur Reflexion über Sprache angeregt werden, Wesensmerkmale sowie Grenzen und Möglichkeiten von Sprache sollen bewusst gemacht und eine daraus resultierende besondere literarische Kultur geschaffen werden. Weitere Anliegen sind das Auffinden und die Förderung junger, noch unbekannter literarischer Begabungen.

Gesucht werden Autorinnen und Autoren, die sprachspielerisch, sprachkritisch, satirisch, phantastisch, reflexiv oder einfach deskriptiv zum Thema Sprache schreiben wollen. Das Spektrum der Textsorten ist dabei weit gespannt: Ob Lyrik oder Prosa, einerlei, Hauptsache, es geht um Sprache. Und damit ist nicht nur Hochdeutsch gemeint. Es kann also auch um Mundarten, Umgangssprachen, Fachsprachen, Geheimsprachen, Kunstsprachen, Sprichwörter, Wendungen oder einzelne Wörter gehen.

Die ausgelobten Preise für die Gewinner des Wettbewerbs waren und sind ausgesprochen attraktiv: Der 1. Preis: Eine Woche Schreiburlaub in einem romantischen Kamin-Häuschen am Meer im Nordseeheilbad Neuharlingersiel; 1. - 12. Preis: Lesung auf der Frankfurter oder Leipziger Buchmesse.

Das Thema des für 2014 ausgeschriebenen 2. Landscheiber-Wettbewerbs, für den die (3 bis höchstens 15 Seiten umfassenden) Arbeiten bis zum 31. August 2013 bei der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (GfdS)/Zweig Münsterland einzureichen waren, lautet: »Sprache und Tarnung«.

Die zukünftigen Jahresthemen lauten: »Sprache und Seinskategorien« (2015) bzw. »Sprache und Elemente« (2016).


* * *


Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse sind die Gewinner des 1. Landschreiber-Wettbewerbs bekanntgegeben worden. Alle prämierten Arbeiten und solche, die von der Jury für veröffentlichungswürdig befunden wurden, sind nun unter dem Titel Mit Sprache über Sprache in einem (unter Mitarbeit von Kim Karotki) von Klaus Siewert und dem Sprach- und Literaturwissen-schaftler Jochen P. Becker herausgegebenen Sammelband im Verlag auf der Warft erschienen. Dieser neugegründete Verlag ist ein neues Forum für die Bereiche Belletristik & Biografie, Kunst & Fotografie, Kultur & Natur sowie Wirtschaft & Gesellschaft; er ist aus dem Geheimsprachenverlag hervorge-gangen, einem Wissenschafts- und Fachbuchverlag, dessen Schwerpunkte in den Bereichen Geheim- und Sondersprachen, sprachliche Varietäten und moderne Linguistik liegen.

Der Germanist und Slavist Jochen P. Becker, der heute freiberuflich als Lektor und Texter tätig ist (Dr. Becker Textkonzepte) und neben der Kritikerin Benita E. Goldhahn und der Autorin Heike Kunst zur Wettbewerbsjury gehörte, hat im ebenso sprachkritischen wie launigen Nachwort zum vorliegenden Werk (»Von den Bauchschmerzen des Wertenden«) den Motiven der Teilnehmer feinsinnig nachgespürt: »In vielen, ja, den meisten Beiträgen zum ersten Landschreiber-Wettbewerb kamen zwei innere Beweggründe der Schreibenden zum Vorschein: zum einen das große Vergnügen, mir Sprache zu wirken, Fühlen und Denken auszudrücken, mit ihr zu spielen. Der zweite Beweggrund schien auch eine latente Sorge um unsere Muttersprache(n) zu sein, aus der das Bemühen resultiert, sprachlicher und damit geistiger Verarmung entgegenzuwirken.«

Um nur drei Beispiele herauszugreifen: Die Gewinnerin des Förderpreises, Janina Michl (Herr Schmidt), macht erkennbar, wie alltägliche Kommunikationsprobleme zu Beziehungsschwierigkeiten führen können; die Hauptpreis-trägerin, Sonja Voß-Scharfenberg (Die verlorenen Sätze – ein Adventsmärchen) spürt in einem einfühlsamen Essay verschiedenen Satzarten und -strukturen nach – unter der Prämisse: »Die Geisteskraft einer Nation erkennt man daran, wie sie mit ihrer Sprache umgeht«; der Gewinner des dritten Platzes, Wilfried von Manstein (Worte – nichts als Worte...) lässt seinen Protagonisten eine Bibliothek durchstöbern und dabei auf bedeutsame Schlagwörter wie Weisheit, Freiheit und Wahrheit stoßen.

Der Band repräsentiert eine bunte Fülle teils lustiger, teils sprachschöpferischer Textkonstrukte und bietet insgesamt ein Lesevergnügen der besonderen Art. »Ein Buch lesen« – so schrieb Hermann Hesse – »heißt für den guten Leser: eines fremden Menschen Wesen und Denkart kennenzulernen, ihn zu verstehen suchen, ihn womöglich zum Freund gewinnen.«


Christoph Gutknecht - 2. Oktober 2013
ID 7209
K. Siewert / J. P. Becker (Hrsg.) | Mit Sprache über Sprache
490 S., geb.
24,80 €
Verlag auf der Warft im Geheimsprachenverlag, 2013
ISBN 9783939211600



Siehe auch:
http://www.geheimsprachen-verlag.de


Post an Prof. Dr. Christoph Gutknecht



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