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Rezension

Maskenhandlungen - die besten Geschichten von Malte S. Sembten





Bewertung:    



Horror umgibt uns heute in ganz alltäglicher Form, und leider entspringt dieser Horror oft der Realität. Katastrophenberichte oder die Nachrichten über ein neues Gemetzel, neue Gräuel in irgendeinem Land dieser Erde lassen die Sinne abstumpfen.

Wie und wo kann ein Autor also noch echten Horror erzeugen, ein Grauen, das unter die Haut kriecht und sich im Körper mal als wohliger, wohl aber auch als beängstigender Schauer festsetzt? Malte S. Sembten gelingt dies in vierzehn sehr unterschiedlichen Geschichten, die über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren entstanden sind. Dabei vermittelt er Horror sowohl über alltägliche Situationen, als auch über die phantastische Schiene, über Orte und Begegnungen, die es eigentlich nicht geben kann.

So gelangen wir sowohl in ein Krankenhaus, als auch in ein Spukhaus und zu guter letzt in eine moderne Hölle. Wir haben ein Blind Date mit einem Succubus und begleiten dieses gentechnisch gezüchtete Superweib in die Vergangenheit bei einem pikanten Auftrag. Dabei soll Jack the Ripper nicht zur Ader sondern zur Samenspende „bewegt“ werden um den Kinderwunsch einer Frau in der Jetztzeit zu befriedigen.

Die Ideen, die den einzelnen Stories zu Grunde liegen, sind raffiniert, ungewöhnlich und manchmal befremdlich. Bei den Telefonspielen entwickelt eine mysteriöse Rufnummer ein Eigenleben, und im Hautobiographen dürften die geschilderten gewagten Ausschweifungen es vielleicht sogar Freunden der SM-Literatur ein wenig schaurig werden lassen. Im eigentlich harmlosen Mausefallenmuseum im Dorf Neroth in der Eifel erlebt der Besucher Abgründe; der Leser erfährt aber auch, was es heißt, wenn Erinnerungen verpflanzt werden; in Leipzig wiederholen sich wiederum in einem Haus düstere Begebenheiten einer Bombennacht, und ein kranker Opa schafft (wieder zurück im Krankenhaus) hinreichende Probleme für den Mitpatienten. In der titelgebenden Geschichte Maskenhandlungen bekommt ein Pädophiler eine mysteriöse Strafe, und in der "roten Kammer" passieren die wohl schlimmsten Dinge, die ein Gehirn sich ausdenken kann. Bei der Recherche zu Edgar Allen Poe verheddert sich der Suchende in auch heute noch gefährlichen Fallstricken. Erzeugt werden all diese Situationen über eine filigrane Sprache, die in ihrer Plastizität ihres gleichen sucht und die tief in die emotionalen Schichten des Lesers vordringt.

Mir persönlich hat die Krakelkult-Kampagne am besten gefallen, die zunächst sehr stylisch daher kommt und in einer hypermodernen, international arbeitenden Werbeagentur mit einem neuen Auftrag beginnt.

„Unsere Zielsetzung ist denkbar einfach … Sie lautet: den Slogan und das Signet so bekannt zu machen wie möglich. Und zwar global! Beides soll sich ins kollektive Unbewusste aller Menschen eingraben, sie bis in ihre nächtlichen Träume begleiten. Der Krakel muss so berühmt werden, wie die Shell-Muschel, das Dollarzeichen, das Peace-Emblem, das Atomkraft-Symbol, Yin und Yang, das Hakenkreuz, der Mercedes-Stern, das McDonald´s-M …! Zweck der ganzen Sache ist die Vorbereitung einer groß angelegten Markteinführung. Das Datum der Produktvorstellung: der 31.10.2005. Also zwei Jahre Zeit, um die Kampagne zum Erfolg zu führen. Noch Fragen?“ (S. 177)

Die Agentur ist erfolgreich ohne den Auftraggeber wirklich zu kennen. Das Krakel-Emblem wird berühmt, doch niemand weiß, was dahinter steckt, bis der Stichtag die unerwartete und grausame Realität enthüllt…

Die Abbildungen im Buch illustrieren die Geschichten, und das Krakel-Emblem wird dabei selbstverständlich von Fabian Fröhlich mitgeliefert. In einer davon sehen wir den Autor, wie er skeptisch zu einem Oktopustentakel emporschaut. Insgesamt ist das Buch aufwendig gestaltet, ein skelettierter Vogelkopf guckt aus jeder linken oberen Seitenecke den Leser an, und die Seitenzahlen befinden sich in einem schwarzen Klecks, der nichts Gutes ahnen lässt. Das Buch ist nicht nur ein Informationsträger, sondern eine bis ins Detail originell gestaltete Geschichtensammlung, die der Leser bewundernd aber auch schaudern in der Hand halten darf.




Ellen Norten - 6. Juni 2014
ID 7890
Malte S. Sembten | Maskenhandlungen
Herausgegeben von Hardy Kettlitz
Illustriert von Fabian Fröhlich
315 Seiten, mit ca.15 s/w Abb.
Klappenbroschur, € 16,90
E-Book, € 9,99
Golkonda Verlag, 2013
ISBN 978-3-942396-89-9



Siehe auch:
http://www.golkonda-verlag.de


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