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Rezension

Hans Rath - Und Gott sprach: Wir müssen reden!

Wunderlich, 2012
ISBN 978-3-8052-5044-3



„Am achten Tag ging Gott in Therapie“

Ein Titel, der neugierig macht. Leider werden die Erwartungen, die man an Witz und Potential hinter dieser Grundidee vermutet, nicht erfüllt. Sicherlich ist die Geschichte rund um den vom Leben gebeutelten Psychologen Jakob Jakobi amüsant, aber mehr eben leider auch nicht.

Jakobi wird von dem neuen Mann seiner Ex-Frau ins Krankenhaus geprügelt, wo er auf Gott in Gestalt des Clowns Abel Baumann trifft. So weit so gut, auch wenn bereits die Umstände ein wenig platt im Humor und ausbaufähig erscheinen. Baumann überredet den gescheiterten Psychologen, mit ihm eine Therapie zu beginnen, und so kommt die ganze Geschichte ins Rollen. Von nun an springt man von einer abstrusen Situation in die nächste. Alles, was man aus amerikanischen Sitcoms kennt, findet in diesem Buch Verwendung. Jakobi wird von seiner reichen Ex-Frau an der kurzen Leine gehalten, da er finanziell von ihr abhängig ist. Er hat als Sohn eines Jahrhundertpsychologen auf ganzer Linie versagt, da er keine große Karriere gemacht hat. Seine Mutter ist zum einen, wie sollte es anders sein, die beste Freundin der Ex-Frau und zum anderen vernarrt in ihren jüngsten und erfolgreichen Sohn Jonas. Eben jener Jonas, seines Zeichens der Dorn im Auge des gescheiterten Jakob, ist erfolgreicher Banker, der fröhlich das Geld von Großkunden veruntreut. Auch Maria und Josef mit ihrem Sohn Christian haben ihren Auftritt und vervollkommnen das Bild einer schlechten Realityshow.

Zwischen all diesen Dingen spricht Gott von tief religiösen Problemen, von Stress, Burn-Out, Verantwortung und den Bürden eines omnipotenten Wesens. Seine Kraft lässt nach, weil immer mehr Leute ihren Glauben verlieren. Es stellt sich das ewige Problem: Wie kann es einen Gott geben, wenn es soviel Leid auf der Welt gibt? Diese religiöse Grundfrage wird immer mal wieder angekratzt, jedoch versteht es der Autor, sich um eine eventuelle Interpretation herum zu mogeln. Alles wird für Gott noch komplizierter, da er im Körper von Abel Baumann gefangen ist. Man muss wissen, dass sich die Seele auf Wanderschaft begibt, wenn sich Gott eines Körpers bemächtigt. Leider ist Abels Seele nie zurückgekehrt, und so steckt Gott im wahrsten Sinne des Wortes fest. Auch dies gestaltet sich schwierig, da die Macht Gottes durch die menschliche Hülle eingeschränkt ist. Aber natürlich wäre es kein Buch über Gott, wenn nicht doch alles irgendwie gut werden würde. Durch die vielen Gespräche mit Abel erkennt Jakob, dass sein Leben noch längst nicht am Ende ist, er schöpft neue Hoffnung und söhnt sich auch mit seiner Familie aus. Auch als Gott letztendlich stirbt, ironischerweise durch das Schwert des Erzengels Michael, seinem größten Verfechter, erkennt man als Leser, dass die Welt doch auch ihre guten Seiten hat.

Sicherlich ist dieses Buch unterhaltsam, aber es fehlt an Liebe zum Detail. Die Geschichte hätte soviel besser ausgebaut werden können. Der an manchen Stellen allzu platte Humor wäre durch reine Charaktervertiefung greifbarer gewesen. Das Buch hat ohne Zweifel seine Höhepunkte, bei denen Rath zeigt, das er eigentlich ein sehr begabter Autor ist. Nur leider stand etwas im Weg, dass dieses Talent mitunter stark ausgebremst hat.

Wenn man sich also nach einem Roman sehnt, bei welchem man einfach abschalten kann, den man zwischen Tür und Angel lesen kann und ebenso schnell wieder vergisst, ist mit diesem Buch gut bedient.


Andrea Herbrig - 22. März 2013
ID 6637
Hans Rath - Und Gott sprach: Wir müssen reden!
Wunderlich (Rowohlt Verlag)
Taschenbuch
14,95€
Januar 2013
272 Seiten
ISBN 978-3-8052-5044-3



Siehe auch:
http://www.rowohlt.de/buch/Hans_Rath_Und_Gott_sprach_Wir_muessen_reden.2988339.html


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