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Rezension

Georg Klein - Schund & Segen

77 abverlangte Texte
Rowohlt 2013
ISBN 978-3-498-03566-2



Schund & Segen

Sich ausprobieren, das Feuilleton mit Sprachen füllen, das will der Schriftsteller Georg Klein. Die „Pietätsstarre auflösen“ nennt er das eloquent. Zu den einfacheren, nicht allzu viel Mut erfordernden Freiheiten Georg Kleins gehört dann auch, in einem Zeitungsartikel auch mal „ich“ sagen zu dürfen, was angehenden Journalisten meistens schon im Praktikum oder Volontariat ausgetrieben wird.


Sammler des Dehnbaren

Wer die deutschen Feuilletons beobachtet, weiß es: Georg Klein hat sich, neben dem Verfassen von Romanen, regelmäßig zum Wildern in fremden Gefilden verlocken lassen. Heino wird siebzig? Die Biene Maja hundert? Georg Klein gratuliert und ist auch, als Michael Jackson „die Kinderaugen des Pop“ für immer schließt, der richtige Mann. Weil er Künstlern und Könnern wie kaum einer in die Seele schauen kann. Denn er blickt tief in die Wunderkammern und Werkzeugkisten von Pop, Film und Literatur. Er liest Tausendundeine Nacht und das Kamasutra, würdigt die Vertreter des Kanons ebenso wie die halbseidenen Klassiker. Die Schriftstellerinnen Hildegard Knef, Françoise Sagan, Daphne du Maurier liegen ihm nicht weniger am Herzen als die männlichen Abenteurer Jules Verne, Robert Louis Stevenson oder Stanislaw Lem. Georg Klein denkt nach über Rassismus und Pornografie, das amerikanische Imperium und unser Heimatgefühl. Er zeigt uns David Lynch als Maler, er besucht ein Udo-Lindenberg-Konzert und findet Gott in einem Computerspiel.


Schubladendenken? Nein danke!

Verlage, Medien und der Buchhandel benötigen Schubladen. Georg Klein sein Ding ist das nicht. Er will nicht katalogisieren: Genregetreu nach Kunstrichtung ordnen. Vielmehr will er in seinen Artikel die von ihm porträtierten Personen auf eigene Füße zu stellen, ohne diesen dann dabei auf die Zehen treten zu müssen. Einfach draufdreschen kann jeder. Eine simple Logik, der zum Glück Georg Klein nicht verfallen ist. Der Volkssänger Heino etwa sei, wie Georg Klein und ein Interviewer der Leipziger Volkszeitung übereinstimmend feststellen, „vermintes Gelände“. Man könne nur entweder Heinos treue Anhängerschaft verprellen oder sich unter Intellektuellen und solchen, die sich dafürhalten, lächerlich machen. Dass es etwas Drittes gibt, ohne kompromisslerisch zu werden, beweist der Artikel Die Sehnsucht der Anderen, der, ohne sich billig über „die Stimme der Heimat“ zu mokieren, den Geschmack der Menschen ernst nimmt, „die wir brauchen und schätzen“.


Redlichkeit in der Kultur

Tugend steht für Mut und Mäßigung. Auf Georg Klein bezogen bedeutet das, dass er mit den traditionell im Feuilleton „selbstbezogenen“ Tugenden des „Egoman sein“ bricht. Dementsprechend will er zwar subjektiv, aber nicht starrköpfig sein, denn Redlichkeit verlangt die wenn nicht fortwährende, so doch periodische Selbstinfragestellung desjenigen, der redlich sein will – auch und gerade dann, wenn er glaubt, die Wahrheit als Feuilletonist nun gefunden zu haben.


Hochkultur oder halbseidene Bücher

In Klein seinen Texten geht es immer um Objektivität, nicht um Opazität. Seit Beginn seiner Tätigkeit bei den Printmedien führt er vor, was es heißt, Redlichkeit als Tugend des Feuilletons zu kultivieren. Für ihn persönlich, dem Menschen Georg Klein, geht es dabei nicht immer nur um Hochkultur. In seinen Artikeln bespricht er diese genauso wie Groschenromane, ohne jedoch das eine mit dem anderen zu verwechseln. Als Antwort auf die Literaturkanon-Debatte verteidigt er „das wilde Lesen, das uns das richtige Buch im richtigen Moment in den Schoß wirft.“ Kultur hat viele Facetten. Warum soll man als Erwachsener hochnäsig verachten, was einem als Kind unglaublich viel gegeben hat.


Fazit:

Schund & Segen
versammelt das Beste aus zwei Jahrzehnten publizistischer Prosa: siebenundsiebzig abverlangte Texte über Kunst und Alltag, über Kultfiguren und Kultlektüren - erstmals in einem Band.


Mario Bartsch - 17. Juli 2013
ID 6962
Georg Klein, Schund & Segen
432 Seiten
Rowohlt
22,95 Euro
ISBN 978-3498035662



Siehe auch:
http://www.rowohlt.de/buch/Georg_Klein_Schund_Segen.3036168.html


Post an Mario Bartsch



 

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