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Rezension

Fritz Höffeler | Nutrigenetik: Wie sich Ernährung und Gene gegenseitig prägen

S. Hirzel Verlag, 2013
ISBN 978-3-7776-2150-0




Der Mensch ist was er isst

Es gibt viele Bücher zum Thema Ernährung: Fachbücher, Sachbücher oder auch Ratgeber. Viele von ihnen sind ideologisch geprägt, sagen dem Leser, was gut für ihn ist und wie er sich zukünftig ernähren sollte. Solche Bevormundung gibt es in dem vorliegenden Buch nicht.

Viele der Bücher zum Thema Ernährung sind zudem schnell überholt, denn in der Ernährungswissenschaft ändert sich die Bewertung von Lebensmitteln leider oft verwirrend schnell. War nun eigentlich Butter besser als Margarine? Oder war es umgekehrt? Oder sollte man am Ende auf beide zu Gunsten von Olivenöl verzichten?

Wie wir uns „richtig“ ernähren ist ein Thema, bei dem selbst gute Freunde in Streit geraten können. Fatal wird es, wenn dem, der dem neuesten Dogma in der Ernährungswissenschaft nicht folgt, auch noch eine „Schuld“ an einer schweren Krankheit zugewiesen wird, unter der er vielleicht leidet. Da freut es, wenn tatsächlich mal ein Buch auf den Markt kommt, das die gerade aktuellen Trends nicht bedient und mit umfassenden Recherchen das Thema Ernährung zudem in einem neuen Blickwinkel beleuchtet.

Es geht um Erbanlagen, also um die Gene - und zwar sowohl bei uns als auch in unseren Lebensmitteln. Spannend bei dieser Sichtweise ist, dass wir unsere Lebensmittel ja über Jahrtausende selbst geformt haben, durch Züchtungen, durch industrielle Prozesse, in den letzten Jahren dabei auch die Gentechnik, aber auch durch eine kulturelle und ethische Auswahl der verzehrten Speisen. Und diese von uns geformte Nahrung (Nutri von nutrition) nimmt wiederum Einfluss auf uns, letztendlich auch auf unsere Erbanlagen über die Generationen hinweg.


„Jede Ernährungsbeziehung zwischen zwei Organismen ist deutlich mehr als ein Fressen und Gefressen werden, als ein Einverleiben von Materie und der in ihr gespeicherten Energie. Die Komplexität dieser Interaktion lässt sich allerdings erst erkennen, wenn man in evolutionsbiologischen Dimensionen denkt – eine Herausforderung für unser Vorstellungsvermögen.“ (S. 139)


Dieser Herausforderung kann der Leser allerdings kaum folgen, es sei denn er ist studierter Biologe oder in einer vergleichbaren Wissenschaft ähnlich gebildet. Fritz Höffeler wirft mit Fachausdrücken nur so um sich. Da ist von exprimierten Genen, Aktivator-Proteinen und einer Transkriptionsmaschinerie die Rede, Begriffe, die sich auch über die eingefügten Grafiken einem laienhaft interessierten Leser nicht erklären. Dabei richtet sich das Sachbuch nicht an den Fachmann, denn der studierte Didaktiker Fritz Höffeler will in seinem Atelier „Art for Science“ Wissenschaft durch Wort, Schrift und Bild vermitteln.

Schade, dass ihm dies kaum gelingt, denn Höffeler hat tatsächlich einiges Interessantes zu berichten. Wir schauen in die Küche der Frühmenschen und erfahren, wann die ersten Gerichte gegart wurden. Er beleuchtet aus evolutionsbiologischer Sicht, warum manche Menschen keine Milch bzw. den darin enthaltenen Zucker vertragen können und was dies wiederum für die Menschwerdung bedeutete. Sogar über die Vergangenheit mancher Frucht weiß Höffeler Neuigkeiten. So ist unsere Apfelsine eine Kreuzung zwischen Pampelmuse und Mandarine, wobei die Mandarine als „Mutter“ gleich über zwei Generationen aktiv wurde und so im Erbgut doppelt gegenüber dem Pampelmusenvater vertreten ist. Doch solche Ausdrücke gestattet sich der Autor nur in Ausnahmen, fast als hätte er Angst, dass sein Werk als pseudowissenschaftlich oder zu trivial eingestuft werden könnte.

Wer einmal versucht hat, einen komplizierten Sachverhalt in einfachen Worten auszudrücken, der weiß, dass gerade hierin die große Herausforderung liegt. Die hat der Autor nicht angenommen. Stattdessen langweilt er am Ende des Buches mit einer „Einführung in die Genetik“. Hier werden auf kürzestem Raum die Grundlagen der modernen Molekulargenetik dargestellt, auf neuestem Stand aber genauso unverständlich wie weite Teile des übrigen Buches auch. Die Informationen in diesem Anhang hätte man auch in jedem guten Lehrbuch nachschlagen können, wenn, ja wenn man gleichzeitig auch zum Fachmann für Genetik werden möchte.

Das Buch ist zweifelsohne interessant. Es stecken aufwendige und akribische Recherchen darin. Geeignet als Lektüre ist es aber lediglich für den, der sich im Thema Genetik und Evolutionsbiologie bestens auskennt.


Bewertung:    


Ellen Norten - 15. Dezember 2013
ID 7466
Fritz Höffeler | Nutrigenetik: Wie sich Ernährung und Gene gegenseitig prägen
232 Seiten, 34 Abbildungen
Kartoniert
€ (D) 24,90 | € (A) 25,60 | sFr 34,90
S. Hirzel Verlag, 2013
ISBN 978-3-7776-2150-0



Siehe auch:
http://www.hirzel.de


Post an Dr. Ellen Norten



 

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