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Rezension

David Safier - MUH!

Roman
Kindler, 2012
ISBN 978 3 463 40603 9




In das miese Karma einer Ameise hat David Safier uns in seinen bisherigen Büchern schon hineinversetzen können, in Jesus persönlich, Mr. Shakespeare himself und viele andere Wesen und auch Un-Wesen. Dieses Mal sind es schlicht Kühe. Die Heldin des Romans MUH! ist Lolle, eine junge Kuh, die in den Stier Champion verliebt ist und von einer Zukunft träumt, in der es mehr gibt, als „Grasen, Wiederkäuen und den anderen Kühen zu erzählen, was man für einen gigantischen Fladen produziert hatte“. Doch Lolle wird jäh aus ihren Tagträumereien gerissen, als sie Champion in einer eindeutigen Position mit der dummen, aber attraktiven Kuh Susi überrascht. Der Schmerz über diesen Betrug ist überwältigend, aber was sie in den kommenden Stunden noch so erfährt, übertrifft alles bisher Erlebte. Sie rettet eine verletzte Katze, die sich als weitgereister Lebekater erweist, Giacomo heißt und von einem bösartigen, mit übersinnlichen Kräften ausgestatteten Hund namens „Old Dog“ gejagt wurde. „Old Dog“ war mal der Hofhund von Lolles Bauern. Aus Trauer über den Tod seiner geliebten Pudeldame wollte er mit vergiftetem Fleisch Selbstmord begehen, kam aber als Untoter wieder zurück und treibt seitdem sein Unwesen, indem er alle, die glücklich sind, reißen will. So will er auch Lolle verfolgen und ihr in ihrem glücklichsten Moment das Leben nehmen...

Doch Lolles Aussichten verdüstern sich noch mehr. Der Bauer ist bankrott und die Kühe sollen zum Schlachter. Lolle und ihre Freundinnen, Hilde und Radieschen, können dem Kater Giacomo kaum glauben, als er ihnen erzählt, wo ihre Eltern abgeblieben sind und dass auch sie sich eines Tages mit schlaffen Gürkchenscheiben zwischen zwei Brötchenhälften wiederfinden werden. Also müssen sie fliehen, befindet Lolle. Aber wohin und wie? Giacomo weiß von einem Land, wo Kühe in Frieden leben können und sogar verehrt werden. Das Land heißt Indien, Lolle hat aber den Verdacht, dass es mehr als drei Tagesmärsche entfernt sein könnte. Dann ist da noch der elektrische Zaun, der unüberwindbar ist, der Knallstab des Bauern und die drei Bulldoggen Schasch, Lick und Spieß. Selbst wenn sie es schafften, den Hof zu verlassen, sind hinter dem Maisfeld schon die Bäume am Ende der Welt zu sehen. Dort wohnt die Kuh des Wahnsinns und dort kann man jederzeit in die Milch der Verdammnis abstürzen...

David Safier schafft für seine Heldenrinder ein ganzes Kuhniversum, in dem er die Schöpfungsgeschichte der Gotteskuh Naia beschreibt, der allerdings bei ihren Kreationen ein paar Missgriffe geschehen sind, wie die Erschaffung des Menschen, und auch die Erschaffung des Stiers war nicht gerade ein schöpfungsgeschichtliches Meisterwerk. Lolle zweifelt mehr und mehr an den alten Kälbermärchen und wächst auf dem Weg nach Indien über sich selbst hinaus...

Wie in seinen bisherigen Romanen Mieses Karma, Jesus liebt mich, Plötzlich Shakespeare und Happy Family nimmt Safier Elemente von Märchen, Mythen und New-Age-Ansichten aufs Korn. Es geht auch in MUH! um Selbstfindung, den Wert von Freundschaft und Zusammenhalt und die Erkenntnisse, die Herausforderungen einem bringen. In MUH! kann Safier viel Komik aus der Unbedarftheit der Kühe schöpfen und entwirft ein Feuerwerk an Ideen. Einzig die Männer/Stierfeindlichkeit ist auf die Länge des Romans etwas ermüdend und die realen oder angedrohten Angriffe auf das männliche Fortpflanzungsorgan häufen sich zu sehr. Letztendlich – so auch die Botschaft in Safiers fünftem Roman - hängt das Glück gar nicht so sehr von einem Stier oder anderen Äußerlichkeiten ab, Glück und Zufriedenheit kann man nur in sich selbst finden. Der Weg ist dabei das Ziel, und so lässt Safier seine Kühe viele Abenteuer bestehen und Bedrohungen überwinden, indem sie sich der Angst stellen und sich zu sich selbst bekennen. Das ist so einfach, dass es auch am Ende die letzte Kuh versteht. Sogar Lolles Rivalin Susi und der Stier Champion.

Helga Fitzner - 13. November 2012
ID 6347
David Safier, MUH!
Kindler
Hardcover, 336 S.
Erscheinungstermin: 09.11.2012
16,95 €
978-3-463-40603-9



Siehe auch:
http://www.rowohlt.de


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