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Rezension

Bernward Schneider - Berlin Potsdamer Platz

Ein 30er-Jahre-Krimi
Gmeiner Verlag, 2013
ISBN 978-3-8392-1401-5




Zwischen den Rädern von SA und SS

1934, die Wirren der Machtübernahme durch die Nazis und der Kampf zwischen SA und SS bestimmen das Leben in Deutschland und speziell in Berlin. Der Anwalt Eugen Goltz gerät durch den Auftrag einer Mandantin zwischen die Fronten und wird Zeuge eines Mordes durch die SA. Er selbst entgeht dem Todeskommando nur knapp. Doch warum mußte das Mordopfer, der SS-Mann Zerner, sterben?

Um dies zu klären, gelangt Goltz sehr schnell immer tiefer in die Machtverstrickungen und läuft Gefahr, von der SS vereinnahmt zu werden.

„Was unterschied mich von den Leuten, in denen ich meine Widersacher sah? Dass die Frau, für die ich arbeitete, nicht besser als Philipp Arnheim war, stand nach dem vorangegangenen Gespräch für mich außer Zweifel. War ich durch meinen Pakt mit der Dame nicht selbst ins Fahrwasser der SS geraten und stand kurz davor, zusammen mit diesen finsteren Gesellen über den Rubikon zu gehen?“ (S. 170)

Eugen Goltz ist kein Held. Er hat Angst, besitzt keine Waffe und auch keine Patentlösungen, wie er aus gefährlichen Situationen wieder herauskommen kann. Doch er durchschaut, was in Berlin 1934 vor sich geht. So werden geheime Dokumente über Todeskommandos und Todeslisten zu wichtigen strategischen Machtinstrumenten im Kampf zwischen SA und SS. Es ist besser darüber nichts zu wissen, denn diese Dokumente bedeuten Verfolgung und Tod. Selbst der Mord an Horst Wessel birgt brisante Details, die weitere Todesurteile an politisch unerwünschten Personen ermöglichen.

Der Leser verfolgt nicht nur einen spannenden Kriminalfall, sondern erfährt auch gut recherchiert Zusammenhänge dieser frühen Zeit der Machtübernahme. Goltz wirkt dabei manchmal etwas steif, ist er doch kein ausgekochter Privatdetektiv, noch ein vielschichtiger Polizist. In der Beziehung zu der ungewöhnlichen Freundin des ermordeten SS-Manns gewinnt er jedoch Farbe. Das gutaussehende junge Mädchen arbeitet in der Pornoindustrie, ist couragiert und sorgt für Überraschungen. Auch das geradezu bizarre Verhältnis zu seiner Schwester macht Goltz interessant. Und eines bleibt zu bemerken. Goltz schüttelt die miterlebten Brutalitäten nicht einfach ab. Er ist feinfühlig, fast ein wenig sentimental. Die Morde werden nicht zu selbstverständlichen Begleitumständen der Nazidiktatur.

Da Bernward Schneider Eugen Goltz nun zum dritten Mal in einem Krimi auftreten lässt, bleibt zu hoffen, daß man die 30er Jahre aus der Sicht von Eugen Goltz auch zukünftig ein Stück weit mit verfolgen kann.


Ellen Norten - 4. April 2013
ID 6660
Bernward Schneider, Berlin Potsdamer Platz
Gmeiner Verlag GmbH, Meßkirch 201
2013, 1. Auflage
Taschenbuch / 305 S.
€ 11,99
ePub € 9,99
ISBN 978-3-8392-1401-5



Siehe auch:
http://www.gmeiner-verlag.de


Post an unsere Rezensentin Dr. Ellen Norten



 

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